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Im Werd 15

Fakten

Im Werd 15

Im Werd 15, 1020 Wien

Baujahr: 1991-1992

Wohnungen: 13

Architekt: Zachari Vesselinov, atelier 4 architects

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben geförderten Sanierungen hauptsächlich darauf, die Stadt im Nordosten und Süden zu erweitern (21.000 Wohnungen in vier Jahren). In enger Zusammenarbeit mit der Stadtplanung wurden großflächig Siedlungsgebiete erschlossen, so zum Beispiel der Leberberg in Simmering. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den modernen Bevölkerungsstrukturen an, indem sie flexible Wohnungen auch für Alleinerziehende, ältere Menschen und Alleinstehende bieten. Zudem sparen sie durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

In der Gegend des Hauses befand sich seit dem 17. Jahrhundert ein jüdisches Getto. Die Ansiedlung war eher ärmlich, geistig und wirtschaftlich aber sehr bedeutend. Wachsender Glaubensfanatismus und Antisemitismus führten jedoch immer wieder zu Vertreibungen und Bekehrungsversuchen. Den intellektuellen und sozialen Entwicklungen des Gebietes bereiteten die Wirtschaftskrise der 1920er-Jahre und die Ereignisse 1938 ein Ende. Das gegenständliche Grundstück wurde 1969 von der Stadt Wien erworben. Der 1844 errichtete Vorgängerbau wurde während des Zweiten Weltkrieges durch eine Bombe beschädigt.

Die Architektur

Der dreistöckige Bau schließt eine Lücke zwischen zwei im 19. Jahrhundert errichteten Häusern. Seine Proportion und Gliederung fügen sich harmonisch in das Erscheinungsbild der Umgebung ein. Symmetrischer Aufbau bestimmt die Straßenfassade. Die beiden zweiachsigen Seitenrisalite, die von einem Dacherker mit Rundbogenabschluss bekrönt werden, weisen eine erhöhte Sockelzone auf. Das genutete Erdgeschoß der Seitenteile wird jeweils von drei schmalen, rechteckigen Fenstern durchbrochen. Den dreiachsigen Mittelteil akzentuiert ein etwas eingezogener, durch zwei Pfeiler gegliederter und von Bullaugen flankierter Eingangsbereich. Drei große hochrechteckige Fenster betonen die Zentralachse der Front. Darüber erhebt sich ein Dacherker, der durch ein Gesims abgeschlossen wird. Der dreiachsige Mittelteil der Hoffassade wird durch eine schmale Wandfläche charakterisiert, gegenüber der die Mauer beidseitig stumpfwinkelig abfällt. Der flache Mauerabschnitt wird im Erdgeschoß von einer hohen Fenstertüre mit Rundbogenabschluss durchbrochen. Darüber befinden sich drei Bullaugen in einer Achse. Ein bekrönender Dacherker setzt einen vertikalen Akzent. Die abgeschrägten Teile weisen im Erdgeschoß jeweils ein französisches Fenster auf. Darüber bilden jeweils drei schmale rechteckige Fenster gegeneinander versetzte Achsen aus. Die dreiachsigen Seitenteile charakterisiert eine genutete Sockelzone, die über den ersten Stock reicht. Über den beiden symmetrisch angelegten Eingangsbereichen befinden sich Balkone in einer Achse. Darüber erhebt sich jeweils ein Dachaufbau mit Rundbogenabschluss.

Der Name

"Im Werd" erinnert an die einstige Bezeichnung für den zweiten und den zwanzigsten Bezirk, "Unterer Werd". Bis etwa 1630 wurde das Gebiet "In der Au", bis etwa 1760 "Im Getto am Platz" und bis 1862 "Auf der Heide" genannt.

Architekten

Zachari Vesselinov - Zachari Vesselinov (geb. 1934 in Sofia, Bulgarien) studierte von 1963 bis 1970 Architektur an der Technischen Universität Wien. 1979 machte er sich mit dem Atelier 4 selbstständig, dem er bis 2001 angehörte. In dieser Bürogemeinschaft war er an zahlreichen Großprojekten wie etwa dem Business Park Vienna am Wienerberg in Wien 10 (1992-1996) und an der Errichtung mehrerer Polizeidirektionen in Wien und dem Burgenland beteiligt. Das Gemeindewohnhaus Arltgasse 38-40 in Wien 16 (1991/92) ist eine seiner eigenständigen Arbeiten. Zachari Vesselinov arbeitete noch bis 2003 als Architekt in Laab im Walde, bevor er in Pension ging.

atelier 4 architects - Das Architektenbüro "atelier 4 architects" wurde 1978 gegründet und besteht derzeit aus drei Partner-Architekten: Peter Scheufler (geb. 1949, Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien), Manfred Hirschler (geb. 1949, Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien) und Klaus Peter Erblich (geb. 1944, Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien). Der Schaffensschwerpunkt des "atelier 4 architects" liegt im Wohn- und Bürobau sowie im Schulbau. Nach den Entwürfen des Architektenteams wurden unter anderem das Büro- und Wohnhaus Thürnlhof-West (Thürnlhofstraße 4, 1110 Wien) und die Schule für Gartenbau und Floristik (Donizettiweg 31, 1220 Wien) errichtet. Seinen wohl bedeutendsten Auftrag erhielt das Architektenbüro 1990 mit dem Gewinn des städtebaulichen Wettbewerbs zum Business Park Vienna (Wienerbergstraße, 1100 Wien, Realisierung: 1992-1996).

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