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Hofmannsthalgasse 12-24

Fakten

Hofmannsthalgasse 12-24

Hofmannsthalgasse 12-24, 1030 Wien

Baujahr: 1957-1959

Wohnungen: 294

Architekt: Elisabeth Pongracz, Wilhelm Urbanek, Alfons Hetmanek, Walter Prutscher, Anton Josef Osika

Weitere Adressen

Leberstraße 6a, 1030 Wien

Landstraßer Gürtel 95-109, 1030 Wien

Grasbergergasse 9-11, 1030 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Wohnhausanlage wurde auf dem freien Areal zwischen Landstraßer Gürtel und dem St. Marxer Friedhof errichtet. Entlang des Gürtels verlief einst der Linienwall - ein Erdwall mit Graben, der ab 1704 zum Schutz von Wien und seinen Vorstädten angelegt wurde. 1894 begann man mit dessen Schleifung und an seiner Stelle wurde die Gürtelstraße gebaut. Der St. Marxer Friedhof wurde 1784 außerhalb des Linienwalls angelegt, als im Zuge der Josephinischen Reformen Beerdigungen im Stadtgebiet verboten wurden. Durch die Stadterweiterung im 19. Jahrhundert lag jedoch auch er bald innerhalb des Stadtgebietes, weshalb 1874 der Wiener Zentralfriedhof eröffnet und zugleich der St. Marxer Friedhof aufgelassen wurde. 1957 plante man, den Landstraßer Gürtel unterhalb des Friedhofes bis zum Schlachthaus St. Marx zu verlängern, weshalb dem Friedhof im nördlichen Bereich ein Grundstück abgezweigt wurde. Die Verlängerung kam jedoch nicht zustande. Der in der Folge errichteten Wohnhausanlage, die bis an die Mauern des Friedhofes reicht, wurde das ehemalige Friedhofsgrundstück als Grünfläche einverleibt.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich auf dem abfallenden Gelände zwischen Grasbergergasse und Leberstraße. An der Grasbergerstraße, dem höchsten Punkt der Anlage, liegt ein fünf Geschoße umfassender Block mit zwei Stiegenhäusern. Er wirkt wie ein Schutzschild für die dahinter liegende freie Verbauung. Ein Teil des Erdgeschoßes wird als Geschäftsbereich genutzt. Durch einen kleinen Vorsprung und eine leichte Höhenstufung wird der Block in zwei Teile gegliedert. Die Fenster sind markant gerahmt. Vertikale Akzente setzen die Stiegenhausachsen, die leicht vor die Fassadenflucht gezogen sind. Dahinter befinden sich entlang der Hofmannsthalgasse zwei parallele zweigeschoßige Blöcke mit großen Fensteröffnungen. Es folgen quer zur Hofmannsthalgasse drei Blöcke mit je drei Stiegenhäusern und ein zwei Stiegen umfassender Block. In ihrer Gestaltung entsprechen sie dem ersten Straßenblock. Auch sie sind durch dem Gelände folgende Höhenstufungen und Vorsprünge gebrochen. Die glatten Fassaden werden durch Achsen kleiner und großer Fenster strukturiert, die mit dezenten Rahmen versehen sind. Einzelnen Achsen sind Balkone vorgelagert. Auf dem Grundstück Ecke Hofmannsthalgasse/Leberstraße wurden zwei schlichte und ein turmartig anmutendes Gebäude erbaut, die über je ein Stiegenhaus erschlossen werden. Der turmartige, sieben Geschoße umfassende Baukörper liegt schräg zur Hofmannsthalgasse. Durch seine Höhe und Gestaltung hebt er sich deutlich von der restlichen Verbauung ab. Die fünfachsige Eingangsfront springt über den zentralen drei Achsen deutlich vor. Die mittige, farblich abgehobene Stiegenhausachse ist leicht zurückversetzt, ebenso wie die mittige Achse an der dreiachsigen Schmalseite. Die gegenüberliegende, zur Leberstraße ausgerichtete Schmalseite wird nur durch zwei Achsen gegliedert, von denen die rechte mit großzügigen Balkonen ausgestattet ist.

