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Brandmayergasse 27

Fakten

Brandmayergasse 27

Brandmayergasse 27, 1050 Wien

Baujahr: 1937-1939

Wohnungen: 81

Architekt: Adolf Stöhr

Weitere Adressen

Diehlgasse 14-18, 1050 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegeben Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegen zu wirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Nachdem die städtische Wohnhausanlage 1939 fertig gestellt wurde, trug sie nur wenige Jahre danach erhebliche Kriegsschäden davon. Die fast vollkommen zerstörte Stiege 3 wurde durch Baumeister Alois Strohmayer 1945 wieder instand gesetzt. Aufsehen erregte auch, jedoch erst viele Jahre später, das Keramikbild an der Hausmauer in der Diehlgasse, das ursprünglich einen Buben mit Hitleruniform und Hakenkreuz zeigte und nach Ende des Zweiten Weltkrieges teilweise entfernt wurde. Den Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Wandbildes gewann 2002 die Künstlerin Ulrike Lienbacher.

Die Architektur

Die städtische Wohnhausanlage, durch Baumeister Peter Brich in den Jahren 1937 - 1939 errichtet, ist fünfgeschoßig und besitzt drei hofseitig erschlossene Treppenhäuser, die dem Niveau der leicht abschüssigen Brandmayergasse und Diehlgasse angepasst sind. Als Eckgebäude besitzt es eine Fassade mit zwölf Fensterachsen zur Brandmayergasse und eine dreizehn Achsen breite Fassade in der Diehlgasse. Verbunden sind beide Fronten durch ein andersfärbiges, gesimsartig umarmendes Putzband, das die Erdgeschoßzone von den Hauptgeschoßen trennt. An der Front Brandmayergasse werden zwei Risalite ausgebildet: Der über zwei Achsen und drei Geschoße reichende Mittelrisalit mit gerader Verdachung ist links vom Hauseingang situiert und wird in sich nochmals durch die Fenster umlaufende Putzbänder akzentuiert; der einachsige und zweigeschoßige Seitenrisalit hingegen betont die rechte Stirnseite. An der Front Diehlgasse wirkt - anstelle von Risaliten - das über zwei Geschoße reichende Wandbild bestimmend. Bei Stiege 3 schließlich fallen die vertikalen Balkonreihen an den jeweiligen Gebäudeseiten ins Auge. Die Hofseiten bestechen durch ihre schlichte, formale Formensprache, bezeichnend sind die kleinsprossigen Fensteröffnungen, ein Thema, das an allen Fronten dominierend ist. Die weitläufige Hofgrünanlage wird vom Gebäude in der Einsiedlergasse begrenzt.

... und die Kunst

An der Fassade Diehlgasse des 1939 fertig gestellten Gemeindebaus befindet sich ein keramisches Wandbild, das eine Familie mit vier Kindern zeigt. Eines der Kinder, ein Bub, der die Uniform der Hitlerjugend trägt, hielt ursprünglich einen Wimpel mit Hakenkreuz in seiner Hand. 1945 wurde zwar das Hakenkreuz entfernt, jedoch stellte das Wandbild noch lange Zeit für die Öffentlichkeit einen "Stein des Anstoßes" dar, bis 2002 ein Wettbewerb zur Umgestaltung ausgerufen wurde. Die Künstlerin Ulrike Lienbacher setzte dem Bild eine Glastafel mit der Aufschrift "IDYLLE" in spiegelverkehrter Schrift vor, das die fälschlicherweise als Idylle gezeigte Wirklichkeit enttarnen sollte.

Der Name

Benannt wurde die Brandmayergasse, die unter diesem Namen seit 1875 existiert, nach dem ehemaligen Apotheker und Gemeinderat von Margareten, Eduard Brandmayer (1810 - 1874), der am 17. Mai 1862 zum ersten Bezirksvorsteher des (durch die Trennung von Wieden) neu geschaffenen Bezirkes Margareten gewählt wurde. Die Bezirksvertretung befand sich im damaligen provisorischen Gemeindehaus, dem 1857 eröffneten Schulgebäude in Nikolsdorf Nr. 9 (heute Nikolsdorfer Gasse 18). Erst 1867 konnte das neue Amtshaus in der Schönbrunner Straße 54 bezogen werden, das 100 Jahre später - nach einer gründlichen Restaurierung unter der Leitung der Architektin Herta Pella - 1968 von Bürgermeister Bruno Marek neu eröffnet wurde.

Sanierung

von 2005 bis 2009

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 bis 2009 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade konnten durch die Erneuerung der Fenster und Türen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 509.300 Euro, davon konnten 46.856 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Adolf Stöhr - Wiener Stadtbauamt - MA24

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