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Dietrichgasse 32-34

Fakten

Dietrichgasse 32-34

Dietrichgasse 32-34, 1030 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 70

Architekt: Bruno Richter

Weitere Adressen

Drorygasse 17, 1030 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Wohnbau wurde auf dem ehemaligen Gelände der "Wällischen Gärten" errichtet, die bis ins 19. Jahrhundert ein wichtiger Versorgungsfaktor für die Wiener Bevölkerung waren. Die Gründe gehörten zum Besitz der aus Verona stammenden Oria della Scala. 1445 schenkte sie die Gartenanlagen dem Augustinerorden. Zum Gedenken an die aus dem "Welschland" stammende Stifterin wurden diese bis zur Verbauung ab Mitte des 19. Jahrhunderts als "Wällische Gärten" bezeichnet.

Die Architektur

Der Bau liegt an der Ecke Dietrichgasse/Drorygasse. Die Fassade zur Dietrichgasse wird von der expressionistisch gestalteten Eingangsituation dominiert. Die rechteckige Hofeinfahrt ist mit roten Keramikfliesen eingefasst. Die zwei Fensterachsen darüber werden von bis in die Dachzone reichenden Klinkerbändern umrahmt. Flankiert wird dieser Bereich von scharf vorgezogenen Erkern, die - von spitzen Ziegeldächern bekrönt - den gesamten Eingangsbereich blockartig überhöhen. Die roten Keramikfliesen verlaufen als Gesimsbänder über den gesamten Bau. Besonders auffallend ist die Ecklösung gestaltet: Versetzt angeordnete spitze Erker leiten von der Dietrichgasse zur einfach gehaltenen Fassade der Drorygasse über. Die Hoffassaden der rechteckigen Anlage sind im Gegensatz zur Straßenfront sehr schlicht gehalten. Nur an einer Seite des Hofes ist der Bau durch Eckbalkone blockartig vorgezogen und mit einer überdachten Freitreppe versehen.

... und die Kunst

Die Verwendung von Klinker und die ungewöhnliche Ecklösung lassen auf einen starken Einfluss durch die expressionistische Architektur der Amsterdamer Schule um 1920 schließen. Ursprünglich war geplant, auch die Hoffassaden mit Klinkerbändern zu überziehen.

Der Name

Die Dietrichgasse wurde 1830 nach Georg Dietrich benannt. Er hatte um 1800 das erste Haus in dieser Gasse gebaut.

Sanierung

von 2005 bis 2007

In der Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2005 bis 2007 eine Sockelsanierung durchgeführt. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde die Anlage an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Gesamtsanierungskosten betrugen 2.175.400 Euro, davon konnten 1.468.395 Euro durch einen Landeszuschuss und 543.850 Euro durch ein Landesdarlehen gedeckt werden.

Architekten

Bruno Richter - Bruno Richter (1888-1953) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Als selbstständiger Architekt errichtete er vor allem Villen in Perchtoldsdorf und Grinzing. Nach seinen Plänen entstand aber auch der Dom von Skutari (Albanien). Für die Gemeinde Wien plante er nur eine Wohnhausanlage.

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