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Rögergasse 6

Fakten

Rögergasse 6

Rögergasse 6, 1090 Wien

Baujahr: 1923-1924

Wohnungen: 41

Architekt: Karl Alois Krist

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Anhebung eines großräumigen Areals im Alsergrund beschlossen. Diese Maßnahme sollte einer stetig drohenden Überschwemmung des Gebiets durch den Alserbach entgegenwirken. Erst um 1970 wurde die entsprechende Verordnung wieder aufgehoben und der Alserbachkanal stattdessen mit besonders starken Vorflutern versehen. Zur Ausführung der beabsichtigten Aufschüttung kam es nur in den wenigsten Fällen, so zum Beispiel im Umfeld der Servitenkirche, die auf diese Weise ihren ursprünglich großzügigen Treppenaufgang verlor und deren Eingangsportal nunmehr einige Zentimeter unterhalb des Straßenniveaus beginnt. Unter Vorwegnahme der geplanten Straßennivellierung wurde der Gemeindewohnbau in der Rögergasse - wie aus den Plänen ersichtlich - in Relation zu einer imaginären Straßenhöhe errichtet. Nachdem auch hier die Nivellierung letztendlich nicht durchgeführt wurde, hebt sich nun das Gebäude samt Gehsteig vom umgebenden Terrain ab.

Die Architektur

Der Gemeindebau in der Rögergasse wurde explizit als Wohn- und Geschäftshaus konzipiert, mit großen, den Straßenraum aufschließenden Gassenlokalen und einem baulich um 6,8 Meter zurückversetzten Wohnungstrakt. Für das Souterrain sah der Plan neben den üblichen Parteienkellern zusätzlich zwei Werkstätten mit jeweils eigenem, direktem Treppenabgang vor. Die kleine vorgelegte Rasenfläche mit zwei haushohen Kastanienbäumen unterbricht die strenge Häuserflucht und lockert damit den, für das Servitenviertel typischen, engen Straßenraum auf. Die beiden Gassenflügeltrakte sind gegen den dazwischen gelegenen Mitteltrakt um einen Halbstock versetzt. Die insgesamt 41 Wohnungen werden über drei Stiegenhäuser erschlossen. Die Fassade ist symmetrisch aufgebaut und einfach, ornamentfrei gestaltet. Dennoch erscheint die Schauseite stark strukturiert, da sie ein besonders reges Spiel mit Gesimsen aufweist. Ein weiteres gestalterisches Element sind die Rundbögen im Erdgeschoß: Über den drei Eingängen sind sie konstruktiv eingesetzt, während sie über den Schaufenstern nur optisch angedeutet werden. Auch die Fensterachsen an den beiden Gebäudeecken sind mit Rundbögen versehen. Bemerkenswert, jedoch nur im Plan und nicht von der Straße ersichtlich, ist der kleine, mittig aufgesetzte Glockenturm auf dem Dach.

Der Name

Seit dem Jahr 1878 führt diese Gasse, die vorher Teil der Seegasse war, den Namen des Bäckermeisters Paul Röger (1773-1847). Dieser war als Grundrichter tätig und gilt als Wohltäter in der Rossau.

Sanierung

von 1997 bis 1998

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1997 und 1998 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 900.707 Euro, davon konnten 295.139 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Alois Krist - Karl Alois Krist (1883-1941) trat nach dem Studium an der Technischen Hochschule Wien sowie an der Akademie der bildenden Künste in den Dienst der Stadt Wien ein, für die er ab 1922 zahlreiche Wohnhaussiedlungen realisierte, darunter den George-Washington-Hof (Wien 10; 1927-1930; zusammen mit Robert Oerley), den Anton-Schrammel-Hof (Wien 11; 1925), den Dr.-Franz-Klein-Hof ( Wien 11; 1924) und den so genannten Liebknechthof (Wien 12; 1926/27). Neben seiner Tätigkeit für die Stadt Wien unterhielt er auch ein privates Atelier als Zivilarchitekt.

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