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Hermanngasse 30

Fakten

Hermanngasse 30

Hermanngasse 30, 1070 Wien

Baujahr: 1825

Wohnungen: 13

Architekt: Pauline Lamprecht

Wohnen in Wien

Nach dem endgültigen Zurückdrängen des Osmanischen Reiches zu Ende des 17. Jahrhunderts konnte in Wien und seinen zerstörten Vorstädten mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Die stark einsetzende Bautätigkeit hatte eine Barockisierung des Stadtbildes zur Folge. Die weitreichenden Reformen unter Joseph II. führten 1783 auch zur Modernisierung der Stadtverwaltung. Die Einführung der ersten Hausnummern (Konskriptionsnummern) sowie die Entwicklung der Kanalisation und Straßenreinigung fallen in diese Zeit. Die Auflassung zahlreicher Klöster und Friedhöfe schuf zudem neue Bauplätze.

Geschichte

1525 erwarb das Bürgerspital die Weidelandgründe im Bereich des heutigen Spittelbergs, die in der Folge von Gastarbeitern besiedelt wurden. Die heranwachsende Dorfgemeinschaft wurde allerdings während der zweiten Türkenbelagerung 1683 vollkommen zerstört. Bei der Wiederbesiedlung um 1700 wurde das Gelände zwischen Burggasse, Stiftgasse, Siebensterngasse und Breite Gasse durch vier parallele Straßen erschlossen, in enge, seichte Parzellen aufgeteilt und dicht verbaut. Bezeichnet wurde das Gebiet als Spittelberg nach seiner Grundherrschaft - dem Bürgerspital. Der barocke Baubestand des im Laufe der Geschichte übel beleumundeten Vergnügungsviertels ist streckenweise nahezu lückenlos überliefert und wurde ab 1975 aufwändig restauriert und revitalisiert.

Die Architektur

Das 1825 erbaute, dreigeschoßige Wohnhaus ist über drei Wendeltreppen begehbar, die durch den geschlossenen Innenhof zu erreichen sind. Die Fassade gliedert sich in zwei dreiachsige Seitenrisalite und einen fünfachsigen Mittelrisalit. Die Seitenrisalite werden im zweiten Geschoß von Pilastern bestimmt, im ersten Geschoß sind über den Fenstern Lünettenreliefs angebracht. Der Mittelrisalit sticht nicht zuletzt durch das Tor und die darüber liegenden Fenster hervor. Der zentrale Hof ist großzügig angelegt, zwei kleine Lichthöfe öffnen sich im Osten in den Garten des angrenzenden Grundstücks.

... und die Kunst

Die Lünettenreliefs mit Adler- und Lyramotiven über den Fenstern beziehen sich möglicherweise auf den Bauherrn, eine genaue Deutung gibt es jedoch (noch) nicht. Rundbogen mit Reliefs dieser Art häufen sich in Wien in den 1820er-Jahren.

Der Name

Die Hermanngasse ist seit 1862 nach dem Schottenpriester Hermann Gaunersdorfer (1791-1844) benannt. Er war Kanzleidirektor des Schottenstifts.

Sanierung

von 1986 bis 1988

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1986 bis 1988 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.165.382 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Pauline Lamprecht - Pauline Lamprecht (geb. 1945 in Wien) studierte Architektur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. 1976 legte sie die Ziviltechnikerprüfung ab und eröffnete im darauf folgenden Jahr ihr eigenes Architekturbüro. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt in den Bereichen Wohnbau, Inneneinrichtung und Revitalisierung. So war sie um 1980 unter anderem an der Revitalisierung mehrerer Häuser am Spittelberg in Wien 7 beteiligt: Burggasse 11, Gutenberggasse 11, 12 und 14. Zusammen mit Dieter Bernstein entwarf sie für die Gemeinde Wien den Hedwig-Lehnert-Hof in Wien 21, Prager Straße 92-96 (1981-1983). 1991 legte Pauline Lamprecht ihre Ziviltechniker-Befugnis zurück und widmet sich seitdem ganz ihrem Gesundheitsinstitut.

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