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Kolschitzkygasse 9-13

Fakten

Kolschitzkygasse 9-13

Kolschitzkygasse 9-13, 1040 Wien

Baujahr: 1949-1950

Wohnungen: 105

Architekt: Otto Nadel

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Ab 1844 hatte sich auf dem Areal u. a. das St.-Josef-Kinderspital befunden. Im Zweiten Weltkrieg wurden sämtliche Gebäude der Grundstücke Kolschitzkygasse 9 bis 21 durch Bombentreffer zerstört. Die heute bestehende Wohnhausanlage erhielt ihre Benützungsbewilligung im Jahr 1951. Der von Otto Nadel entworfene, symmetrisch angelegte Gemeindebau sollte ursprünglich im Erdgeschoß eine Mutterberatungsstelle beherbergen, zur Ausführung gelangte jedoch eine Zweigstelle der städtischen Bücherei. Heute befindet sich in diesen Räumlichkeiten ein Büro.

Die Architektur

Die 1949/50 errichtete Wohnhausanlage von Otto Nadel besteht aus einem beinahe monumental erscheinenden Vordertrakt und zwei angrenzenden Hintergebäuden, die jeweils über fünf Hauptgeschoße verfügen. Vertikal gegliedert wird die lange Front gegen die Kolschitzkygasse durch sechs leicht über die Baulinie vorspringende Stiegenhäuser, die sich auch über dem Hauptgesims turmartig fortsetzen. Für die Errichtungszeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg typisch ist der plastisch durchgestaltete Sockelbereich - in diesem Fall die genutete Erdgeschoßzone, über der sich die glatte Lochfassade der Hauptgeschoße erhebt. Ornamentaler Bauschmuck findet sich einzig an den hohen Treppentürmen, die ebenso wie der zentral gelegene, dreiteilige Eingangsbereich maßgeblich zur Akzentuierung des Wohnhauses beitragen.

... und die Kunst

Im weitläufigen, begrünten Innenhof, der auch von den angrenzenden Wohnhäusern aus zugänglich ist, befindet sich die Brunnenanlage "Bärengruppe" vom Bildhauer Franz Barwig. Die Natursteinplastik aus den Jahren 1951/52 zeigt zwei miteinander spielende Bären, auch der Wasserauslauf ist in Form eines Bärenkopfes gestaltet.

Der Name

Die Gasse trägt ihren Namen seit dem Jahr 1862, zuvor - ab 1813, als der Garten des Palais Schönburg geteilt worden war - hatte sie die Bezeichnung Liniengasse. Namensgeber der Kolschitzkygasse ist Franz Georg Kolschitzky (1644 - 1694), der während der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 als wichtiger Kundschafter diente.

Sanierung

von 1996 bis 1999

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1996 bis 1999 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.998.721 Euro, davon konnten 905.362 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Otto Nadel - Otto Nadel (1894-1970) studierte von 1919 bis 1922 an der TH Wien. Bereits ab 1920 bis 1940 war er für das Stadtbauamt tätig. In dieser Zeit entstanden nach seinen Plänen mehrere Wohnhausanlagen und sein wohl bedeutendstes Werk, das Amalienbad in Wien 10 (zusammen mit Karl Schmalhofer). Noch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1963 war Otto Nadel als selbständiger Architekt tätig und entwarf Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien.

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