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Untere Weißgerberstraße 53-59

Fakten

Untere Weißgerberstraße 53-59

Untere Weißgerberstraße 53-59, 1030 Wien

Baujahr: 1950-1951

Wohnungen: 79

Architekt: Alfons Hetmanek

Weitere Adressen

Paracelsusgasse 3-5, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Bereits im 13. Jahrhundert gab es entlang eines Seitenarms der Donau im Bereich der Löwengasse eine Besiedelung durch Gärtner, Fleischhauer und Darmwäscher. Im späten 16. Jahrhundert zogen auch die aufgrund der Geruchsbelästigung aus der Stadt verwiesenen Weißgerber und Lederer hierher, weshalb das Gebiet bald als "Unter den Weißgerbern" bezeichnet wurde. Bis 1862 wurde die Untere Weißgerberstraße als Gärtnergasse bezeichnet. Dieser Name verweist auf die hier bis ins 19. Jahrhundert ansässigen Gärtner.

Die Architektur

Die sechsgeschoßige Wohnhausanlage erstreckt sich an der Ecke Paracelsusgasse (mit zehn Fensterachsen)/Untere Weißgerberstraße (mit 15 Fensterachsen). Die beiden betont schlicht gehalten langen Fronten werden durch ganz leichte Vor- und Rücksprünge der Fassadenflucht blockartig in mehrere Abschnitte gegliedert. Zusätzlich betont wird diese Blockbildung durch große und kleinere Fenster, die gruppenweise angeordnet sind, wobei die kleinen Fenster enger zueinander gesetzt und die großen weiter auseinander gerückt sind. Vertikale Akzente setzen dezente Nuten, die unterhalb des zweiten und des vierten Obergeschoßes über die gesamte Gebäudelänge verlaufen. Ein durchgezogenes Dachgesims schließt das Gebäude nach oben hin ab, es springt nur einmal in der Paracelsusgebäude mit der Fassade leicht zurück. Über den äußersten Achsen befinden sich eingeschoßige Dachaufbauten, um hier an die höheren Nachbarbauten anschließen zu können. Ein massiv aus der Wand hervortretender und ein französisches Fenster einschließender Rahmen an der Unteren Weißgerberstraße markiert den Durchgang zum Innenhof, von wo aus die vier Stiegenhäuser erschlossen werden.

... und die Kunst

An der Gebäudeecke ist ein von Robert Aigner gestaltetes Mosaik (1952/53) angebracht. Es zeigt das "Schrebergartenleben" zur Frühlingszeit (links das Säen) und im Herbst (rechts die Ernte).

Der Name

Die Benennung der Straße erfolgte 1862 zur Wahrung des alten Vorstadtnamens, der erstmals um 1600 als "Unter den Weißgerbern" Erwähnung fand, nachdem sich im späten 16. Jahrhundert die aufgrund der Geruchsbelästigung aus der Stadt verwiesenen Weißgerber und Lederer im Bereich der heutigen Löwengasse angesiedelt hatten.

Sanierung

von 1986 bis 1987

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1986 und 1987 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 277.610 Euro und konnten vollständig durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Alfons Hetmanek - Alfons Hetmanek (1890-1962) studierte in den Jahren 1912 bis 1915 bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er mit seinem Studienkollegen Franz Kaym eine Ateliergemeinschaft, die bis 1935 bestand. Im Rahmen dieser erfolgreichen Zusammenarbeit wurden zahlreiche private und öffentliche Projekte realisiert, neben mehreren Wohnhausanlagen auch die Gartensiedlungen Weißenböckstraße (1922/23, Wien 11), "Am Flötzersteig" (1922-1931, Wien 14) und "Am Spiegelgrund" (1931-1934, Wien 16). Nach dem Zweiten Weltkrieg plante Alfons Hetmanek vor allem für den Wiederaufbau.

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