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Gerlgasse 14

Fakten

Gerlgasse 14

Gerlgasse 14, 1030 Wien

Baujahr: 1952-1953

Wohnungen: 111

Architekt: Frank Schläger, Fritz Slama

Weitere Adressen

Keilgasse 1-5, 1030 Wien

Hohlweggasse 6, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die Wohnhausanlage befindet sich auf dem Gelände eines großen römischen Gräberfeldes, das sich von der Oberen Bahngasse bis zur Hegergasse erstreckt. Beim Bau des Hauses wurden im Bereich Keilgasse 1-5 Reste von Grabschuttgruben, Gräber sowie eine große Menge Sigillatascherben und ein Bronzeleuchter gefunden.

Die Architektur

Die U-förmige Wohnhausanlage erstreckt sich von der Hohlweggasse entlang der Gerlgasse bis zur Keilgasse. An den beiden Schmalseiten führen jeweils markant gerahmte Durchgänge in den Innenhof, von dem aus die sechs Stiegenhäuser erschlossen werden. Die Fensterachsen über den Durchgängen sind leicht vor die Fassadenflucht gezogen und mit Nuten versehen. An der breiteren Front in der Keilgasse ist auch eine zweite Fensterachse vorgezogen. Die Fenster sind dezent gerahmt und gleichmäßig in die glatte Fassade eingesetzt. Die lange Front zur Gerlgasse springt beidseitig nach zwei Fensterachsen risalitartig leicht nach vorne. Hier sind jeweils zwei Fensterachsen zu drei Feldern zusammengefasst und über dem Erdgeschoß vorgezogen. Dominiert wird die Ansicht von zwei später angebauten Aufzugstürmen, die farblich und in ihrer genuteten Struktur den vorgezogenen Feldern angeglichen sind. Die Hofseiten sind großzügig mit Balkonen ausgestattet. Besonders bemerkenswert ist die über Treppen zu erreichende, höher gelegene Grünanlage.

... und die Kunst

Zwei Sgraffitowandbilder (1952/53) mit Motiven zur "Versorgung der Stadt" von Franz Elsner (Hohlweggasse) und Bartholomäus Stefferl (Keilgasse) schmücken die beiden Schmalfronten.

Der Name

Der Name der Gerlgasse erinnert an den Baumeister Matthias Gerl (1713-1765), der zahlreiche Häuser der Landstraße errichtete. Von ihm stammt unter anderem auch die Oberlaaer Pfarrkirche.

Architekten

Frank Schläger - Frank Schläger (1894-1978) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach der Ziviltechnikerprüfung arbeitete er drei Jahre als Hausarchitekt des Hotels Bristol in Wien. Zeit seines Lebens unternahm er Reisen nach Jugoslawien, Rumänien, London, Paris und in die USA, um Hotelstudien vorzunehmen. Zu seinen renommiertesten Projekten zählen das Verkehrsbüro der deutschen Lufthansa sowie Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien, u.a. in der Breitenfurter Straße 477-485 im 23. Bezirk, die er gemeinsam mit Richard Putsch konzipierte.

Fritz Slama - Fritz Slama (geb. 1908 in Brünn/Tschechien; verst. 1981 in Neulengbach/NÖ) war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa der Wohnhäuser Gerlgasse 14 in Wien 3 (1952/53) und Dommesgasse 1-7 in Wien 11 (1956/57).

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