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Favoritenstraße 72

Fakten

Favoritenstraße 72

Favoritenstraße 72, 1040 Wien

Baujahr: 1900-1904

Wohnungen: 18

Architekt: Alois Schumacher

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Das Haus steht in unmittelbarer Nähe der einstigen Mautstelle am Linienwall, an der Stelle der ehemaligen "Linienkapelle" St. Johann Nepomuk. Nach Abbruch des Walls und der Kapelle begannen 1898/99 die Planungen für den Bau des Hauses, das zeitgleich mit den beiden Nachbarhäusern ab 1900 entstand. Im Zweiten Weltkrieg wurde der hintere Haustrakt durch eine Fliegerbombe, die das Nachbarhaus zerstörte, beschädigt und ab 1950 wieder instand gesetzt. Die Gemeinde Wien erwarb das Haus 1972. Man erzählt sich, der Eigentümer hätte das Haus verkauft, weil er befürchtete, es würde durch den Bau der U-Bahnlinie 1 einstürzen.

Die Architektur

Das als fünfgeschoßiges Wohn- und Geschäftshaus errichtete Gebäude besteht aus drei Bauteilen: einem Vorderhaus, einem hinteren Wohnhaustrakt und einem Stiegenhaus als Verbindungsglied zwischen den beiden Teilen. Im Erdgeschoß des Vorderhauses befinden sich drei Geschäftslokale, in den Obergeschoßen sowie im hinteren Trakt Wohnungen. Die Wohnungen sind mit einem Vorraum, drei Zimmern, Küche, Dienerzimmer (heute Bad) und WC großzügig angelegt.
Auffallend ist die heute glatte Straßenfassade. In den Obergeschoßen gliedern Fenster, die an den Seiten paarweise angeordnet sind, die Fassade. Ein Kranzgesims schließt die Front zum Dach hin ab. Ursprünglich war die Fassade im Stil der Wiener Secession gestaltet. In den beiden ersten Stockwerken war die Wand mit Putzstreifen dekoriert, im dritten und vierten Stock mit Pilastern und ornamentierten Putzfeldern oberhalb der Fenster. Das Haus ist ein typisches Beispiel für den Wohn- und Geschäftshausbau im späten 19. Jahrhundert, wie er für die gehobene Mittelschicht errichtet wurde.

Der Name

Die Favoritenstraße ist seit 1903 nach dem ehemaligen kaiserlichen Lustschloss "Favorita", dem heutigen Theresianum, benannt. Davor hieß die als Verbindung zwischen dem Schloss und den kaiserlichen Gründen auf dem Laaer Berg angelegte Straße auch Kaiserallee, Kaiserweg und Favoriten-Linienstraße.

Sanierung

von 1992 bis 1993

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1992 und 1993 saniert. Durch die Erneuerung von Fassade, Fenstern und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 447.883 Euro, davon konnten 128.776 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Alois Schumacher - Alois Schumacher (1838-1910) besuchte nach einer Maurerlehre die technische Gewerbeschule in Wien und erhielt nach bestandener Meisterprüfung die Befugnis eines Stadtbaumeisters. Mitte der 1870er-Jahre machte er sich selbständig und errichtete im Zuge der Stadterweiterungen zahlreiche Mietshäuser, die zum Teil von anderen renommierten Architekten entworfen wurden. Von Alois Schumacher ausgeführt wurden unter anderem auch das von Fellner & Helmer entworfene Volkstheater in Wien 7 (1889) und die städtischen Gaswerke (Gasometer) in Wien 11 (1896-1899).

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