Mobile Version aus nicht mehr nachfragen

Apostelgasse 19-21

Fakten

Apostelgasse 19-21

Apostelgasse 19-21, 1030 Wien

Baujahr: 1954-1955

Wohnungen: 73

Architekt: Paul Artmann

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

An der Stelle der Wohnhausanlage standen bis nach dem Zweiten Weltkrieg ein Haus aus dem 18. Jahrhundert und ein 1810 erbautes Haus (Nr. 21). Das Haus Apostelgasse 19 trug das Hausschild "Zum holländischen Schleifer". Hier befand sich im 18. Jahrhundert ein Gasthaus mit einem überaus üblen Ruf. Dessen Wirt Franz Nikel war als Schläger berüchtigt und fand Ende des 18. Jahrhunderts wiederholt Erwähnung im Erdberger Klageprotokoll. Aufgrund von Kriegsschäden mussten die beiden Häuser 1953 abgerissen werden.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich über vier Stiegen auf einem schmalen, lang gezogenen, quer zur Straße liegenden Grundstück. Sie ist in drei hintereinander liegende Blöcke gegliedert, wobei der Straßenblock und der mittlere Block durch einen Seitenflügel miteinander verbunden sind. Dieser Seitenblock springt an der Straßenfront weit vor und bildet so einen kleinen Vorplatz zum Eingang. Der dritte Block steht frei im zweiten Hinterhof. Die Fenster an der sechsgeschoßigen Straßenfassade sind markant gerahmt, im ersten Obergeschoß sind sie zusätzlich mit massiven Fenstergesimsen versehen. Das oberste Stockwerk wird durch ein dezentes Sohlbankgesims deutlich abgesetzt. Ein flach gewölbter Durchgang führt in den von drei Seiten umschlossenen Innenhof. Die Fenster sind hier ohne Profilierung in die glatte Fassade eingeschnitten. Das einzige horizontale Gliederungselement ist das von der Straßenfassade übernommene Gesimsband unterhalb des obersten Geschoßes. Vertikale Akzente setzen die leicht vorgezogenen Stiegenhäuser, an die nachträglich Glasschächte für die Aufzüge angebaut wurden. Ähnlich gestaltet ist der freistehende Block im zweiten Hof, der allerdings im Gegensatz zu den anderen Baukörpern an der Rückseite mit Balkonen ausgestattet ist.

Der Name

Benannt wurde die Gasse 1862 nach den Aposteln Peter und Paul. Sie sind die Namenspatrone der Erdberger Kirche, von der die Apostelgasse bis zur Landstraßer Hauptstraße führt.

Sanierung

von 2004 bis 2006

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2004 bis 2006 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Paul Artmann - Über die Ausbildung des in Reichenberg/Böhmen geborenen Architekten Paul Artmann (1909-2006) sind keine Daten bekannt. Mit seiner Gattin, der Architektin Nadia Artmann, war er in den 1950er-Jahren im Zuge des Wiederaufbaus vor allem in Wien und Innsbruck tätig. Für die Gemeinde Wien plante er etwa die Wohnhausanlagen Apostelgasse 19-21 in Wien 3 (1954/55), Erlaaer Straße 125-129 in Wien 23 (1951/52, mit Nadia Artmann) und in einer größeren Gemeinschaft die Anlage Johann-Hörbiger-Gasse 24-28 in Wien 23 (1956-1958).

  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf Twitter
  • Teilen auf Google+