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Engerthstraße 189-191

Fakten

Engerthstraße 189-191

Engerthstraße 189-191, 1020 Wien

Baujahr: 1976-1978

Wohnungen: 130

Architekt: Engelbert Eder, Anton Holtermann, Hugo Potyka

Weitere Adressen

Wehlistraße 176-178, 1020 Wien

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Durch die latente Hochwassergefahr war eine Besiedelung der Gegend, in der sich die Wohnhausanlage befindet, über Jahrhunderte hinweg unmöglich. Erst mit der Donauregulierung 1870-1875 gewann man etwas Kontrolle über den Strom. Damit war die Möglichkeit zur Industrialisierung eröffnet - ein für die wirtschaftliche Entfaltung der Donaumonarchie höchst bedeutsamer Faktor. Bedingt durch die kurze Entstehungszeit, besitzt das Wohnviertel eine relativ einheitliche und unverwechselbare Charakteristik. Nächst dem Gemeindebau befanden sich etwa die Siemens-Schuckert-Werke. Diese Fabrik war um 1900 die modernste der Elektroindustrie. Das Grundstück, auf dem der Neubau steht, befand sich ehemals im Besitz der Wiener Stadtwerke und ging 1973 an die Stadt Wien. Das E-Werk, das sich an der Stelle befand, an der heute der Gemeindebau steht, wurde im zweiten Weltkrieg mehrmals von Bomben getroffen.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage, die von der Engerthstraße und vom Handelskai begrenzt wird, ist in einer technisch fortgeschrittenen Fertigteilbauweise errichtet. Auf den kreativen Umgang mit der dadurch gegebenen Flexibilität der Bauelemente ist die Ausbildung eines geschlossenen, lärmgeschützten und überschaubar strukturierten Hofes zurückzuführen. Durch eine hohe Randbebauung des Handelskais mit vorgelagertem Parkdeck wurde eine Abschirmung des Baublockinneren erzielt. Die innen liegende Grünfläche wird durch abgetreppte, in rechtem Winkel zur Randbebauung situierte Bauteile gegliedert, was übersichtliche Raumabschnitte schafft. Großteils sind den Wohnungen Loggien mit Stahlbetonverkleidung zugeordnet. Im weißen bzw. hellgrauen Grundton der Fassaden setzen gelbe Fensterrahmen lebendige Akzente. Infrastrukturelle Bedürfnisse der Bewohner werden durch zahlreiche Lokale, die entlang der Engerthstraße im Erdgeschoß eingeplant sind, abgedeckt. Das 1975 errichtete Schulgebäude, dass sich im Hof des Gemeindebaus befindet, sorgt für soziale Belebung.

... und die Kunst

Im Hof befindet sich eine in den 1960er-Jahren geschaffene Plastik von Karl Anton Wolf. Das Kunstwerk trägt den Titel "Tabernakel 71". Wie für die Zeit der Entstehung typisch, wendet sich der Künstler von gegenständlicher Darstellung ab. Das Objekt ist mehransichtig angelegt und zeigt in vielfältige Facetten aufgesplitterte Raumstrukturen.

Bemerkenswert ist zudem eine Plastik mit dem Titel "Venus", die von Gottfried Höllwarth geschaffen wurde.

Der Name

Die Straße, in der die Wohnhausanlage steht, ist nach Hofrat Wilhelm Ritter von Engerth (1814-1884) benannt. Der Namensgeber war Generalinspektor der Staatseisenbahngesellschaft, Mitarbeiter der Donauregulierungskommission und Konstrukteur des Sperrschiffes am Beginn des Donaukanals in Nußdorf.

Architekten

Engelbert Eder - Engelbert Eder (geb. 1936) studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Für die Gemeinde Wien war er unter anderem an der Sanierung des George-Washington-Hofes in Wien 10 beteiligt und entwarf gemeinsam mit Anton Holtermann und Hugo Potyka die Wohnhausanlagen Engerthstraße 189-191 in Wien 2 (1976-1978) und Handelskai 214 in Wien 2 (1975/76).

Anton Holtermann - Anton Holtermann (1923-1995) studierte von 1951 bis 1956 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Oswald Haerdtl. Für die Gemeinde Wien entwarf er unter anderem zusammen mit Walter Schneider und Klaus Aggermann den Bruno-Kreisky-Hof in Wien 17 (Hernalser Hauptstraße 230, 1985-1987) und die Wohnhausanlage Alszeile 57-63 in Wien 17 (1983-1986). Die 1974 errichtete Anlage Engerthstraße 189-191 in Wien 2 ("E-Werksgründe") entstand in einer Zusammenarbeit mit Hugo Potyka und Engelbert Eder.

Hugo Potyka - Hugo Potyka (geb. 1927) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien und an der Akademie der bildenden Künste, wo er die Meisterklasse von Lois Welzenbacher besuchte. 1962 erwarb er die Befugnis eines Architekten und war in der Folge in mehreren Arbeitsgemeinschaften tätig. Besondere Verdienste erlangte er für seine Planungstätigkeiten für den Donauraum, den Gürtel und den Marchfeldkanal. Er beteiligte sich auch maßgeblich am Umbau des Alten AKH zum Universitätscampus (Wien 9). Bis zu seiner Pensionierung war Potyka Honorarprofessor für Städtebau und Siedlungswesen an der Universität für Bodenkultur.

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