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Otto-Bauer-Gasse 23

Fakten

Otto-Bauer-Gasse 23

Otto-Bauer-Gasse 23, 1060 Wien

Baujahr: 1860

Wohnungen: 13

Architekt: Johann Sturany

Wohnen in Wien

In der Gründerzeit begann sich mit der Industrialisierung des Raumes Wien das Stadtbild innerhalb kurzer Zeit sehr stark zu verändern. 1850 erfolgte nach der gescheiterten Märzrevolution der Beschluss über die Eingemeindung der Vorstädte, die heute die Bezirke 2 bis 9 bilden. Durch den Zuzug hunderttausender Menschen, vor allem aus Böhmen und Mähren, wuchs Wien bis 1910 zur viertgrößten Millionenstadt der Welt an.
Nach Abbruch der Befestigungen um den 1. Bezirk folgten der Bau der Ringstraße und der Straße entlang des Donaukanals sowie die Bebauung von an die Stadt angrenzenden Grundstücken. Das durch die gestiegene Bedeutung von Gewerbe und Handwerk wohlhabend und mächtig gewordene Bürgertum setzte sich mit Prachtbauten des Historismus Denkmäler.

Geschichte

Das Gebäude ist in unmittelbarer Nähe zur damaligen Gumpendorfer Infanteriekaserne, der so genannten "Schmalzhofkaserne", errichtet worden, deren Abriss in den Jahren 1903-04 erfolgte. Die Lücke, die sie hinterließ, bot Platz für eine geschlossene, fünf- bis sechsgeschoßige, späthistorische Verbauung, die sich heute zwischen Gumpendorfer Straße und Schmalzhofgasse erstreckt. Die unmittelbare Nähe zur Kaserne lässt sich auch an der früheren Bezeichnung der heutigen Otto-Bauer-Gasse ablesen, die bis zu ihrer Umbenennung im Jahre 1949 "Kasernengasse" hieß. Ihren jetzigen Namen verdankt die Gasse dem ehemaligen Wiener Sozialdemokraten Otto Bauer (1881-1938), der auf Kasernengasse Nr. 2 wohnte.

Die Architektur

Das Gründerzeitwohnhaus ist als Doppeltrakter samt Verbindungstrakt angelegt worden und besitzt vier Geschoße, zwei Lichthöfe sowie ehemals einen Garten entlang der rückwärtigen Front. Die Gliederung der Fassade erstreckt sich über acht Fensterachsen, Gesimse trennen die einzelnen Stockwerke voneinander und gliedern die Fassade in der Horizontale. Friesverzierungen entlang der einzelnen Zonen und über den zweiflügeligen Fenstern beleben neben den geraden Fensterverdachungen die ansonsten eher dezent gestaltete Fassade. Von der ursprünglich genuteten Sockelzone und dem nachträglich, von Tischlerhand angefertigten Portalzubau sind heute nur mehr Bruchstücke sichtbar.
Das Wohnhaus mit den insgesamt 13 Wohnungen ist über das mittig gelegene Hauptportal zugänglich. Das kreuzgewölbte Foyer leitet den Besucher in die tiefer liegende Erdgeschoßebene. Der kleine Innenhof liegt gegenüber dem Stiegenaufgang, wird durch eine mit bunten Glassteinen verzierte Tür geschlossen und sorgt so für eine natürliche Belichtung des schmalen Foyers. Das Spiel mit dem Licht, das durch die bunten Glastürelemente an der weißen Innenmauer reflektierten wird, bietet dem Betrachter einen zusätzlichen Blickfang.

Der Name

Die einstige Kasernengasse wurde im Jahre 1949 nach dem Sozialdemokraten Dr. Otto Bauer (1881-1938) umbenannt. Der Begründer und Verfechter des Austromarxismus, nach dem Tod von Viktor Adler Staatssekretär des Äußeren, war an der österreichischen Verfassung von 1920 wesentlich beteiligt. Otto Bauer führte den linken, radikalen Flügel der Sozialdemokratischen Partei und war einer der Vorkämpfer der Anschlussbewegung an Deutschland. Ab 1907 hielt er den Posten als Redakteur der "Arbeiterzeitung" inne und verfasste 1926 das Linzer Programm. Otto Bauer war maßgeblich an den Februarkämpfen beteiligt und floh 1934 nach Brünn, wo er das Auslandsbüro der österreichischen Sozialisten gründete und leitete. Beim deutschen Einmarsch in die ČSR 1938 emigrierte er nach Paris.

Sanierung

von 1989 bis 1990

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1989 und 1990 saniert. Die Arbeiten umfassten eine Neudeckung des Daches sowie die Instandsetzung von Fassade, Fenstern und Türen.

Architekten

Johann Sturany - Der kk Hofbaumeister Johann Sturany führte zusammen mit seinen Söhnen Josef und Moritz Sturany ein erfolgreiches Bauunternehmen, das vor allem im Ringstraßenbereich in den Jahren 1854-1905 tätig war. Der Familiensitz der Sturanys, das Palais Sturany - eines der prunkvollsten Gebäude des Späthistorismus - gegenüber der Wiener Börse, erinnert noch heute an das wirtschaftliche Erstarken des Wiener Großbürgertums. Von Johann Sturany wurde u. a. auch der 1885 ausgeführte Bau der ehemaligen Nähmaschinenfabrik Lenhart & Wögerbauer in der Quellenstraße 102 durchgeführt.

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