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Mondscheingasse 9

Fakten

Mondscheingasse 9

Mondscheingasse 9, 1070 Wien

Baujahr: 1938-1940

Wohnungen: 18

Architekt: Walter Pind

Wohnen in Wien

1938 wurde der Nationalsozialist Hermann Neubacher aus dem Bauressort Wiener Bürgermeister. Die nationalsozialistischen Stadtplaner wälzten pompöse Ideen und Pläne - in erster Linie Propagandamaßnahmen. Die systematische Zerstörung jüdischen Eigentums und Enteignungen - auch von Gemeindewohnungen - waren Teil dieser Stadtplanung. Während einige Architekten ihre Lizenz verloren, wurden andere mit der Errichtung von Volkswohnhäusern, Kasernen und Rüstungsbauten beauftragt. Entgegen den anfänglichen Plänen wurde mehr in Kriegsbauten als in den Wohnbau investiert - die heute noch existierenden Flaktürme wurden errichtet. Ab 1941 wurde die Bautätigkeit kriegsbedingt größtenteils eingestellt und die Strukturen der Stadtplanung wurden aufgelöst. Die Zerstörung großer Teile Wiens war Folge des Krieges.

Geschichte

Auf dem Areal des Gebäudes befand sich früher das Gemeindehaus und Grundspital "Zur goldenen Sonne". Am 22. Dezember 1887 wurde an dieser Stelle von der Gemeindeverwaltung das erste Volksbad Europas mit Duschanlagen für Frauen und Männer eröffnet. Die Adaptierung kostete rund 20.000 Gulden. Allein im ersten Jahr nützten bereits 78.000 Wienerinnen und Wiener das Angebot.

Die Architektur

Die Baulücke im Straßenraum wurde durch ein sechsgeschoßiges Wohnhaus geschlossen. Ein Teil des Gebäudes tritt hinter die Straßenfluchtlinie zurück, wodurch ein kleiner Vorhof entsteht. Hier liegt in nördlicher Richtung der Hauseingang, der kleine begrünte Garten schließt gegen Süden zu den angrenzenden Nachbarhäusern ab. Der halbrunde Erkerturm, der sich über dem Eingang erhebt, sowie die seitlich an die Feuermauer angrenzende Balkonreihe mit Blick zur Straße bilden die vertikalen Gliederungselemente der Fassade. Im teilweise genuteten Erdgeschoß sind die Lokalitäten einer Änderungsschneiderei untergebracht. Die darüber befindliche Fassadenkante nutzte der Architekt, um die ums Eck geführten Fenster als Erkerersatz anzulegen. Dadurch erhalten die Bewohner der übereinander gestaffelten Wohnungen zur Gänze einen Ausblick zur Straße. Die Eckfenster sind durch verbindende Sohlbänke und Profilierungen noch einmal besonders hervorgehoben. Die Farbgebung der Putzfassade wirkt zurückhaltend ruhig und dezent. Ebenso einfache Satteldächer schließen das eigenwillige Gebäude nach oben hin ab.

... und die Kunst

Für die Wohnhausanlage Mondscheingasse 9 schuf der Bildhauer Prof. Ferdinand Opitz (gest. 1960 ) ein hünenhaftes Relief aus Terrakotta. Das Werk versinnbildlicht Siegfrieds Kampf gegen den Drachen Fafnir.

Der Name

Benannt wurde die Gasse 1862 (vorher: Beim Gottesacker) nach einem Hausschild "Zum goldenen Mondschein".

Architekten

Walter Pind - Walter Pind (1903-1944) studierte nach dem Besuch der Staatsgewerbeschule an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Peter Behrens. Für seine Entwürfe erhielt er bereits als Student mehrere Preise. Als beamteter Architekt war er in der Abteilung Hochbau bei der Gemeinde Wien und später im Stadtbauamt tätig. Neben Wohnbauten plante er auch Industriebauten sowie öffentliche Gebäude. Pind fiel 1944 in der Nähe von Budapest.

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