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Markhofgasse 12-18

Fakten

Markhofgasse 12-18

Markhofgasse 12-18, 1030 Wien

Baujahr: 1954-1956

Wohnungen: 272

Architekt: Karl Schwanzer, Wilhelm Cermak, Rudolf Pamlitschka

Weitere Adressen

Barthgasse 13-15, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Das Wohnhaus liegt auf dem Gelände des ehemaligen Erdberger Maiß. Dabei handelte es sich um ein Waldstück (im Volksmund "Mas" = Jungholz), das einst von einem Donauarm in großem Bogen entlang den heutigen Straßenzügen Schlachthausgasse-Baumgasse-Franzosengraben umschlossen wurde und nur über eine schmale Holzbrücke an der Kreuzung Schlachthausgasse/Erdbergstraße zugänglich war. Bereits im 18. Jahrhundert hatten sich auf diesem fruchtbaren Boden Gärtner angesiedelt. Um 1800 wurde der Donauarm trocken gelegt, in der Folge der gesamte Erdberger Maiß gerodet und Gemüsegärten angelegt, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg hier bestanden.

Die Architektur

Die U-förmige Wohnhausanlage bildet eine geschlossene Straßenverbauung in der Markhofgasse und öffnet sich in einem weiträumigen Straßenhof zur parallel verlaufenden Barthgasse. Die Straßenfront ist in einen elf Fensterachsen langen, leicht zurück versetzten Mittelteil und zwei Seitenrisalite mit elf bzw. sieben Achsen gegliedert. Die Fenster sind, mit einer schlichten Rahmung versehen, in die glatte Wand eingeschnitten. Die Fassaden der Risalite, dominiert von nachträglich angebauten Aufzugstürmen, werden durch Achsen unterschiedlicher Fenstergrößen rhythmisiert. An den äußersten Achsen des zurückgesetzten Mittelblocks sind Durchgänge zum Hof eingeschnitten. Ein Nutenraster fasst die zentralen drei Fensterachsen zusammen, wobei die Mittelachse durch schmälere Fenster besonders betont wird. Zusätzlich wird diese Partie durch einen über drei Achsen reichenden Fensterausbruch hervorgehoben. Die zwei anschließenden Hofflügel sind um ein Geschoß niedriger. Wie an der Straßenseite sind auch an den Hoffassaden die Fenster mit hellen Rahmen versehen. Achsen mit größeren Fenstern gliedern die einzelnen Fronten, an denen später Glasschächte für Aufzüge errichtet wurden. Je zwei schlicht gerahmte Durchgänge an den Seitenblöcken führen zu schmalen Seitenhöfen, die mit den Nachbargebäuden umschlossen werden. An den Schmalseiten zur Barthgasse setzen Achsen mit französischen Fenstern besondere Akzente.

... und die Kunst

Im Hof steht die von Eduard Robitschko aus Bronze und Schmiedeeisen geschaffene Skulptur "Vogelflug" (1954/55). Die an eine Antenne erinnernde Konstruktion, die einzelne und Schwärme fliegender Vögel trägt, scheint ein Versuch zu sein, Technik und Natur in Einklang zu bringen.

Der Name

Die Markhofgasse ist nach Adolf Ignaz Mautner von Markhof (1801 - 1889) benannt. Er war Pächter des Brauhauses St. Marx, das er 1857 kaufte. 1843 stellte er erstmals untergäriges Bier her und lagerte es in neuen Kühlvorrichtungen, womit sein Erfolg gesichert war. Zahlreiche soziale Einrichtungen in Wien wurden von ihm gestiftet.

Sanierung

von 1996 bis 1998

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1987/88 und 1990/91 erfolgten der Anschluss an die Fernwärme Wien und der Einbau der Aufzüge. Die Kosten dafür betrugen 596.935 Euro, davon konnten 419.162 Euro durch Förderungen gedeckt werden. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen in den Jahren 1996 bis 1998 konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Karl Schwanzer - Karl Schwanzer (1918-1975) zählt zu den wichtigsten Vertretern der österreichischen Nachkriegsarchitektur. 1940 schloss er sein Studium an der Technischen Universität Wien ab und eröffnete 1949 ein eigenes Atelier in Wien, 1963 ein weiteres in München. Ab 1959 hatte er eine Professur an der TH Wien inne. Zu seinen bedeutendsten Bauten zählen der Österreichische Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel 1958 (heute: Museum des 20. Jahrhunderts, Wien 3) und die BMW-Zentrale in München (1973). Posthum erhielt er 1975 den Großen Österreichischen Staatspreis.

Wilhelm Cermak - Wilhelm Cermak (1920-2005) studierte von 1936 bis 1944 Keramik, Bildhauerei und Architektur bei Oswald Haerdtl an der Hochschule für angewandte Kunst, wo er später auch selbst unterrichtete. Bevor er sich 1951 als Architekt selbständig machte, war er mehrere Jahre lang Bauleiter im Büro von Oswald Haerdtl. Zu seinen Bauwerken zählen unter anderem das Gemeindewohnhaus Blumauergasse 24 in Wien 2 (1965-1967) und die zusammen mit Rudolf Pamlitschka und Karl Schwanzer entworfene Wohnhausanlage Markhofgasse 12-18 in Wien 3 (1954-1956).

Rudolf Pamlitschka - Rudolf Pamlitschka (1920-1999) studierte von 1939 bis 1947 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien plante er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften mehrere Wohnhausanlagen, wie etwa den Anton-Figl-Hof in Wien 14, Hernstorferstraße 22-32 (1956-1958), und die Anlage Markhofgasse 12-18 in Wien 3 (1954-1956). Das Wohnhaus Wällischgasse 10-12 in Wien 3 (1981-1983) entwarf Rudolf Pamlitschka eigenständig.

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