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Weißgerberlände 30-36

Fakten

Weißgerberlände 30-36

Weißgerberlände 30-36, 1030 Wien

Baujahr: 1931-1932

Wohnungen: 153

Architekt: Friedrich Schlossberg

Weitere Adressen

Custozzagasse 14-18, 1030 Wien

Untere Weißgerberstraße 23-25, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Bereits im 15. Jahrhundert wurde der Bereich der heutigen Weißgerberlände als "Gänseweide" erwähnt. Damals handelte es sich noch um eine Wiese an dem dort fließenden Hauptarm der Donau (heutiger Donaukanal), dem im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Wasser abgeleitet wurde, um die Stadt vor Hochwassern zu schützen. Auf der Gänseweide befand sich im Bereich der Kegelgasse seit dem frühen 15. Jahrhundert eine Hinrichtungsstelle, an der bis 1733 Todesurteile durch Verbrennung vollstreckt wurden. Die geschlossene Verbauung der Weißgerberlände begann erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Architektur

Die neun Stiegen umfassende Wohnhausanlage erstreckt sich U-förmig von der Weißgerberlände über die Custozzagasse in die Untere Weißgerberstraße. Die schlichte Hauptfront an der Weißgerberlände ist in zwei wehrturmartig überhöhte Seitenrisalite und einen breiten Mittelteil aufgegliedert. Vom zweiten bis zum vierten Obergeschoß sind die Fenster zum Teil mit Balkonen ausgestattet. Die Fenster im Ergeschoß sind wie der mittig gelegene Durchgang zum Innenhof markant gerahmt. Dezente Nutungen fassen die Fenster zu Bändern zusammen, die über das gesamte Gebäude gezogen sind. Ein unterhalb des obersten Geschoßes geführtes Gesims und das breite abschließende Hauptgesims setzen zusätzlich horizontale Akzente. Die Fassade in der Custozzagasse wird durch die später errichteten Aufzugsanbauten dominiert. Sie sind mittels Gesimsen an die Fassade gebunden, ebenso wie die beiden pittoresk anmutenden Erker. Vier trapezförmig vorgezogene Erker strukturieren auch die Front zur Unteren Weißgerberstraße. Hier ist der fünfgeschoßige Bau auf einer Länge von zwei Fensterachsen um ein Geschoß erhöht, um an die Höhe des Nachbargebäudes anschließen zu können. In den ursprünglichen Geschäftslokalen im Erdgeschoß sind heute Lagerräume untergebracht.

... und die Kunst

In den ursprünglich als Geschäftslokale genutzten Räumlichkeiten im Erdgeschoß an der Unteren Weißgerberstraße ist heute das Lager des Kunsthaus Wien untergebracht. Die Fassade wurde von Friedensreich Hundertwasser mit auffallend bunten Dekorelementen versehen.

Der Name

Benannt wurde die Straße 1862 nach ihrer Lage am Donaukanal und dem ehemaligen Vorstadtnamen, der erstmals um 1600 als "Unter den Weißgerbern" Erwähnung fand, nachdem sich im späten 16. Jahrhundert die aufgrund der Geruchsbelästigung aus der Stadt verwiesenen Weißgerber und Lederer im Bereich der heutigen Löwengasse angesiedelt hatten.

Sanierung

von 2002 bis 2005

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2002 bis 2005 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 2.601.600 Euro, davon konnten 725.702 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Friedrich Schlossberg - Friedrich Schlossberg (1900-1968) studierte von 1919 bis 1921 an der Technischen Hochschule Wien. Er war zunächst in verschiedenen Büros tätig, bevor er sich 1931 als Architekt selbständig machte. Sein einzig dokumentiertes Werk aus dieser Zeit ist die kommunale Wohnhausanlage Custozzagasse 14-18 in Wien 3 (1931). Während des Zweiten Weltkrieges mit einem Berufsverbot belegt, war er nach 1945 am Wiederaufbau der Wiener Secession beteiligt und plante in Zusammenarbeit mit verschiedenen Architekten mehrere Wohnhäuser für die Gemeinde Wien.

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