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Hagenmüllergasse 21-23

Fakten

Hagenmüllergasse 21-23

Hagenmüllergasse 21-23, 1030 Wien

Baujahr: 1927-1928

Wohnungen: 124

Architekt: Karl Dirnhuber

Weitere Adressen

Drorygasse 10-12, 1030 Wien

Göllnergasse 26, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Die Hagenmüllergasse verläuft über das ehemalige Gelände der "Wällischen Gärten", die bis ins 19. Jahrhundert ein wichtiger Versorgungsfaktor für die Wiener Bevölkerung waren. Die Gründe gehörten zum Besitz der aus Verona stammenden Oria della Scala. 1445 schenkte sie die Gartenanlagen dem Augustinerorden. Zum Gedenken der aus dem "Welschland" stammenden Stifterin wurden diese bis zur Verbauung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts als "Wällische Gärten" bezeichnet.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich entlang eines ungleichmäßigen Rechtecks von der Hagenmüllergasse über die Drorygasse in die Göllnergasse. Zur Hagenmüllergasse hin öffnet sich der offene, begrünte Hof der C-förmigen Anlage. Die Ecken der mehrmals abgestuften Schmalseiten in der Hagenmüllergasse sind als offene (später verglaste) Loggien ausgebildet. Sie markieren das "Portal" zum offenen Straßenhof. Die breite Gebäudefront im Hof wird im Zentrum durch zwei nebeneinander gereihte Loggienpaare aufgebrochen. An den Seitenflügeln sind die Stiegenhäuser vor die Fassade gestellt und werden von Balkonen flankiert.
Die Fassade zur Drorygasse wird nur durch zwei scharf eingeschnittene Loggienachsen gegliedert. Abgerundete Balkone leiten von den Eckloggien zur lang gezogenen Fassade der Göllnergasse über, die durch zwei vertikale Stiegenhausbänder strukturiert wird. Die an das Nachbargebäude angrenzende Fensterachse springt wie in der Hagenmüllergasse deutlich aus der Fassadenflucht hervor.

... und die Kunst

Die schlichten Formen und die Verwendung von fortschrittlichen Baumaterialien machen den Bau zu einem der modernsten der 1920er-Jahre. Die Konstruktionselemente bleiben sichtbar und finden als dezentes Dekor Anwendung. So werden etwa die Deckenplatten aus Stahlbeton über die Fassendenflucht vorgezogen und als durchgehende Gesimsbänder über das gesamte Gebäude geführt. Ausgespart davon ist nur der Bereich zwischen den Stiegenhäusern in der Göllnergasse, was eine leicht angedeutete Blockbildung zur Folge hat. Den Ausgleich zur horizontalen Gliederung bilden die massiv vortretenden Schichtbetonpfeiler an den Loggien und die sich als Fensterbänder an den Fassaden abzeichnenden Stiegenhäuser.

Der Name

Die Hagenmüllergasse ist nach Franz Joseph von Hagenmüller (1746-1824) benannt. Er war Hof- und Gerichtsanwalt sowie damaliger Besitzer der Herrschaft Erdberg.

Prominente Bewohner

Professor Robert Schmitt (1924-1990) wohnte in den 1950er-Jahren in diesem Wohnhaus; er war Maler und Mitglied der Wiener Secession.

Sanierung

von 2001 bis 2003

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2001 bis 2003 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden; außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen.

Architekten

Karl Dirnhuber - Karl Dirnhuber (geb. 1889, vermutlich 1944 in London gestorben) studierte an der Technischen Hochschule Wien u.a. bei Karl König und Max Fabiani. Von 1924 bis 1930 war er am Bau von fünf Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien beteiligt. Sein wichtigstes Projekt in dieser Zeit war die Umgestaltung des Währinger Friedhofs zu einer Parkanlage. 1939 emigrierte Dirnhuber mit seiner Frau nach London.

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