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Erdbergstraße 16-28

Fakten

Erdbergstraße 16-28

Erdbergstraße 16-28, 1030 Wien

Baujahr: 1961-1963

Wohnungen: 86

Architekt: Willy Grunert

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Die Erdbergstraße hat ihren Ursprung in einem mittelalterlichen Weg, der die Hauptachse des seit dem 12. Jahrhunderts überlieferten und unterhalb des Fiakerplatzes gelegenen Dorfes Erdberg war. Entlang der Erdbergstraße waren bis ins 19. Jahrhundert vor allem Gärtner und Handwerker angesiedelt. Die Südseite war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Schlachthausgasse mit ein- bis zweigeschoßigen Gebäuden geschlossen verbaut, denen zum Teil langgestreckte, ebenerdige Höfe angefügt waren, während sich an der dünn besiedelten Nordseite zur Donau offene Garten- und Ackerfläche befanden. Die Höfe Erdbergstraße 16 bis 28 mussten zum Teil aufgrund starker Bombenschäden nach dem 2. Weltkrieg abgetragen werden.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage besteht aus zwei sechsgeschoßigen Blöcken, die quer zur Erdbergstraße stehen. Die zueinander versetzt angeordneten Wohntrakte sind durch entlang der Straße gelegene, ebenerdige Bauten miteinander verbunden, welche an die Nachbarbauten anschließen. Dadurch wird der Vorstadtcharakter gewahrt und die Wohnblöcke von der Straße weg in Grünfläche gesetzt. Aufgrund des leicht ansteigenden Geländes sind die betont schlicht gehaltenen Blöcke mehrmals abgestuft. Der rechte, kürzere Block beherbergt zwei Stiegenhäuser. Beide Fassadenfronten werden nur durch je zwei Loggienachsen aufgebrochen, deren Geländer leicht vor die glatten Fassaden gezogen sind. Diesem Block ist ein zweigeschoßiger, T-förmiger Kindergarten angeschlossen. Der längere, drei Stiegen umfassende Block öffnet sich mit fünf Balkonachsen zum Innenhof. An der Rückseite sind nur einer Fensterachse Balkone vorgelagert. Die begrünten Höfe werden zum Teil als Parkplätze genutzt.

... und die Kunst

Auf der Grünfläche vor der Wohnhausanlage steht eine Natursteinplastik von Rudolf Schmidt (1894-1980). Die Skulptur "Flusspferd mit Jungem" (1961/1963) soll den naturnahen und familiären Charakter der Wohnhausanlage betonen. Auf dem Spielplatz hinter dem Wohnhaus befinden sich die Spielplastiken "Krokodil" von Rudolf Beran (1959/64) und "Clown" von Franz Pixner (1961/66).

Der Name

Zur Wahrung des alten Vorstadtnamens "Erdberg" wurde die Verbindungsstraße zwischen der ehemaligen Vorstadt und Wien durchgehend "Erdbergstraße" benannt. Bis 1862 bezeichnete man sie stadteinwärts "Erdberger Hauptstraße" und stadtauswärts "Antonsgasse". Noch 1899 trug die Straße abschnittsweise den Namen "Mitterweg".

Sanierung

von 2005 bis 2006

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 und 2006 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.621.500 Euro, davon konnten 322.735 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Willy Grunert - Der aus Sachsen stammende Willy Grunert (1897-1978) studierte an der Technischen Hochschule und an der Kunstakademie in Dresden. Schon früh arbeitete er als Städteplaner im Atelier von Adolf Muesmann mit. Nach Beendigung seines Studiums machte er sich als Architekt in Dresden selbstständig und nahm bald eine führende Rolle auf dem Gebiet des gemeinnützigen Wohnungsbaus ein. Nach seinen Plänen entstanden in und um Dresden einige Tausend Wohnungen. Ende des Zweiten Weltkriegs übersiedelte Grunert nach Wien, wo er sich vor allem am Wiederaufbau von Wiener Neustadt sowie am Wohnhausbau der Gemeinde Wien beteiligte. Aufgrund seiner Verdienste um den Wohnhausbau wurde ihm das Ehrenamt eines Bezirksrats der Gemeinde Wien übertragen, durch das er entscheidenden Einfluss auf die Assanierungspläne der Wiener Innenstadt hatte.

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