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Ernst-Hinterberger-Hof

Fakten

Ernst-Hinterberger-Hof

Margaretengürtel 122-124, 1050 Wien

Baujahr: 1926-1929

Wohnungen: 109

Architekt: Adolf Jelletz

Weitere Adressen

Josef-Schwarz-Gasse 5-7, 1050 Wien

Gießaufgasse 33-35, 1050 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Anlage mit den Adressen Margaretengürtel 122-124, Gießaufgasse 33-35 und Josef-Schwarz-Gasse 5-7 wurde in den Jahren 1928-29 nach den Plänen des Architekten Adolf Jelletz errichtet. (Unterschiedliche Angaben zu den Baujahrdaten resultieren aus den Angaben der verschiedenen Quellen.) Ursprünglich gab es hier 116 Wohnungen. Im Zuge der im Jahr 2000 abgeschlossenen Sockelsanierung wurde die Anlage umfassend renoviert. Durch Wohnungszusammenlegungen weist der Komplex heute 109 Wohneinheiten auf.

Die Architektur

Mit seinem U-förmigen Grundriss schließt der Bau eine Eckparzelle ab und bildet einen großzügigen Innenhof. Die Straßenfassaden sind in den Obergeschoßen mit durchlaufenden Sohlbänken und Gesimsstäben stark horizontal gegliedert. In der Sockelzone wird im Gegensatz dazu die vertikale Komponente durch Pfeiler betont. Die Hoffassade steht mit ihren geschwungenen, runden Formen in einem starken Kontrast zur Scharfkantigkeit der Straßenfassade. Gleichzeitig entsteht allerdings durch ihre ebenfalls starke horizontale Gliederung ein Bezug zur Straßenfassade.

... und die Kunst

An der Fassade zum Gürtel erinnert eine Gedenktafel an einen berühmten Bewohner dieser Anlage. Sie trägt die Aufschrift: "Aus diesem Haus wurde 1941 der sozialistische Freiheitskämpfer VIKTOR CHRIST im 37. Lebensjahr zur Justizierung abgeholt."

Der Name

Ernst Hinterberger (1931 - 2012) war Autodidakt, sein erster Roman, Beweisaufnahme, erschien 1965. Viele seiner Romane spielen im kleinbürgerlichen Milieu. Seit 1984 veröffentlichte er eine Reihe von Kriminalromanen - er entwickelte die legendäre Figur des Trautmann. Seinen größten Erfolg feierte er als Drehbuchautor der legendären Fernsehserie "Ein echter Wiener geht nicht unter". Die Figur des Mundl Sackbauer, verkörpert von Karl Merkatz, wurde zum Inbegriff des immer grantelnden Bewohners aus dem Gemeindebau. Mit der Fernsehserie - dem Kaisermühlen Blues - knüpfte er Anfang der 1990er Jahre nahtlos an diesen Erfolg an. 1994 erhielt Hinterberger das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und 2007 den Goldenen Rathausmann der Stadt Wien. Hinterberger wohnte jahrzehntelang in diesem Gemeindebau.

Prominente Bewohner

Viktor Christ (1904-1941) war Facharbeiter bei den Wiener E-Werken und ein engagierter Widerstandskämpfer. Nach seiner Verhaftung durch die Gestapo am 10. Oktober 1941 wurde er am 6. November desselben Jahres im KZ Mauthausen erschossen. Nach Viktor Christ ist auch eine Gasse im 5. Bezirk benannt.

Sanierung

von 1993 bis 1995

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1993 bis 1995 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 3.325.073 Euro, davon konnten 2.712.860 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Adolf Jelletz - Adolf Jelletz (1879-1936) studierte von 1896 bis 1902 an der Technischen Hochschule Wien. Ab 1909 war er als selbstständiger Architekt tätig. Bis 1914 entstanden nach seinen Plänen mehrere Miethäuser. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Wohnhausanlage der Gemeinde Wien am Margaretengürtel 122-124 in Wien 5 sein einziger großer Auftrag.

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