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Marktgasse 45

Fakten

Marktgasse 45

Marktgasse 45, 1090 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 33

Architekt: Ernst Brandl

Weitere Adressen

Reznicekgasse 5, 1090 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Anhebung eines großräumigen Areals im Alsergrund beschlossen. Diese Maßnahme sollte einer stetig drohenden Überschwemmung des Gebiets durch den Alserbach entgegenwirken. Demgemäß wurden ab diesem Zeitpunkt sämtliche Neubauten in "provisorischer Höhenlage" errichtet. Dabei musste das Erdgeschoß als zukünftiges Kellergeschoß mit hoch liegenden Kellerfenstern konzipiert werden, was den Einbau von Geschäftslokalen im Allgemeinen obsolet machte. Erst um 1970, nach Intervention durch das Ordinariat, welches eine Tieflegung seiner Pfarrkirche nicht dulden wollte, wurde die entsprechende Verordnung wieder aufgehoben und der Alserbachkanal stattdessen mit besonders starken Vorflutern versehen.

Für die Liegenschaft der Marktgasse 45 war eine "zukünftige Regulierung des Straßenniveaus" um 2,27 Meter geplant. Aufgrund dieser Vorgabe umfasst der Wohnbau neben Erdgeschoß und Keller auch ein so genanntes "Tieferdgeschoß".

Die Architektur

Bei dem Gebäude in der Marktgasse 45 handelt es sich um ein Eckhaus mit 33 Kleinwohnungen auf sechs Regelgeschoßen. Laut Plan wird das unterste Regelgeschoß jedoch als Parterre bezeichnet und ist in der Fassade dementsprechend anders abgehandelt. Der Wechsel in der Gestaltung wird mittels eines Kordongesimses unterstrichen; erst darüber, also ab dem zweiten Regelgeschoß, beginnen die Erkeranlagen - zwei auf jeder Schauseite. Diese Besonderheit ergibt sich aus der ursprünglich vorgesehenen, jedoch nicht durchgeführten Bodennivellierung (siehe oben). Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass die Geschäftslokale - gemäß Zeichnung - im Souterrain liegen.

Die Fassade schließt nach oben in einem übermäßig stark hervortretenden Kröpfgesims ab. Die ein-, zwei- oder dreiflügeligen Fenster sind mit weiteren, jedoch einfachen Gesimsen schlicht in die ansonsten glatte Putzfassade gesetzt.

Der Name

Ursprünglich, d. h. ab 1843, trug diese, die Pfarrkirche "Zu den hl. Vierzehn Nothelfern" säumende, Gasse die Bezeichnung "Kleine Kirchengasse". Im Jahr 1862 wurde sie in "Marktgasse" umbenannt, um dem hier angesiedelten Lichtentaler Markt Rechnung zu tragen. Der Umschlagplatz selbst wurde 1880 jedoch in die neu erbaute Markthalle in der Nußdorfer Straße verlegt.

Architekten

Ernst Brandl - Ernst Brandl (geb. 1894) studierte zunächst acht Semester lang an der Technischen Hochschule Wien und besuchte im Anschluss die Meisterklasse von Peter Behrens an der Akademie der bildenden Künste Wien. Für die Gemeinde Wien plante er etwa das Wohnhaus Marktgasse 45 in Wien 9 (1926/27).

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