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Blechturmgasse 23-27

Fakten

Blechturmgasse 23-27

Blechturmgasse 23-27, 1050 Wien

Baujahr: 1950-1951

Wohnungen: 78

Architekt: Josef Ludwig Kalbac, Josef Hoffmann

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die unter der Leitung des Wiener Stadtbauamtes (Hugo Schuster) errichtete Wohnhausanlage ist ein bezeichnendes Beispiel für die Nachkriegsarchitektur Josef Hoffmanns, der die Anlage in Zusammenarbeit mit Josef Kalbac errichtete. Hoffmann, der im Ständestaat mit Ehrungen überhäuft wurde (darunter der Würdigungspreis der Stadt Wien für seine "Verdienste" um die deutsche Architektur), schuf nach Ende des Krieges mehrere Gemeindebauten im Stil der 1950er-Jahre, wie etwa die Silbergasse 2-4 und die Heiligenstädter Straße 129 in Wien 19 bzw. die Blechturmgasse 23-27 in Wien 5, die am 6.10.1951 durch Bürgermeister Jonas eröffnet wurde. Die ursprünglich leicht geknickte Blechturmgasse wurde knapp vor 1900 im Zuge der Parzellierung des Alois-Drasch-Park-Viertels begradigt und mit meist fünfgeschoßigen Zinshäusern relativ einheitlich verbaut.

Die Architektur

Die nach Plänen Josef Hoffmanns in den Jahren 1950-51 konzipierte sechsgeschoßige Anlage besteht aus vier Häusern längs der Blechturmgasse, die leicht versetzt dem Straßenniveau folgen, sowie einem hofseitigen Trakt. Die beiden Endbauten haben je einen Durchgang in den Hof, der Zugang zu den Wohnungen erfolgt straßenseitig mittels halbstockversetzter Stiegenhauskerne. Die drei restlichen Treppenhäuser sind hofseitig angeordnet, die Wohnungen direkt von den Stiegenpodesten her zugänglich. Mit seiner Beschränkung auf wenige Details - die Gebäudefassaden werden lediglich durch dreiteilige Fensterelemente horizontal und vertikal gegliedert - betont Hoffmann die Einfachheit der nüchternen Baukörper und erreicht damit nichtsdestoweniger eine großstädtische Fassadenfront. Die Hoffassaden sind der Funktion des Hofes entsprechend in derselben Qualität gestaltet wie die Straßenfassaden. Dem Hof als offener Gemeinschaftsraum mit viel Grün und ausreichend Sitzgelegenheiten wird ein besonderer Stellenwert eingeräumt.

Der Name

Die Blechturmgasse, eine über zwei Bezirke angelegte Verbindung (4. und 5. Bezirk), bestand schon um 1700 in Form eines einfachen Feldweges als westliche Begrenzung des ehemaligen "Blechernen-Thurm-Feldes". 1829 wurde sie Blecherne Thurmgasse bezeichnet, sowie ein Teil "Alter Bürgerweg". Die Gasse verdankt ihren Namen einem Haus mit blechernem Turm. 1862 schließlich erhielt sie ihre jetzige Bezeichnung.

Architekten

Josef Ludwig Kalbac - Josef Ludwig Kalbac (1902-1980) studierte nach Abschluss einer handwerklichen Lehre bei Oskar Strnad an der Kunstgewerbeschule Wien Architektur. Als gelegentlicher Mitarbeiter im Büro Josef Hoffmanns war er unter anderem an den Inneneinrichtungen von dessen Reihenhäusern in der Wiener Werkbundsiedlung (1931/32) beteiligt und errichtete gemeinsam mit Hoffmann einen Wohnbau für die Gemeinde Wien im 5. Bezirk in der Blechturmgasse 23-27. Neben industriellen Holzhäusern für eine Wohnsiedlung in Wien Schwechat 1940/41 entstanden auch zahlreiche Projekte für Einfamilienhäuser und Siedlungen; im Jahr 1948-51 errichtete Josef Kalbac den Gemeindebau in der Malfattigasse 27-31.

Josef Hoffmann - Josef Hoffmann (1870 - 1956) besuchte zunächst die Staatsgewerbeschule in Brünn (gemeinsam mit Adolf Loos, Leopold Bauer und Hubert Gessner) und studierte anschließend an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Karl Hasenauer und Otto Wagner. Der Mitbegründer der Wiener Secession wurde 1899 Professor an der Kunstgewerbeschule. Bekannt wurde er durch die Leitung der Wiener Werkstätten, die Gründung des Österreichischen Werkbundes 1912 und die Mitwirkung an der Werkbundsiedlung. Internationale Berühmtheit erlangte Hoffmann durch Bauten wie das Sanatorium Unter-Purkersdorf oder das Palais Stoclet in Brüssel. Er schuf eine große Anzahl von Wohnhäusern, darunter auch mehrere Gemeindebauten, sowohl im "Roten Wien" als auch in der Nachkriegszeit.

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