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Schelleingasse 27-29

Fakten

Schelleingasse 27-29

Schelleingasse 27-29, 1040 Wien

Baujahr: 1932-1934

Wohnungen: 41

Architekt: Karl Schmalhofer

Weitere Adressen

Petzvalgasse 2, 1040 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

1932 Verbauung einer Baulücke im Straßenverband der in diesem Abschnitt zeilenartig verbauten Schelleingasse auf dem ehemaligen Schaumburgergrund. Die Vorstadt Schaumburgergrund (Grenzen: Favoritenstraße - Rainergasse - Schaumburgergasse - Wiedner Hauptstraße - Johann-Strauß-Gasse - Schelleingasse - Schönburgstraße - Wiedner Gürtel) entstand 1813 bei der Parzellierung der Gründe um das Starhembergsche Gartenpalais in der Rainergasse. Der Name kommt von den Grafen von Schaunberg, einem mächtigen oberösterreichischen Geschlecht, von dem die Starhemberger im 16. Jahrhundert einen Maierhof und Weingärten in dieser Gegend erbten. Aus dem Maierhof entstand später das kaiserliche Jagdschloss "Favorita" (das heutige Theresianum).
Das 1932 verbaute Gelände gehörte als südlichster Teil zum weitläufigen Park des Gartenpalais Starhemberg-Schönburg in der Rainergasse. An der Stelle des gegenüberliegenden Gemeindebaus Schelleingasse 28-30 stand ein barocker Gartenpavillon, das sog. Schaumburg-Schlössel (abgetragen um 1841), mit einem südlich davor liegenden halbrunden Platz. Beim Bau der zwischen 1925 und 1933 auf diesem Areal errichteten Wohnhäuser wurde für die Grundrisse das alte Konzept übernommen, sodass die platzartige Erweiterung im Bereich Petzvalgasse/Schelleingasse erhalten blieb.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, erbaut 1932-33 vom Wiener Stadtbauamt nach Plänen des Architekten Karl Schmalhofer, wurde auf dem südlichen Teil des ehemaligen Gartengeländes des sog. Schaumburg-Schlössels, etwas westlich des Südtiroler Platzes, errichtet. Durch einen mehrfach stufenartig zurückspringenden Grundriss, der in Analogie zum gegenüberliegenden Wohnbau Schelleingasse 23-25/Petzvalgasse 1 (errichtet 1923-25 durch Walter Schwarz) angelegt wurde, entstand der Eindruck einer platzartigen Erweiterung. Der Grundriss dieser beiden Bauten geht auf das ehemalige Schaumburg-Schlössel zurück, an dessen Stelle 1952-53 das Wohnhaus Schelleingasse 28-30 errichtet wurde.
Das fünf- bis sechsgeschoßige Gebäude mit flach geneigtem Satteldach besteht, dem unregelmäßigen Grundriss entsprechend, aus mehreren Bauteilen; es gibt 2 Stiegen (Stiege 1, Schelleingasse 27, Stiege 2 Schelleingasse 29), die vom Innenhof zu betreten sind. Während der mittlere Hausteil fünf Geschoße aufweist, sind die Anschlusstrakte an die Nachbarhäuser Petzvalgasse bzw. Schelleingasse sechsgeschoßig ausgeführt. Vor allem jener in der Petzvalgasse erscheint durch die sparsam gesetzten, an der Gebäudekante mittels schmaler Gesimsbänder doppelt verbundenen Fenster turmartig überhöht. Am Außenbau sind die kubisch aneinander gesetzten Bauteile mit streng symmetrischer, rhythmisierter Fensteraufteilung durch sparsame Details verklammert: eine übereck geführte Terrasse oberhalb des Geschäftslokales Petzvalgasse leitet optisch zu einem markant aus der Bauflucht hervortretenden kubischen Erker im ersten Geschoß. Dieses Motiv wird an der Fassade Schelleingasse ebenfalls im ersten Geschoß abgewandelt wiederholt, wobei die darunter liegende, abgeschrägte Gebäudekante die Ecksituation zusätzlich betont. Die glatte Fassade am gesamten Bau bleibt im Wesentlichen schmucklos und wird nur durch charakteristisch gesetzte kleine quadratische Fenster der Sanitärräume rhythmisiert. Akzente setzen die Erker und polygonal vortretende Fenster im obersten Geschoß des Mitteltraktes. An der Fassade Schelleingasse befindet sich vor einer rundbogigen, flachen Nische auf einem Podest eine monumentale Plastik: Eine tanzende weibliche Figur mit flankierenden musizierenden Putten. Der stufenartige Grundriss ist am Außenbau auch im Aufriss erkennbar. Die einzelnen Wohntrakte erscheinen mittels verbindender Gesimse und gleich gestalteter vertikaler Fensterachsen als gelungene, das architektonische Umfeld berücksichtigende Lösung.

... und die Kunst

Eine monumentale Plastik aus Sandstein auf einem Podest an der Fassade Schelleingasse. Eine tanzende weibliche Aktfigur mit flankierenden musizierenden Putten im Bereich des Kopfes (Allegorie?) - kein Künstlername oder Signatur bekannt.

Der Name

Die Schelleingasse wurde 1891 nach dem Wiener Maler Carl Schellein (1820-1880) benannt und ist ein parallel zum Gürtel verlaufender, durch den Südtiroler Platz unterbrochener Straßenzug.

Sanierung

von 2005 bis 2008

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 bis 2008 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Der Einbau der Aufzüge erfolgte bereits ab 1987. Die Kosten beliefen sich auf 1.452.842 Euro, davon konnten 1.034.194 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Karl Schmalhofer - Karl Schmalhofer (1871-1960) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Als Architekt des Wiener Stadtbauamtes errichtete er zahlreiche Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien. Sein bedeutendstes Werk ist das gemeinsam mit Otto Nadel erbaute Amalienbad (Wien 10, Reumannplatz).

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