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Müllnergasse 20

Fakten

Müllnergasse 20

Müllnergasse 20, 1090 Wien

Baujahr: 1927-1927

Wohnungen: 22

Architekt: Johann Franz Würzl

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Das Lokal der städtischen Straßenreinigung, das sich heute noch in dem Gebäude befindet, war bereits im Originalplan von 1927 hier vorgesehen. Aufgrund der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in den 1950er-Jahren in vielen Wiener Gemeindebauten die Dachgeschoße ausgebaut: Auch in diesem Haus konnten durch diese Maßnahme zusätzliche Wohnungen geschaffen werden.

Die Architektur

Bei diesem kleinen Gemeindebau handelt es sich um eine Baulückenschließung. Die Straßenfassade fällt vor allem durch ihre strenge Zentralsymmetrie auf; Die Schichtung der als Kuben hervortretenden Elemente verweist auf konstruktivistische Strömungen jener Epoche. Dem wirken horizontal verlaufende Elemente wie lange Balkone und Gesimse entgegen, wodurch die Fassade dynamisiert wird. Die Balkone sind an diesem Gebäude ausschließlich straßenseitig, also südwestseitig angelegt und erhalten somit sehr viel Sonne. Die Hoffassade wirkt sehr ruhig und zurückgenommen, nicht nur im Vergleich zur Straßenfront in der Müllnergasse, sondern noch viel mehr in Gegenüberstellung mit der stark bewegten Innenfassade der Anlage D’Orsaygasse 3-5, mit der dieser Innenhof gemeinsam genutzt wird. Dort war bereits bei der Errichtung ein Kinderspielplatz vorgesehen. Im Gegensatz zu den ersten Wohnbauten des Roten Wien weist dieses Gebäude bereits recht viele größere Wohnungen mit mehreren Zimmern auf, obwohl in der Frühphase des kommunalen Bauprogramms überwiegend Klein- und Kleinstwohnungen errichtet wurden.

Der Name

Die Gasse ist seit 1886 nach Leopold Müllner (1814 bis 1871) benannt. Der Holzhändler war ein großer Wohltäter und vermachte seinen Besitz Taubstummen und kirchlichen Vereinen.

Prominente Bewohner

In diesem Haus lebte in den 1930er-Jahren der beliebte Wiener Operettensänger Gustav Werner (1881-1963).

Sanierung

von 2014 bis 2015

Bei der Sockelsanierung der Wohnhausanlage werden unter anderem das Dach instandgesetzt, die Fassade gedämmt, die Fenster und Türen getauscht bzw. erneuert und die Haustechnik adaptiert. Außerdem werden Balkone gebaut und die Außenanlagen instandgesetzt.

Architekten

Johann Franz Würzl - Johann Franz Würzl (1885-1951) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo er die Meisterklasse von Otto Wagner besuchte. Bereits ab 1907 war er an der Erbauung des Miethausblocks Blechturmgasse 16-20 in Wien 4 beteiligt. Für die Gemeinde Wien errichtete Würzl in den 1920er-Jahren vier Wohnhausanlagen. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg entstand der Gemeindebau Goldschlagstraße 142 in Wien 14 nach seinen Plänen.

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