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Petzvalgasse 1-3

Fakten

Petzvalgasse 1-3

Petzvalgasse 1-3, 1040 Wien

Baujahr: 1928-1930

Wohnungen: 36

Architekt: Josef (Jaroslav) Bayer, Walter Schwarz

Weitere Adressen

Schelleingasse 25, 1040 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die beiden von unterschiedlichen Architekten in zwei Baulücken errichteten Gemeindebauten stehen in der erst um 1904 angelegten Petzvalgasse. Davor befand sich an dieser Stelle der ab 1893 demolierte Linienwall, der zum Schutz vor feindlichen Angriffen und als Zollgrenze gedient hatte. Die Straße führte damals vom neu angelegten Wiedner Gürtel direkt auf das Gartenhaus des Palais Schönburg zu, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde. Heute noch folgt die Schelleingasse am Kreuzungspunkt mit der Petzvalgasse dem ehemaligen Verlauf der Gartenmauer.

Die Architektur

Das von Walter Schwarz geplante Wohnhaus Petzvalgasse 1 zeichnet sich durch eine gestaffelte Eckverbauung aus, die die Straße an dieser Stelle platzartig erweitert. Während die Bauteile zur Schelleingasse und zur Petzvalgasse mit Gesimsen und Giebeln die Form der Nachbarhäuser fortsetzen, wird der zurückgestufte Eckbereich durch einen turmartig aufragenden Bauteil betont. Einen Ausgleich zu diesem hohen "Wohnturm" bilden kräftige Gesimse in jedem Geschoß. An den Gebäudeecken setzen Eckfenster, ein Erker sowie ein Balkon markante Akzente. Der mit Ziegelstein verkleidete Sockel des Hauses geht in die Rahmungen der Haustüren über. Im Hof treten die Stiegenhäuser als kubisch gestaltete Blöcke stark hervor. Mit dem Einsatz von Klinkern, Gesimsen und kubischen Bauteilen entspricht der Bau der bei Gemeindebauten dieser Zeit zu beobachtenden Tendenz zur räumlich-körperlichen Gestaltung. Das Haus ist mit dem benachbarten Gemeindebau durch das Dachgesims verbunden und bildet mit diesem einen gemeinsamen Hof.

Das von Josef Bayer in einer schmalen Baulücke errichtete Wohnhaus Petzvalgasse 3 ist ein Beispiel für die Gemeindebauarchitektur der 1920er-Jahre. Formen und Materialien sind die wesentlichen Gestaltungsmittel. Der Haussockel ist mit Klinkersteinen, die unterschiedlich vermauert sind, von der verputzten Hauswand abgesetzt. Das Haus fällt vor allem durch seine symmetrisch gegliederte Straßenfassade auf. Der gestalterische Schwerpunkt liegt auf der Mittelachse der Fassade mit der putzgerahmten Haustür mit zackenförmigem Abschluss. Ein in der Mitte ebenfalls zackenförmig ausgebildeter Giebel überragt das Dachgesims und liegt mit der Zacke der Türrahmung in einer Achse. Zwei geknickte Erker flankieren die von der Haustür bis zum Giebel verlaufende Achse. Die Dreiecksform ist das dominierende Gestaltungsmerkmal der Fassade und verleiht ihr einen expressiven Ausdruck, wie er bei Gemeindebauten dieser Zeit oft zu finden ist.

Der Name

Die Petzvalgasse erhielt ihren Namen 1904 nach dem Mathematiker und Physiker Dr. Max Josef Petzval (1807-1891). Er erfand Linsensysteme, welche die Fotografie praktisch einsetzbar machten.

Sanierung

von 1995 bis 1999

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1995 bis 1999 saniert. Neben der Instandsetzung von Dach und Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 746.200 Euro, davon konnten 317.386 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Josef (Jaroslav) Bayer - Josef (Jaroslav) Bayer (1889-1979) studierte an der Kunstakademie in Sofia, anschließend in Wien an der Technischen Hochschule und an der Akademie der bildenden Künste, wo er 1915 seinen Abschluss machte. Vom Werk Bayers sind heute nur wenige Gebäude bekannt, die aber allesamt für die Gemeinde Wien enstanden; unter anderem die Wohnhausanlagen Sechsschimmelgasse 19 (Wien 9, 1925; gemeinsam mit Hartwig Fischel), Petzvalgasse 3 (Wien 4, 1928/29) und Paletzgasse 17 (Wien 6, 1930).

Walter Schwarz - Wiener Stadtbauamt - MA19

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