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Gestettengasse 21a

Fakten

Gestettengasse 21a

Gestettengasse 21a, 1030 Wien

Baujahr: 1958-1960

Wohnungen: 15

Architekt: Helene Koller-Buchwieser

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Im Bereich der Gestettengasse und des Fiakerplatzes erhob sich einst über einen noch heute erkennbaren Steilhang zur Donau eine frühmittelalterliche, aus Erde gestampfte Befestigungsanlage, die bereits 1192 bei der Gefangennahme von Richard Löwenherz als Ertpurch Erwähnung fand. In ihrem Umfeld bildete sich im damals noch dicht bewachsenen Auwald ein kleines Bauerndorf, das seinen bäuerlichen Charakter bis ins 20. Jahrhundert bewahren konnte. Erst nach 1945 wurden im Zuge der Assanierung die großteils noch ebenerdigen Häuser von Alt-Erdberg durch moderne, mehrgeschoßige Wohnhausanlagen ersetzt. An der Stelle des Wohnhauses Gestettengasse 21a befand sich ursprünglich das beliebte Gasthaus "Zur Schönen Aussicht", von dessen Gastgarten man einen Ausblick über die Stadt und die Donauauen hatte.

Die Architektur

Das Wohnhaus liegt an der Stiegenanlage, die den Geländeanstieg von der Schlachthausgasse zum höher gelegenen Fiakerplatz überbrückt. Unter der äußersten Fensterachse links ist eine Durchfahrt zum schmalen Hinterhof eingeschnitten, der zum Teil als Parkplatz genützt wird. Die Fenster der asymmetrisch angelegten Straßenfassade sind mit einer dezenten, etwas vertieft in die Wand eingesetzten Rahmung versehen. In jedem Stockwerk sind je drei Wohnungen untergebracht. Die Fenstergröße orientiert sich jeweils an dem dahinter liegenden Raum, wobei sich die großen Zimmer in französischen Fenstern zur Straße öffnen. Die breiten Fenster der zentralen Achse versorgen Küche und Bad mit Licht. Im Gegensatz zur Straßenansicht ist die Hoffassade symmetrisch angelegt. Die Mittelachse wird vom Stiegenhaus eingenommen, das etwas vor die Fassadenflucht gezogen ist und sich auch farblich von der restlichen Fassade abhebt. Der Eingang ist markant gerahmt, während die Fenster ohne Rahmen in den glatten Verputz eingesetzt sind.

Der Name

Die Benennung der Gestettengasse leitet sich von der Bezeichnung "Sandgstätten" ab, die vermutlich auf die ehemals große Sandfläche am Abhang zur Erdbergstraße bzw. auf die Sandgewinnung am Donauufer verweist.

Sanierung

von 2014 bis 2015

Von 2014 bis 2015 wurde die Wohnhausanlage saniert. Unter anderem wurde ein Wärmedämmverbundsystem installiert, wodurch die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch der Kohlendioxid-Ausstoß gesenkt werden können. Außerdem wurden das Dach sowie Fenster und Türen instand gesetzt.
Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1989 und 1990 erfolgte unter anderem der Anschluss an die Fernwärme Wien. Die Kosten beliefen sich auf 22.674 Euro, davon konnten 13.604 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Helene Koller-Buchwieser - Helene Koller-Buchwieser (1912-2008) studierte an der Technischen Hochschule Wien. Nach ihrem Studiumsabschluss 1937 arbeitete sie zunächst im Atelier ihres Vaters Bruno Buchwieser mit, bis sie 1946 ihr eigenes Architekturbüro eröffnete. Zunächst am Wiederaufbau beteiligt, galt ihr Interesse vor allem der Sakralarchitektur; so wurden u. a. die Pfarrkirche Neumargareten in Wien 12 und die Karmeliterkirche in Wien 10 nach ihren Entwürfen wiedererrichtet. In den 1960er- und 1970er-Jahren plante sie neben sozialen Wohnbauten auch eine große Anzahl von privaten Wohnhäusern in Wien und Umgebung. Die Architektin war sozial sehr engagiert und leistete u. a. Entwicklungshilfe in der Republik Burkina Faso.

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