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Mexikoplatz 2-3

Fakten

Mexikoplatz 2-3

Mexikoplatz 2-3, 1020 Wien

Baujahr: 1966-1968

Wohnungen: 112

Architekt: Karl Hartl, Erich Boltenstern

Weitere Adressen

Handelskai 168-170, 1020 Wien

Wehlistraße 145-147, 1020 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Teile des Areals um den Mexikoplatz waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch Augebiet. Die heutige Uferkante des Donaustroms entstand erst durch die 1875 abgeschlossene Donauregulierung. In der Folge wurde auf dem neu gewonnen Bauland entlang des Donauufers durch die Anlage der Vorgartenstraße, Engerthstraße und Wehlistraße eine Rasterverbauung konzipiert, die bis 1910 vor allem aus Zweckbauten wie Fabriken, Lagerhäusern und Schiffsstationen, gemischt mit einfachen Wohnbauten, bestand. Der heutige Mexikoplatz wurde 1884 angelegt, als Bindeglied zwischen der ersten - 1876 eröffneten - Reichsbrücke und der zum Praterstern führenden Lassallestraße. Die großflächigen Baulücken um den Platz wurden nach 1945 mit Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien geschlossen.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich als Blockrandverbauung vom Handelskai über den Mexikoplatz bis in die Wehlistraße. Das Erdgeschoß des auf den Mexikoplatz ausgerichteten Hauptblocks ist zum Teil als Geschäftszone ausgebildet. Gegliedert wird die acht Geschoße umfassende Front durch drei Achsen breiter Loggien, deren Brüstungen deutlich über die Fassadenflucht vorreichen. Die Fenster sind dezent gerahmt in die von der niedrigen Sockelzone bis zum Dachgesims glatt hochgezogene Putzfassade eingesetzt. An den beiden Schmalfronten setzen kleine Lüftungsfenster markante Akzente. Die um zwei Geschoße niedrigeren Seitenblöcke der u-förmigen Anlage sind gegenüber den Schmalfronten des Hauptgebäudes deutlich vorgezogen, wodurch an den Ecken kleine Vorplätze entstehen. Ihre Fronten werden durch Eckloggien und eine zentral liegende Loggienachse aufgebrochen. Achsen kleiner und großer Fenster verleihen den Fassaden eine rhythmische Struktur. Die Hoffronten werden durch die sieben farblich abgesetzten Stiegenhausachsen gegliedert, die von kleinen Dachausbauten für die Aufzüge turmartig überhöht werden. Im Hof strukturieren zudem flache Risalite die Seitenblöcke. An diese sind - etwas versetzt - zwei schmale Bauteile angebunden, die den Innenhof abschließen.

... und die Kunst

An der Ecke Wehlistraße/Mexikoplatz befindet sich die von Ernst Wenzelis geschaffene Natursteinplastik "Gärtnerin" (1966-1968).

Der Name

Der Platz, an dem die Wohnhausanlage steht, wurde 1956 nach dem Staat Mexiko benannt, da dieser als einziger 1938 formell gegen die Besetzung Österreichs durch Deutschland protestierte. Bis 1884 wurde der Platz nach der in der Nähe befindlichen Schwimmschule "Schwimmschulmais" bezeichnet, 1884-1919 nach dem Sieger von Aspern Erzherzog-Karl-Platz, 1919-1934 Volkswehrplatz und danach wieder Erzherzog-Karl-Platz.

Sanierung

von 2002 bis 2004

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2002 bis 2004 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen.

Architekten

Karl Hartl - Karl Hartl (geb. 1915) studierte von 1936 bis 1940 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien plante er etwa das Wohnhaus Mitisgasse 36-38 in Wien 14 (1960/61) und war an der Errichtung der Anlagen Krottenbachstraße 42-46 in Wien 19 (1956-1958) und Hadikgasse 268-272 in Wien 14 (1953/54) beteiligt. Zudem unterrichtete Karl Hartl an der Bundesgewerbeschule Mödling (NÖ).

Erich Boltenstern - Erich Boltenstern (1896-1991) schloss 1922 sein Studium an der Technischen Hochschule ab und arbeitete im Anschluss unter anderem im Atelier von Hans Poelzig in Berlin, im Büro Theiß & Jaksch in Wien und bei der Eisenbahnverwaltung in Barcelona. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg war er auch lehrend an der Wiener Kunstgewerbeschule und an der Akademie der bildenden Künste tätig. Sein erster großer Auftrag aus dieser Zeit war das heute stark veränderte Restaurant am Wiener Kahlenberg (1934-1937). Nach seiner Rückkehr aus dem Exil leitete er ab 1945 stellvertretend die Meisterklasse an der Akademie der bildenden Künste und wurde bald auch an die TH Wien berufen, wo er bis 1968 Professor für Wohnbau war. Boltenstern war einer der wichtigsten Architekten des Wiederaufbaus. Er leitete unter anderem den Wiederaufbau der Wiener Staatsoper (Wien 1, 1948-1955) und der Böhmischen Hofkanzlei am Judenplatz (Wien 1, 1946/47). Er entwarf das neue "Hotel Europa" am Neuen Markt (Wien 1, 1947-1958) und das erste moderne Hochhaus Wiens, den Ringturm am Schottenring (Wien 1, 1953-1955).

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