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Weißgerberlände 24

Fakten

Weißgerberlände 24

Weißgerberlände 24, 1030 Wien

Baujahr: 1929-1930

Wohnungen: 23

Architekt: Alexander Graf

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Bereits im 15. Jahrhundert wurde der Bereich der heutigen Weißgerberlände als "Gänseweide" erwähnt. Damals handelte es sich noch um eine Wiese an dem dort fließenden Hauptarm der Donau (heute Donaukanal), dem im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Wasser abgeleitet wurde, um die Stadt vor Hochwassern zu schützen. Auf der Gänseweide befand sich im Bereich der Kegelgasse seit dem frühen 15. Jahrhundert eine Hinrichtungsstelle, an der die Todesurteile bis 1733 durch Verbrennung vollstreckt wurden. Die geschlossene Verbauung der Weißgerberlände begann erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Architektur

Das Wohnhaus umfasst ein weit über das Bodenniveau reichendes Kellergeschoß und sechs Hauptgeschoße. Die Mittelachse wird von Paaren kleiner Lüftungsöffnungen markiert. Seitlich davon befinden sich je drei Fensterachsen, von denen jeweils die mittlere als Erker vorgezogen ist. Die Erker reichen vom ersten bis zum dritten Obergeschoß. Oben und zur Hausmitte hin sind sie mit Balkonen ausgestattet, die durch um die Erker reichende Gesimse an das Gebäude angebunden sind. Auch den über den Erkern liegenden Fenstern des obersten Stockwerks sind Balkone vorgelagert. Sie werden wie die Erker durch mächtige Konsolen gestützt. Die Fenster sind mittels Nuten dezent gerahmt. Ein durchgezogenes Sohlbankgesims trennt das Erdgeschoß von den Obergeschoßen und fügt den Bau damit in die Struktur der Nachbarhäuser ein. Auch die schlichten Hoffronten der L-förmigen Anlage sind mit Balkonen versehen.

Der Name

Benannt wurde die Straße 1862 nach ihrer Lage am Donaukanal und dem ehemaligen Vorstadtnamen, der erstmals um 1600 als "Unter den Weißgerbern" Erwähnung fand, nachdem sich im späten 16. Jahrhundert die aufgrund der Geruchsbelästigung aus der Stadt verwiesenen Weißgerber und Lederer im Bereich der heutigen Löwengasse angesiedelt hatten.

Sanierung

von 2012 bis 2013

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1989 und 1990 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Die Kosten beliefen sich auf 79.940 Euro, davon konnten 47.964 Euro durch Förderungen gedeckt werden. In den Jahren 2012 bis 2013 erfolgte eine Sockelsanierung mit umfassenden Wärmedämmmaßnahmen zur Reduktion von Heizkosten und des CO2-Ausstoßes. Es wurden die Fenster getauscht, das Dach saniert und ein Hobbyraum im Dachgeschoß errichtet. Außerdem wurden die hofseitigen Balkone abgebrochen und neu errichtet sowie ein Geschäftslokal trocken gelegt.

Architekten

Alexander Graf - Alexander Graf (1856 - 1931) studierte von 1873 bis 1881 an der Technischen Universität Wien. Nach dem Studium war er acht Jahre lang im Atelier Fellner & Helmer tätig, wo er sich mit der Ausführung von Theaterbauten befasste. Als selbständiger Architekt ab 1888 errichtete er vor allem Wohnhäuser. Sein bedeutendstes Bauwerk ist die heute allerdings stark veränderte Volksoper in Wien 9 (1898, zusammen mit Franz Krauß). Diese Ausführung bescherte ihm auch die Aufträge zur Errichtung der Stadttheater in Ljubljana/Slowenien und Znojmo/Tschechien. Nach dem Ersten Weltkrieg blieben die großen Aufträge aus. Für die Gemeinde Wien realisierte er in den 1920er-Jahren drei Wohnhausanlagen.

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