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Strohgasse 14f

Fakten

Strohgasse 14f

Strohgasse 14f, 1030 Wien

Baujahr: 1949-1950

Wohnungen: 35

Architekt: Anton Brenner

Weitere Adressen

Grimmelshausengasse 14, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Ab 1949 war der Wohnbau zahlenmäßig wieder auf dem Niveau des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Doch noch war die Bevölkerung verarmt und oft obdachlos. Kleine Duplex-Wohnungen, die später zusammengelegt werden konnten, linderten schließlich die Wohnungsnot. 1951 wurde Franz Jonas, Sohn einer Arbeiterfamilie, Bürgermeister von Wien. In seine Amtszeit fiel die rege Bautätigkeit im Rahmen des Projektes "Sozialer Städtebau" ab 1952. Das 8-Punkte-Programm hatte die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen, eine Auflockerung der Wohnbereiche sowie die Assanierung einzelner Viertel zum Ziel. Die standardmäßige Ausstattung der Wohnungen wurde verbessert - alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

1806 kaufte Maria Beatrix Riccarda von Este, die Tochter des Herzogs von Modena, zwei Grundstücke in der nach ihr benannten Beatrixgasse und ließ darauf ein Schloss mit einer prachtvollen Gartenanlage errichten, die bis zur Strohgasse reichte. 1916 wurde das Schloss demoliert und das Grundstück parzelliert. Die geschlossene Verbauung des Geländes erfolgte erst ab 1926. Die Gebäude zwischen Neulinggasse und Strohgasse entstanden nach 1945, darunter auch dieses Wohnhaus. Der Platz Am Modenapark ist nur ein kleiner Rest des einstigen Gartens.

Die Architektur

Das Wohnhaus gliedert sich in einen sechsgeschoßigen Block an der Ecke Strohgasse/Grimmelshausengasse und einen anschließenden fünfgeschoßigen Bauteil an der Grimmelshausengasse. Das Erdgeschoß ist farblich sowie durch ein dezentes Gesimsband von den Obergeschoßen abgesetzt, die Fassade ist leicht über die Baulinie vorgezogen. Die abgestufte Front an der Grimmelshausengasse wird von einem Erker über zwei Fensterachsen dominiert, der als Spange zwischen dem sechsgeschoßigen und dem fünfgeschoßigen Gebäudeteil dient. Versenkte Wandfelder fassen die Fenster am Erker zu horizontalen Einheiten zusammen. Gesimsbänder setzen zusätzliche horizontale Akzente. Die seitlich davon gelegenen Fassaden werden durch je drei Fensterachsen strukturiert. Auch hier sind die Fenster pro Geschoß zusammengezogen. Den mittigen Fenstern sind großzügige Balkone vorgelagert. Bemerkenswert ist die Eingangssituation an der Grimmelshausengasse: Direkt unter dem Erker ist ein großes, schlicht gerahmtes Feld eingeschnitten. Die Eingangstür ist ganz nach links in dieses Feld gesetzt. Als Gegenwicht dient ein Fenster in der rechten oberen Ecke.

Die schlichter gestaltete, acht Fensterachsen umfassende Front zur Strohgasse wird durch zwei Balkonachsen gegliedert, die mit den sie jeweils flankierenden Achsen eine Einheit bilden. Die breiteren Fenster der äußersten, etwas abgesetzten Achsen erhalten dadurch rahmenden Charakter.

... und die Kunst

Über den beiden Eingängen befinden sich Mosaike von Albert Janesch mit Szenen spielender Kinder (1949/50).

Der Name

Benannt wurde die Strohgasse im Jahr 1862 nach dem ehemaligen Strohspeicher der Heumarktkaserne, die ab 1783 als Fuhrwerkskaserne diente und sich bis 1910 Ecke Rennweg/Schwarzenbergplatz befand.

Prominente Bewohner

Der aus Italien stammende Bildhauer Mario Petrucci (1893-1972) wohnte ab 1952 in diesem Wohnhaus. Er schuf vor und nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Statuen und Denkmäler in Wien. Von ihm stammen unter anderem die Reinhardtbüste über dem Portal des Theaters in der Josefstadt und das Heimkehrerdenkmal am Leopoldsberg.

Sanierung

von 2006 bis 2007

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2006 und 2007 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie durch das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 429.400 Euro, davon konnten 87.436 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Anton Brenner - Anton Brenner (1896-1957) erhielt seine Ausbildung bei einer Reihe bedeutendster Architekten. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Wien bei Oskar Strnad und Josef Frank und studierte von 1922 bis 1926 an der Akademie der bildenden Künste bei Peter Behrens und Clemens Holzmeister. Bereits 1924 entwarf er für die Gemeinde Wien die Wohnhausanlage Rauchfangkehrergasse 26, Wien 15, deren funktional durchgeplante Wohnungsgrundrisse und Innenraumgestaltungen große Beachtung erfuhren. 1929 wurde Brenner Leiter der Architekturabteilung am Bauhaus in Dessau. Aufgrund seiner nicht einfachen Art und seines fortschrittlichen Denkens, blieben jedoch weitere große Aufträge aus. 1949/50 realisierte er mit seinen Sohn Anton Brenner jun. die Wohnhausanlage Strohgasse 14 in Wien 3.

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