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Kleine Mohrengasse 9

Fakten

Kleine Mohrengasse 9

Kleine Mohrengasse 9, 1020 Wien

Baujahr: 1958-1959

Wohnungen: 21

Architekt: Martha Bolldorf-Reitstätter

Weitere Adressen

Rotensterngasse 24, 1020 Wien

Wohnen in Wien

In den 1950er-Jahren ging es vor allem darum, Zerstörtes wieder aufzubauen und viele neue Wohnungen zu errichten. In den kommunalen Wohnbauten dieser Zeit finden sich die ersten Ansätze der sich später durchsetzenden Zeilenbauweise, die bis heute die großen Vorstadtsiedlungen prägt. Die Wohnbauten wurden größer, höher und waren verstärkt in Blockform gestaltet. Das Flachdach setzte sich durch. Alle neu gebauten Wohnungen waren mit Badezimmern und WC ausgestattet und die Mindestgröße wurde von 42 auf 55 Quadratmeter angehoben.

Geschichte

Die erste Besiedelung auf dem Areal zwischen Hollandstraße, Taborstraße und Praterstraße erfolgte ab etwa 1300. 1439 wurde dieser Bereich durch eine Brücke mit Stadt verbunden. Das ursprünglich als "Unterer Werd" bezeichnete Gebiet bestand zum größten Teil aus Auwald, der von zahlreichen Donauarmen durchzogen war, deren Lauf sich durch Hochwasser ständig änderte. Das Wachstum der Siedlung stagnierte bis Mitte des 16. Jahrhunderts, als sich Bürger, die aufgrund der Erweiterung der Stadtbefestigung ihr Heim verloren, im Bereich der Rotensterngasse und der Großen Sperlgasse niederließen. Erst durch die 1875 abgeschlossene Donauregulierung konnte das gesamte Gebiet zwischen Donaukanal und Donaustrom als Bauland erschlossen werden.

Die Architektur

Die sechs Geschoße umfassende Wohnhausanlage liegt an der Ecke Kleine Mohrengasse/Rotensterngasse. Das Erdgeschoß ist leicht hinter die Fassadenflucht zurückversetzt und durch große Schaufenster als Geschäftszone ausgebildet. Die glatte Front der fünf Obergeschoße sitzt direkt am Erdgeschoß auf und ist ohne horizontale Einschnitte bis zum Dachansatz hochgezogen. Ein bis ins Dachgesims reichender Erker bildet das zentrale Gestaltungselement an der Rotensterngasse. Die rechts davon liegende Hausfront wird durch drei Achsen verschieden großer Fenster strukturiert. Links davon befindet sich hingegen nur eine Fensterachse, wodurch eine großflächige, geschlossene Wand ausgebildet wird, die mit einem Mosaikfeld besetzt ist.

Die Front zur Kleinen Mohrengasse ist im Gegensatz dazu symmetrisch gegliedert. Französische Fenster fassen die drei zentralen Fensterachsen ein. Die Mittelachse wird von breiten, etwas abgesetzt angeordneten Fenstern markiert. Ein schlichtes Gesimsband schließt den Fassadenaufbau nach oben hin kompakt ab.

... und die Kunst

An der Front zur Rotensternstraße befindet sich ein von Helene Hädelmayr gestaltetes Relief aus Terrakottaplatten, kombiniert mit Mosaik, aus den Jahren 1958 bis 1960. Dargestellt sind Fische und Pflanzenmotive.

Der Name

Zunächst als Kleine Fuhrmanngasse bezeichnet, wurde der Straßenzug 1876 nach dem hier angebrachten Hausschild "Zum Mohren" in Kleine Mohrengasse umbenannt.

Sanierung

von 2007 bis 2008

Die Wohnhausanlage wurde in den Jahren 2007 und 2008 saniert. Neben der Neudeckung des Daches umfassten die Arbeiten auch die Erneuerung der Fenster und Türen, und die Fassade wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen. Dadurch konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 212.700 Euro, davon konnten 35.670 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Martha Bolldorf-Reitstätter - Martha Bolldorf-Reitstätter (1912-2001) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Clemens Holzmeister, in dessen Büro sie auch bis 1938 arbeitete. Die mit dem Architekten Leo Bolldorf verheiratete Trägerin mehrerer Auszeichnungen errichtete zahlreiche Wohnanlagen und öffentliche Bauten, beschäftigte sich v. a. in der NS-Zeit mit Stadtplanung, wirkte später auch als Restauratorin und veranstaltete Ausstellungen.

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