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Jauresgasse 5-7

Fakten

Jauresgasse 5-7

Jauresgasse 5-7, 1030 Wien

Baujahr: 1952-1953

Wohnungen: 42

Architekt: Erwin Böck

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Bereits seit dem frühen 18. Jahrhundert stand im Bereich der Reisnerstraße ein Palais mit einem großzügigen Garten, der vom Rennweg bis zur Neulinggasse reichte. Fürst Clemens von Metternich kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Gründe und ließ darauf ab 1846 das noch heute bestehende Palais am Rennweg 27 errichten. Die Jauresgasse wurde auf dem Gelände des parzellierten Metternich-Gartens angelegt, der nach dem Börsenkrach 1873 veräußerst werden musste. Bis 1919 hieß die Gasse Richardgasse, nach Richard von Metternich (1829-1895), Sohn des Kanzlers Clemens von Metternich. Vor der Errichtung des heutigen Wohnhauses diente die Parzelle als Panzerabstellplatz.

Die Architektur

Die L-förmige Wohnhausanlage liegt inmitten des Botschaftsviertels des 3. Bezirks. Mit seiner sechs Geschoße umfassenden Fassade schließt das Gebäude eine Baulücke zwischen zwei niedrigeren Palais aus dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich befanden sich die sieben Fensterachsen auf einer Baulinie, durch den späteren Lifteinbau wurde die mittig gelegene Achse des Stiegenhauses turmartig vorgezogen. Bemerkenswert ist, dass dabei die Gliederung und das Dekor übernommen wurden.

Durch das sehr massiv wirkende, genutete Erdgeschoß passt sich das Gebäude den Nachbarbauten an. Die Fenster sind etwas nach innen versetzt und zur Mitte hin mit einer Sohlbank versehen. Das Stiegenhausfenster durchbricht mit seiner kräftigen Verdachung das abgrenzende Sohlbankgesims zu den Obergeschoßen. Die architektonische Steigerung im Erdgeschoß zur Mitte hin setzt sich in den Stockwerken fort. Die beiden jeweils äußeren Fensterachsen sind nur mit einer dezenten Profilierung gerahmt. Die anschließenden Achsen verfügen in den oberen drei Geschoßen über geschichtete Sohlbänke, die sich auch farblich von der Fassade abheben. Diese Steigerung des Dekors mündet im bekrönenden Wien-Wappen an der mittig gelegenen Stiegenhausachse - ein Motiv, das sich auch an Adelspalästen findet, wo üblicherweise das Familienwappen an einer zentralen, architektonisch hervorgehobenen Stelle angebracht ist.

Der Name

Die Jauresgasse ist nach dem Pazifisten Jean Jaurès (1859-1914) benannt. Der Führer der französischen Sozialisten wurde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in einem Pariser Kaffeehaus erschossen.

Sanierung

von 1999 bis 2001

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1999 bis 2001 saniert. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 312.800 Euro, davon konnten 181.840 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Erwin Böck - Erwin Böck (1894-1966) studierte an der Technischen Universität Wien und arbeitete bereits als Student in verschiedenen Architekturbüros. Neben seiner Tätigkeit als Architekt lehrte er auch an der TU Wien sowie der Akademie der bildenden Künste, wo er später Professor wurde. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im Wohnhausbau. Für die Gemeinde Wien plante er seit den 1920er bis in die 1960er Jahre zahlreiche Wohnanlagen.

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