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Erdbergstraße 12-14

Fakten

Erdbergstraße 12-14

Erdbergstraße 12-14, 1030 Wien

Baujahr: 1973-1975

Wohnungen: 66

Architekt: Ernst H. Huss

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Die Erdbergstraße hat ihren Ursprung in einem mittelalterlichen Weg, der die Hauptachse des seit dem 12. Jahrhunderts überlieferten und unterhalb des Fiakerplatzes gelegenen Dorfes Erdberg war. Entlang der Erdbergstraße waren bis ins 19. Jahrhundert vor allem Gärtner und Handwerker angesiedelt. Die Südseite war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Schlachthausgasse mit ein- bis zweigeschoßigen Gebäuden geschlossen verbaut, denen zum Teil langgestreckte, ebenerdige Höfe angefügt waren, während sich an der dünn besiedelten Nordseite zur Donau offene Garten- und Ackerflächen befanden. Die Höfe Erdbergstraße 12 und 14 mussten aufgrund starker Bombenschäden nach dem 2. Weltkrieg abgetragen werden.

Die Architektur

Die Anlage besteht aus einem siebenstöckigen, in Scheibenbauweise errichteten Block, der parallel zu den bestehenden Gemeindewohnbauten Erdbergstraße 16-28 quer zur Straße liegt. Die Schmalseite zur Erdbergstraße ist im Erdgeschoß als Geschäftszone ausgebildet und schließt links an den ebenerdigen Trakt des Nachbarbaus an. Rechts davon gelangt man durch eine entlang der Straße verlaufende, schrankenartige Verbauung zu den Stiegen. Hier befinden sich auch die Einfahrt zur Tiefgarage und ein Durchgang zum Rochuspark mit U-Bahn-Anschluss. Der Bau wird durch drei Stiegenhäuser erschlossen, deren Eingänge an der rückwärtigen, balkonlosen Gebäudeseite liegen. Gegliedert wird diese Front durch blockartige Vorsprünge, die jeweils die Fensterachsen der Stiegenhäuser einfassen. Die unterschiedlichen Fensterhöhen rhythmisieren diese Ansicht zusätzlich. Mit Betonblumenwannen ausgestattete Loggien und Balkone brechen die nach Südosten ausgerichtete Gebäudeseite zum begrünten Hof auf. Die abwechslungsreichen Vor- und Rücksprünge der Achsen lassen die gesamte Gebäudefront trotz der nur geraden Linien in starke Bewegung versetzt erscheinen, wobei durch das expressive Vorziehen der vertikalen, tragenden Scheiben stets auch die Konstruktion betont wird.

... und die Kunst

Auf dem Spielplatz hinter dem Wohnhaus befindet sich die Natursteinplastik "Stele" von Wolfgang Haidinger (1974/75).

Der Name

Zur Wahrung des alten Vorstadtnamens "Erdberg" wurde die Verbindungsstraße zwischen der ehemaligen Vorstadt und Wien durchgehend "Erdbergstraße" benannt. Bis 1862 bezeichnete man sie stadteinwärts "Erdberger Hauptstraße" und stadtauswärts "Antonsgasse". Noch 1899 trug die Straße abschnittsweise den Namen "Mitterweg".

Sanierung

von 1998 bis 1999

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1998 und 1999 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Ernst H. Huss - Ernst H. Huss (geb. 1941) studierte von 1958 bis 1964 an der Technischen Hochschule Wien, unter anderem bei Prof. Karl Schwanzer. Nach dem Studium war er im Büro von Heikki Siren in Helsinki tätig, seinem großen Lehrmeister und Vorbild. Dort wurde ihm die "Romantik der geraden Linie" und das Einbeziehen der Natur in den gebauten Raum gelehrt. Zurück in Wien gründete er 1970 das Architekturbüro Huss, seit 2006 in Bürogemeinschaft mit Andreas Hawlik. Zu seinen bedeutendsten Werken in Wien gehören das "Atterseehaus" (Mariahilfer Straße 78-80, Wien 7, 1995/1996) und das Columbus Center (Columbusplatz 7-8, 1100 Wien, 2002-2005).

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