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Paletzgasse 15

Fakten

Paletzgasse 15

Paletzgasse 15, 1160 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 44

Architekt: Ludwig Schöne

Weitere Adressen

Redtenbachergasse 72, 1160 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Wohnhausanlage Paletzgasse 15 wurde in den Jahren 1928/29 nach den Plänen des Architekten Ludwig Schöne errichtet. Heute befinden sich in diesem unter Denkmalschutz stehenden Eckwohnhaus 36 Wohnungen auf drei Stiegen. Im gärtnerisch ausgestalteten Innenhof des gänzlich renovierten Hauses befinden sich ein 100 m² großer Kinderspielplatz und mehrere Sitzbänke.

Die Architektur

Die L-förmige Eckverbauung in der Paletzgasse und der Redtenbachergasse fällt durch eine bewegte, symmetrisch angelegte Hauptfront auf. Der Eingangsbereich wird durch flankierende, mit Klinkern verblendete Pilaster portikusartig erweitert. Die zwei darüber liegenden Polygonalerkertürme bilden, die Symmetrie der Fassade betonend, eine breite Achse. Über den vorgezogenen Seitentrakten erheben sich ausladende Spitzgiebel, der dahinter gelegene Dachraum wird als Wohnraum genützt. Durchgehende Fensterbankgesimse gliedern das Gebäude horizontal, pilasterartige Bänder fassen mehrere Fenster vertikal zusammen. Schmale Rundbogenfenster wechseln sich mit zwei- und dreiflügeligen Fenstern ab. Den Ecktrakt in der Redtenbachergasse dominieren vom ersten bis zum dritten Stock mit Verdachungen und seitlichen Einfassungen verzierte Fenstererker. Die Gestaltungselemente wurden - auf den benachbarten Kommunalbau Paletzgasse 15 abgestimmt - orangerot gestrichen, was die Fassade zusätzlich belebt. Klinkerflächen am Gebäudesockel gleichen den Niveauunterschied auf dem leicht abfallenden Gelände optisch aus. Der Innenhof wird als Fortführung des romantisierenden Stils von Balkonen und Erschließungstürmen gegliedert und besteht zum Großteil aus einer plateauartig erhöhten Rasenfläche mit Spielgeräten und Sitzbänken.

Der Name

Seit 1886 heißt der Straßenzug Paletzgasse, benannt nach dem Pfarrer und Dechant von Hütteldorf und Ottakring Emanuel Paletz (1816-1900). Er hat 1868 die sogenannte Kinderbewahrungsanstalt in Ottakring ins Leben gerufen. In Wien Döbling wurde nach ihm auch die Paletzallee benannt.

Sanierung

von 2003 bis 2005

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2003 bis 2005 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde das Haus an die Fernwärme Wien angeschlossen. Im Dachgeschoß entstanden sechs neue Wohnungen. Die Kosten beliefen sich auf 2.487.200 Euro, davon konnten 1.233.158 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Ludwig Schöne - Der aus Leipzig stammende Architekt Ludwig Schöne (1845-1935) studierte in Leipzig und Hannover. Ab 1871 war er als freiberuflicher Architekt in Wien tätig, wo er bis 1914 zahlreiche Mietshäuser errichtete. Eines seiner prominentesten Bauwerke aus dieser Zeit ist das Managetta-Haus (Judenplatz 3-4, Wien 1). Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden nach seinen Plänen nur noch zwei Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien.

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