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Weyringergasse 15-17

Fakten

Weyringergasse 15-17

Weyringergasse 15-17, 1040 Wien

Baujahr: 1886

Wohnungen: 29

Architekt: Ferdinand Hauser, August Ribak

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs mit der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmeter) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Die Weyringergasse wurde erst im Lauf des 19. Jahrhunderts bebaut. Hinter der Grundstücksgrenze des als Doppelhaus errichteten Zinshauses verlief damals noch der Linienwall, der Wien vor feindlichen Angriffen schützen sollte und erst 1894 demoliert wurde. Zugleich mit dem Bau des Hauses wurde an der hinteren Grundgrenze ein Werkstattgebäude errichtet. Dort befand sich um 1900 die Werkstatt des Bildhauers und Dekorateurs Franz Schönthaler. Später diente das Hintergebäude, das 1972 abgerissen wurde, als Auto- und Motorradwerkstatt.

Die Architektur

Die Straßenfassade hat ein für Zinshäuser aus der Gründerzeit typisches Erscheinungsbild. Die symmetrisch gegliederte Fassade im Barockstil fügt die beiden Haushälften zu einer Einheit zusammen. An den Seiten rahmen Risalite die Fassade mit ihren beiden Eingangstoren und verleihen dem Bau einen monumentalen Charakter, der an Wiener Barockpaläste erinnert. Auffällig sind die sorgfältig ausgearbeiteten Details wie die Putzquadersteine des Sockelgeschoßes und die säulengerahmten, mit gesprengten Volutengiebeln bekrönten Haustore. Die Fensterverdachungen mit Segmentbögen und gesprengten Dreiecksgiebeln verleihen der Fassade einen belebten, plastischen Ausdruck. Die Hoffassaden dagegen sind schlichter gestaltet. Neben den regelmäßig angeordneten Fenstern stechen besonders das gebänderte Erd- und Mezzaningeschoß sowie die kräftig ausgebildeten Fensterbänke und Fensterabschlüsse ins Auge.

... und die Kunst

In den Tordurchfahrten haben sich die aufwendige Pilastergliederung und die Blumendekoration aus Putz sowie Reste der vermutlich ursprünglichen farbigen Verglasung der Hoftüren mit Groteskendekor erhalten.

Der Name

Der Name der Gasse geht auf den Saathändler und Ziergärtner Josef Weyringer (1799-1869) zurück, der hier Grund und Boden besaß. Vor der Bebauung wurde dieser Bereich daher auch "Weyringer’sche Sandgestätte" genannt.

Sanierung

von 1991 bis 1992

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1991 und 1992 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Instandsetzung der Fassade und die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 2.666.584 Euro, davon konnten 2.504.359 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Ferdinand Hauser - Ferdinand Hauser (1864-1919) studierte 1887/88 Bildhauerei und Aktzeichnen an der Wiener Kunstgewerbeschule und im Anschluss Bildhauerei bei Kaspar von Zumbusch an der Akademie der bildenden Künste, wo er auch als Schüler des Architekten Carl König angeführt wird. In Wien war Ferdinand Hauser unter anderem an der Errichtung des Wohnhauses Weyringergasse 15-17 in Wien 4 (1886, mit August Ribak) beteiligt. 1917 zog er nach München, wo er zwei Jahre später verstarb.

August Ribak - Der in Mähren geborene August Ribak (1846-1915) ist ab 1887 als Baumeister in Wien dokumentiert. Hier betrieb er ein sehr erfolgreiches Bauunternehmen, in dem er selbst als Architekt tätig war und auch als Bauherr auftrat. Bis 1914 wurden zahlreiche Mietshäuser und Villen von ihm geplant und ausgeführt, die sowohl späthistoristische Tendenzen als auch secessionistische Einflüsse zeigen. In Wien 4 errichtete er unter anderem die Wohnhäuser Weyringergasse 7-17 (1887-1889), in Wien 12 den Schiller-Hof (Ratschkygasse 36, 1906) und in Wien 14 den Hadik-Hof (Astgasse 1, 1906).

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