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Wilhelmine-Moik-Hof

Fakten

Wilhelmine-Moik-Hof

Wattgasse 9-11, 1160 Wien

Baujahr: 1965-1967

Wohnungen: 51

Architekt: Erwin H(einz) Dusl, Frank Schläger, Gerhard Kolbe

Weitere Adressen

Ottakringer Straße 123-125, 1160 Wien

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Ab dem 18. Jahrhundert waren in Ottakring vor allem Handwerker, kleinbürgerliche Gewerbetreibende sowie Gartenbaubetriebe angesiedelt. So sind auch auf dem Grundstück des heutigen Wilhelmine-Moik-Hofs im Generalstadtplan von 1912 eine Reihe von Klein- und Nutzgärten eingezeichnet. Im Gegensatz zu der für Ottakring typischen dichten Blockrandbebauung ist der Straßenblock zwischen Wattgasse, Ottakringer Straße, Friedrich-Kaiser-Gasse und Wurlitzergasse noch heute mit vielen Grünflächen durchsetzt.

Die Architektur

Die L-förmige Wohnhausanlage des Wilhelmine-Moik-Hofs besteht aus einem 22 Fensterachsen langen, sechsgeschoßigen Bauteil in der Wattgasse und einem mit sieben Fensterachsen wesentlich kürzeren und nur fünfgeschoßigen Bauteil in der Ottakringer Straße. Die beiden Baukörper schließen mit Giebeldächern ab, wobei der kürzere Bauteil etwas zurückversetzt liegt und mit einem eine Fensterachse breiten Verbindungsstück mit Flachdach an den langgestreckten Bauteil anschließt. Hier befindet sich auch der Durchgang in den Hof und zu den vier Stiegen. Die Erdgeschoßzone ist durchgängig mit Verkaufsläden und Vitrinen gestaltet. Die glatten Putzfassaden sind durch abwechselnd zwei- bzw. dreiflügelige Fenster sowie zurückversetzte Balkonreihen rhythmisiert und wurden nach einer Sanierung mit farbigen Flächen aufgelockert. Dachgesimse verlaufen nur entlang der seitlichen Traufen, während sich die Giebelfassaden ohne Unterbrechung bis zur Firstkante fortsetzen. Das entlang der Wattgasse abfallende Gelände wird von einem Höhensprung in der Fassade aufgenommen. An der Hofseite wiederholt sich das flächige Farbkonzept an den glatten Lochfassaden.

Der Name

Die zwischen 1965 und 1967 errichtete Wohnhausanlage ist nach der Vorsitzenden des gewerkschaftlichen Frauenreferats, Wilhelmine Moik (geb. 26.09.1894 in Wien, gest. 12.01.1970 in Wien) benannt. Als gelernte Näherin hat sich Wilhelmine Moik gewerkschaftlich und politisch für die Rechte von Frauen engagiert und wurde aufgrund ihrer politischen Überzeugung zwischen 1934 und 1944 verfolgt und mehrfach inhaftiert. Von 1932 bis 1934 war sie Mitglied des Wiener Gemeinderats und Landtags, von 1945 bis 1962 Abgeordnete zum Nationalrat, Frauensekretärin des ÖGB und Obmann-Stellvertreterin der SPÖ Ottakring. Eine Gedenktafel am Gemeindebau erinnert an ihr Wirken.

Sanierung

von 2004 bis 2005

Der Wilhelmine-Moik-Hof wurde in den Jahren 2004 und 2005 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen sowie durch das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Die Kosten beliefen sich auf 568.600 Euro, davon konnten 189.533 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Erwin H(einz) Dusl - Erwin H. Dusl (1922-1999) wurde in Graz geboren, wo er zunächst ab 1937 die Baufachschule besuchte. 1941 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach seiner Rückkehr aus Russland studierte Erwin Dusl von 1946 bis 1951 an der Technischen Hochschule Graz. Im Anschluss arbeitete er im Büro von Michel Engelhart unter anderem am Wiederaufbau des Wiener Burgtheaters mit, bevor er im Auftrag der Gemeinde Wien für vier Jahre nach Stockholm ging, um dort den schwedischen sozialen Wohnbau zu studieren. Ab 1957 wieder in Wien arbeitete Erwin Dusl zunächst im Büro von Karl Schwanzer (u. a. Erweiterung der Kapuziner-Gruft in Wien 1 und Pötzleinsdorfer Kirche in Wien 18). In den 1960er-Jahren machte er sich schließlich als Architekt selbständig. Nach seinen Plänen wurden unter anderem das Pensionistenheim Augarten in Wien 2, Rauscherstraße 16, und das kommunale Wohnhaus Brunnengasse 7 in Wien 16 (1984/85) errichtet.

Frank Schläger - Frank Schläger (1894-1978) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach der Ziviltechnikerprüfung arbeitete er drei Jahre als Hausarchitekt des Hotels Bristol in Wien. Zeit seines Lebens unternahm er Reisen nach Jugoslawien, Rumänien, London, Paris und in die USA, um Hotelstudien vorzunehmen. Zu seinen renommiertesten Projekten zählen das Verkehrsbüro der deutschen Lufthansa sowie Wohnhausanlagen für die Gemeinde Wien, u.a. in der Breitenfurter Straße 477-485 im 23. Bezirk, die er gemeinsam mit Richard Putsch konzipierte.

Gerhard Kolbe - Gerhard Kolbe (1922-1992) studierte bis 1949 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Als selbständiger Architekt war er vor allem in den Bereichen Wohnbau und Gewerbebau tätig. So plante Gerhard Kolbe zuletzt etwa das Fabriksgebäude der Firma Geberit in Pottenbrunn bei St. Pölten (Fertigstellung 1991). Zusammen mit Frank Schläger und Erwin H. Dusl entwarf er für die Gemeinde Wien das Wohnhaus Ottakringer Straße 147 in Wien 16 (1965-1967) und den Wilhelmine-Moik-Hof in Wien 16, Wattgasse 9-11 (1965-1967). Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete Gerhard Kolbe zudem 20 Jahre lang an der HTL Krems.

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