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Große Pfarrgasse 16-20

Fakten

Große Pfarrgasse 16-20

Große Pfarrgasse 16-20, 1020 Wien

Baujahr: 1958-1961

Wohnungen: 16

Architekt: Walther Raschka

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Um 1624 war die Umgebung des heutigen Gemeindebaus ein jüdisches Ghetto. Die Ansiedlung war eher ärmlich, aber dennoch geistig und wirtschaftlich sehr bedeutend. Wachsender Antisemitismus und Glaubensfanatismus führten allerdings immer wieder zu Vertreibungen und Bekehrungsversuchen. 1670 wurde das Ghetto von Kaiser Leopold I. aufgelöst und die dort befindliche "Neue Synagoge" zur Leopoldskirche umgebaut. Das Grundstück, auf dem der heutige Neubau steht, wurde 1927 von der Stadt Wien erworben.

Die Architektur

Das fünf Stockwerke umfassende Wohnhaus schließt eine Lücke zwischen zwei älteren Gebäuden. Die Gliederung der Front basiert auf einem achsenzentrierten Blickpunkt, von dem aus der Bau als Einheit erfasst werden kann. Im Mittelteil geht die Fassade gesimslos in einen Dacherker über. Die Fensterachse über dem zentral gelegenen Eingangsbereich ist gegenüber den symmetrisch angelegten Fenstern der Seitenteile versetzt angeordnet. Ein Mosaik fasst den Eingangsbereich mit dem darüber befindlichen Fenster zusammen. Durch seine Platzierung wird die Axialsymmetrie betont. An den Seitenteilen hebt sich das Erdgeschoß von den Stockwerken farblich ab. Quadratische Geschäftsfenster in einer der Flanken durchbrechen die Sockelzone. Um die Symmetrie aufrechtzuerhalten, wurden deren Proportionen in den ein wenig zurückversetzten Flächen aufgegriffen, welche die Fenster im Erdgeschoß des anderen Seitenteils umrahmen. Französische Fenster setzen in den äußersten Achsen der Fassade einen weiteren Akzent. Die hofseitigen Fassaden sind ebenfalls symmetrisch gegliedert.

... und die Kunst

Im Bereich des straßenseitigen Eingangs befindet sich ein von Theobald Schmögner gestaltetes Mosaik. Das zwischen 1958 und 1959 entstandene Kunstwerk trägt den Titel "Ornamentale Flächeneinteilung". Die glänzende, "kostbare" Oberfläche des Mosaiks ist ein den Wunschvorstellungen der Wiederaufbauzeit entgegenkommendes Medium, das in der "Kunst am Bau" der 1950er-Jahre besonders verbreitet war. Das ornamentale Wandbild, Bestandteil der architektonischen Gliederung, betont den Effekt der Schauseite des Gebäudes.

Der Name

Die Pfarrgasse ist nach der ältesten Pfarrkirche der Leopoldstadt benannt.

Architekten

Walther Raschka - Walther Raschka (1891-1971) studierte an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er plante unter anderem die Wohnhausanlagen in der Dornbacher Straße 84a (Wien 17), in der Max-Emanuel-Straße 13 (Wien 18; zusammen mit Ernst Egli) sowie in der Rupertgasse 5-7 (Wien 14).

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