Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Neustiftgasse 43

Fakten

Neustiftgasse 43

Neustiftgasse 43, 1070 Wien

Baujahr: 1954-1956

Wohnungen: 35

Architekt: Alexis Franken

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Wohnhaus liegt in unmittelbarer Nähe zum Augustinbrunnen in der Neustiftgasse/Ecke Kellermanngasse. Die Sage vom "Lieben Augustin", der angeblich 1679 in eine Pestgrube gefallen ist und überlebte, hat hier ihre Wurzeln. Zwischen Straßen- und Hoftrakt sowie an der Rückfront des Hoftraktes wurde der Hof zu einer Gartenanlage umgestaltet. Auf diesem Grundstück befand sich bis zu seinem Abriss noch das vierstöckige alte Wohnhaus mit insgesamt acht Wohnungen der Gemeinde Wien. Integriert in die Gartenanlage war ein Bereich für die sog. "Colonia-Gefäße" - die heutigen "Mülltonnen" - sowie ein Klopfplatz. In dem ebenerdigen Geschäftslokal findet man heute ein Massagefachinstitut.

Die Architektur

Das Wohnhaus besteht aus zwei Objekten mit je einem Stiegenhaus; der Vordertrakt besitzt sechs Obergeschoße und ein Dachgeschoß, der Hoftrakt fünf Geschoße mit je vier Wohnungen. Der durch das Gelände bedingte Niveauunterschied wird durch eine Stiegenanlage überwunden. Kennzeichnendes Merkmal dieser Bauperiode ist die pastellfarbige Fassadenbemalung mit den funktionalen Fensteröffnungen. Diese wurden zurückversetzt und heben sich, wie auch das Sockelgeschoß, durch unterschiedliche Farbgebung vom Rest des Gebäudes ab. Auffallend ist, dass das Hauptgesims zum Nachbarhaus hin zurückspringt, wodurch Raum für eine Terrasse entstanden ist.

... und die Kunst

Über dem Portal befindet sich ein buntes Mosaik von Walter Behrens (geb. 1911). Das Fassadenmosaik mit dem Namen "Zelt des Kara Mustapha" zeigt eine Szene der Zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahre 1683. In der Neustiftgasse sollen die Zelte der Belagerer gestanden und die Angriffe auf Wien befehligt worden sein.

Der Name

Die Neustiftgasse ist einer der ältesten Straßenzüge des Bezirkes. Seit 1862 ist er nach dem ehemalige Ort Neustift benannt, der bereits 1315 urkundlich Erwähnung fand.

Sanierung

von 2004 bis 2005

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2004 und 2005 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden; außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Alexis Franken - Der in Belgien geborene Alexis Franken (1921-1969) studierte Architektur in Brüssel, wo er zunächst auch als Architekt tätig war. 1948 kam Alexis Franken nach Wien. Hier arbeitete er vorwiegend an veschiedenen Großprojekten von Georg Lippert mit, entwarf aber auch eigenständig zahlreiche Wohnbauten, wie etwa die Wohnhausanlage "Ursulinenhof" in Wien 18, Gentzgasse 14-20. Alexis Franken war auch an der Planung zum Hauptgebäude der Arbeiterkammer in Wien 4, Prinz-Eugen-Straße 20-24 (1957-1960) beteiligt.

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+