... und die Kunst

In den Grünflächen zwischen den Blöcken befinden sich die von Oskar Bottoli gestaltete Natursteinplastik "Familie" (1957/58), die Bronzeplastik "Singende Knaben" (1956-1961) von Siegfried Charoux und die Spielplastik "Zwei Seehunde" (1957-1959) von Heinrich Deutsch. Der Eingang zur Stiege 14 wird von einem Relief und Mosaik (1957-1959) von Rudolf Beran gerahmt.

Der Name

Benannt wurde die Gasse 1932 nach dem Dichter Hugo von Hofmannsthal (1874-1929). Er war 1920 Mitbegründer der Salzburger Festspiele, wo sein Theaterstück "Jedermann" (1911) seit 1920 jedes Jahr aufgeführt wird.

Sanierung

von 2007 bis 2007

Die Wohnhausanlage wurde 2007 saniert. Neben der Instandsetzung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, die Fassade wurde teilweise mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Der Anschluss an die Fernwärme Wien erfolgte bereits im Zuge von 1989/90 durchgeführten Sanierungsmaßnahmen. Die Kosten beliefen sich auf 432.534 Euro, davon konnten 234.320 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Elisabeth Pongracz - Elisabeth Pongracz (geb. Porges, 1909-1974) studierte von 1929 bis 1934 unter anderem bei Siegfried Theiß und Franz Krauß an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war sie an den Entwürfen zu den Wohnhausanlagen Klausgasse 1-11 in Wien 16 (1954-1955) und Hofmannsthalgasse 12-24 in Wien 3 (1957-1959) beteiligt.

Wilhelm Urbanek - Wilhelm Urbanek (1898-?) plante unter anderem für die Gemeinde Wien das Wohnhaus Theresianumgasse 9 in Wien 4 (1958) und in einer größeren Arbeitsgemeinschaft die Anlage Hofmannthalgasse 12-24 in Wien 3 (1957-1959).

Alfons Hetmanek - Alfons Hetmanek (1890-1962) studierte in den Jahren 1912 bis 1915 bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er mit seinem Studienkollegen Franz Kaym eine Ateliergemeinschaft, die bis 1935 bestand. Im Rahmen dieser erfolgreichen Zusammenarbeit wurden zahlreiche private und öffentliche Projekte realisiert, neben mehreren Wohnhausanlagen auch die Gartensiedlungen Weißenböckstraße (1922/23, Wien 11), "Am Flötzersteig" (1922-1931, Wien 14) und "Am Spiegelgrund" (1931-1934, Wien 16). Nach dem Zweiten Weltkrieg plante Alfons Hetmanek vor allem für den Wiederaufbau.

Walter Prutscher - Walter Prutscher (1914-2002) studierte von 1935 bis 1939 an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1961 auch promovierte. Von 1955 bis 1968 hatte Prutscher an der TH eine Assistentenstelle für Kunsthandwerk, Innenraumgestaltung und Gartenkunst inne. Nach seinen Entwürfen wurde unter anderem die Hischstetter Pfarrkirche in Wien 22 (1959-1961) errichtet. Prutscher war auch Mitglied der Architektengruppe, die für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Hofmannsthalgasse 12-24 in Wien 3 (1957-1595) plante.

Anton Josef Osika - Anton Osika (1907-1965) studierte von 1921 bis 1928 neben Architektur bei Josef Frank, Josef Hoffmann und Oskar Strnad auch Tischlerei, Gürtlerei und Malerei an der Wiener Kunstgewerbeschule. Zusammen mit Fritz Purr entwarf er die Wohnhausanlage Brünner Straße 108-110 in Wien 21 (1964/65). Als Mitglied größerer Architektengemeinschaften war Osika auch an der Errichtung der Wohnhöfe Hofmannsthalgasse 12 in Wien 3 (1957-1959) und Marcusgasse 4-12 in Wien 14 (1961-1963) beteiligt.

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