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Riesgasse 4

Fakten

Riesgasse 4

Riesgasse 4, 1030 Wien

Baujahr: 1926-1927

Wohnungen: 39

Architekt: Oskar Unger

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Der Wohnbau wurde auf dem ehemaligen Gelände des "Poststadels" errichtet. Seit 1711 waren auf dem von der Ungargasse bis zum Dannebergplatz reichenden Grundstück Pferdestallungen, Remisen für die Pferdewagen sowie Wohngebäude der Postknechte untergebracht. 1848 wurde hier eine Kaserne eingerichtet, die bis zur Demolierung 1905 den k.u.k. Fuhrwesenkorps beherbergte.

Die Architektur

Der hinter die Baulinie zurückversetzte Mittelteil der Wohnhausanlage wird von zwei leicht überhöhten Baublöcken flankiert, wodurch ein schmaler, begrünter Vorplatz entsteht. Spitze, vertikale Wandvorlagen gliedern die Seitenfassaden. Das oberste Geschoß ist durch ein massives Gesimsband abgegrenzt, welches sich über die gesamte Gebäudefront zieht. Zwei spitz vorgezogene Erkerachsen fassen den Eingangsbereich am zurückversetzten Gebäudeteil ein, spitze Fenstergiebel betonen diesen zusätzlich. Der Mittelblock ist zum begrünten Innenhof hin gegenüber dem restlichen Gebäude vorgezogen. Während die Fassaden der Seitenteile monoton gestaltet sind, verleihen Rundbogenfenster und spitz vorgezogene Balkone dem Mittelteil eine gewisse Dynamik. Der Architekt orientiert sich in seiner Formensprache an der späthistoristischen Architektur der benachbarten Gebäude. Durch die kannelierte Sockelzone fügt sich der Bau harmonisch in das Straßenbild ein. Die blockartige Gliederung des Gebäudes wird durch aufgesetzte Gliederungselemente aufgelockert, wie etwa durch Balkone und Wandvorlagen an den Seitenblöcken oder Fenstergiebel über dem Eingang. Diese sind zwar der Architektur des Historismus angelehnt, weisen jedoch in ihrer zugespitzten Form bereits die für den Gemeindebau der 1920er-Jahre typischen expressionistischen Züge auf.

Der Name

Die Riesgasse wurde 1906 nach dem Komponisten Ferdinand Ries bennannt. Ries (1784-1838) war ein Schüler von Ludwig v. Beethoven und schrieb eine Biografie über seinen Lehrer.

Prominente Bewohner

Die Wohnhausanlage war viele Jahre lang die Heimat von Bruno Pittermann (1905-1984). Pittermann war seit 1945 Abgeordneter zum Nationalrat. Als Vorsitzender der SPÖ hatte er von 1957 bis 1966 das Amt des Vizekanzlers inne.

Sanierung

von 2002 bis 2004

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2002 bis 2004 saniert. Neben der Instandsetzung der Fassade umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Außerdem wurde das Haus an die Fernwärme Wien angeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf 439.300 Euro.

Architekten

Oskar Unger - Oskar Unger (1877-1972) studierte von 1896 bis 1902 an der Akademie der bildenden Künste, wo er von Vertretern des Späthistorismus ausgebildet wurde. Zunächst arbeitete er in Architekturbüros mit, wo er vor allem mit Restaurierungsarbeiten betraut war. Als selbstständiger Architekt errichtete er in den 1920er-Jahren nur zwei Bauten - beides Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Unger am Bau von zwei weiteren Wohnhausanlagen beteiligt.

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