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Professor-Rudolf-Boeck-Hof

Fakten

Professor-Rudolf-Boeck-Hof

Dr.-Barilits-Gasse 2-4, 1230 Wien

Baujahr: 1958-1959

Wohnungen: 66

Architekt: Anton (Toni) Lenhardt

Weitere Adressen

Valentingasse 3a, 1230 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Der acht Stiegen umfassende Professor-Rudolf-Boeck-Hof wurde in den Jahren 1958/59 in unmittelbarer Nähe des Maurer Hauptplatzes, dem ursprünglichen Zentrum des Dorfes Mauer, errichtet. Die als Grabenangerdorf im Mittelalter angelegte Gemeinde wurde 1938 als eines von insgesamt acht Dörfern in den Bezirk Liesing eingegliedert. Die ursprünglich dörfliche Verbauung wird mittlerweile überwiegend von modernen Wohnbauten überlagert. Auch heute noch gehört der Heurigen- und Villenort zu den gehobeneren Wohngegenden Wiens.

Die Architektur

Der in Zeilenbauweise errichtete Professor-Rudolf-Boeck-Hof besteht aus fünf frei stehenden Baukörpern, die auf dem Grundstück zwischen Dr.-Barilits-Gasse und Valentingasse parallel bzw. orthogonal zueinander liegen und eine kleine Parkanlage umschließen. In Planung und Bauweise ist die Anlage mit der rund ein Jahr davor errichteten Wohnsiedlung an der Dr.-Barilits-Gasse 10-12 bzw. Valentingasse 7 (1956/57) des Architekten Raymund Schüller zu vergleichen. Die Wohnungen sind - bis auf wenige Ausnahmen - in Ost-West-Ausrichtung angelegt und verfügen daher über eine optimale natürliche Beleuchtung.

In ihrem äußeren Erscheinungsbild folgen die dreigeschoßigen Gebäude mit den vertikal und horizontal klar gegliederten Fensterreihen sowie der glatt verputzten, vorwiegend ornamentfreien, pastellfarbigen Fassadengestaltung dem Typus des kommunalen Wohnungsbaus der 1950er-Jahre. Akzente setzen die vor der Fassadenflucht angebrachten Balkone und die Mosaik-Sopraporten über den westseitigen Stiegeneingängen. Die Anlage verfügt über einen eigenen PKW-Abstellplatz sowie eine gut ausgebaute Verkehrsanbindung und Geschäftsinfrastruktur am nahe gelegenen Maurer Hauptplatz.

... und die Kunst

Die Anlage ist mit einer Reihe von Kunstwerken aus den Jahren 1956 bis 1959 ausgestattet. Dazu zählen eine 1,4 m große Natursteinplastik einer "Sitzenden Frau" (1958/59) von Oskar Bottoli, ein 6 m hohes Mosaikwandbild von Hermann Bauch, das eine "Mutter mit Kind" (1958/59) zeigt und damals wie heute den Eingang zur Mutterschaftsberatung kennzeichnet, ein monumentales Mosaik (16 m) von Franz Molt mit dem Titel "Ornament und Wappen der Stadt Wien" sowie insgesamt acht kleinere Mosaike als Hauszeichen über den einzelnen Stiegenaufgängen (1958/59), gestaltet von den Künstlern Hertha Bucher, Isolde Jurina und Johannes Wanke.

Der Name

Die Wohnhausanlage an der Dr.-Barilits-Gasse wurde 1960 nach Prof. Rudolf Boeck (1865-1927) benannt, der sich nach dem Ersten Weltkrieg in der Siedlungsbewegung engagiert hat. Er war maßgeblich an der Entstehung und Entwicklung der Siedlung "SAT" beteiligt, welche die erste Phase der Siedlungsentwicklung in Wien einläutete. Die auf der Besetzung von Grundstücken basierende Bewegung wurde erst später legalisiert.

Die frühere Mittelgasse und heutige Dr.-Barilits-Gasse trägt ihren Namen seit 1965 nach dem Maurer Bürgermeister (1929-1934) Dr. Rudolf Barilits (1874-1962).
Die Valentingasse wurde 1866 nach Valentin Edler von Mack, dem Sohn des Hofjuweliers und Besitzer der Herrschaften Kalksburg und Mauer, Franz von Mack (1730-1807), benannt und hieß davor Kraut- bzw. Frauengasse.
Die ehemalige Gartengasse heißt seit dem Jahr 1935 Haßreitersteig nach dem Ballettmeister, Tänzer, Regisseur und langjährigen Staatsopern-Solotänzer Josef Haßreiter (1845-1945).

Prominente Bewohner

Zu den zahlreichen berühmten Bewohnern von Mauer gehört auch der Architekt und Heinrich-von-Ferstel-Schüler Karl Mayreder (1856-1935).

Architekten

Anton (Toni) Lenhardt - Anton Lenhardt (1919-1997) war für die Gemeinde Wien an der Errichtung mehrerer Wohnhausanlagen beteiligt. Unter anderem plante er den Professor-Rudolf-Boeck-Hof in Wien 23, Dr.-Barilits-Gasse 2-4 (1958/59), und das Wohnhaus Börnergasse 15 in Wien 19 (1963/64).

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