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Landstraßer Hauptstraße 98

Fakten

Landstraßer Hauptstraße 98

Landstraßer Hauptstraße 98, 1030 Wien

Baujahr: 1877-1877

Wohnungen: 26

Architekt: Heinrich Förster

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs mit der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmeter) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Bis 1958 stand anstelle des heutigen Wohnhauses Landstraßer Hauptstraße 96 das 1785 für den Fürsten Esterházy errichtete Gartenpalais Arenberg. Zum Anwesen gehörte auch das Grundstück Nr. 98 und eine prachtvolle Gartenanlage, von der ein kleiner Rest im Form des Arenbergparks überdauert hat. 1842 kaufte Fürstin Sophie von Arenberg die Anlage. Aus dieser Zeit stammen die noch heute gebräuchlichen Bezeichnungen. Sie ließ 1877 neben dem Palais das Wohnhaus Nr. 98 errichten. 1900 erwarb die Gemeinde Wien das gesamte Areal.

Die Architektur

Die L-förmige Wohnhausanlage besteht aus einer Geschäftszone im Erdgeschoß und vier Wohngeschoßen. Das Erdgeschoß war ursprünglich in Rundbögen aufgelöst, die durch die individuelle Gestaltung der Geschäfte heute völlig verschwunden sind. Nur das von Säulen flankierte Rundtor besteht noch. Darüber erhebt sich die mittels des Formenvokabulars der Neorenaissance gegliederte Fassade. Die Fenster des ersten Obergeschoßes sind mit strengen Dreiecksgiebeln versehen. Den mittleren drei Fenstern ist eine Balustrade vorgelagert, die zugleich den Eingangsbereich markiert. Sind die Fenster im zweiten Stockwerk noch mit einem schlichten Gebälk überdacht, wird die dritte Fensterreihe nur noch von einer schwachen Profilierung gerahmt. Sie ist von der restlichen Fassade durch ein kräftiges Gesimsband abgetrennt und war ursprünglich das oberste Stockwerk. Das vierte Wohngeschoß wurde nachträglich 1922 über dem noch vorhandenen Dachgesims aufgesetzt. Hier ist die Wandfläche auch nicht mit dem für die Neorenaissance typischen Quaderwerk versehen, sondern mit horizontalen Kanneluren durchzogen. Die äußersten Fensterachsen sind durch rustikalisierte Quaderbänder abgetrennt und leicht vorgezogen. Diese Hervorhebung gleicht einer Rahmung des inneren, gleichförmig gestalteten Fassadenfeldes und wirkt der ansonsten rein horizontalen Gliederung entgegen.

Der Name

Die ehemalige Vorstadt "Landstraße" entwickelte sich aus einer Ansiedlung um das einst im Bereich des heutigen Rochusmarktes gelegene Kloster St. Nikolai. Um 1200 wurde diese Dorfgemeinschaft vor den Mauern Wiens als "Niklasvorstadt" bezeichnet. Die Straße entlang sich die Ansiedlung ausdehnte, wurde bereits im 2. Jahrhundert von den Römern genutzt. Etwa um 1300 findet sich erstmals die Erwähnung "An der Landstraße". Sie führte vom Stubentor direkt nach Ungarn und gab der Vorstadt später ihren Namen. 1850 erfolgte im Zuge der Stadterweiterung die Zusammenlegung der Vorstädte Landstraße, Erdberg und Weißgeber zum 3. Wiener Gemeindebezirk.

Sanierung

von 1993 bis 1995

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 1995 bis 1997 saniert. Die Arbeiten umfassten die Erneuerung von Dach, Fassade, Fenstern und Türen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 1.133.406 Euro, davon konnten 485.184 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Heinrich Förster - Heinrich Förster (1832-1889) ist der Sohn des Architekten Ludwig Christian Förster, einem wichtigen Vertreter des Wiener Historismus, der zusammen mit Theophil Hansen mehrere Bauten der Ringstraße errichtete. Wie sein Vater war auch Heinrich ein Vertreter der Neu-Wiener Renaissance. Zusammen mit seinem Schwager Hansen errichtete er 1873 unter anderem das als Hotel geplante Palais am Schottenring 20-26.

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