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Obere Augartenstraße 44

Fakten

Obere Augartenstraße 44

Obere Augartenstraße 44, 1020 Wien

Baujahr: 1937-1938

Wohnungen: 81

Architekt: Konstantin Peller

Weitere Adressen

Miesbachgasse 17, 1020 Wien

Wohnen in Wien

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurde der kommunale Wohnungsbau durch die zunehmend schlechte Wirtschaftslage massiv eingeschränkt. Um für die arbeitslose Bevölkerung trotzdem Wohnraum und Beschäftigung schaffen zu können, ging die Stadt dazu über, am Stadtrand liegendes Bauland zu erschließen und so genannte "Erwerbslosensiedlungen" zur Verfügung zu stellen. Die Siedlungshäuser wurden von den späteren Bewohnern nach einem vorgegebenen Bebauungsplan selbst errichtet. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Einführung einer autoritären ständestaatlichen Verfassung verlor Wien 1934 den Status eines eigenen Bundeslandes. Der Wohnbau kam so gut wie zum Erliegen, und die Arbeitslosigkeit stieg weiter. Der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung versuchte die Stadt entgegenzuwirken, indem sie Bauland zur Gründung autarker Wohneinheiten bereitstellte und so die Bewohner aus dem Elend der traditionellen Arbeiterbezirke an den grünen Stadtrand absiedelte.

Geschichte

Der Bereich des heutigen Augartens war bis ins 15. Jahrhundert unbewohnt. 1614 ließ hier Kaiser Matthias im damaligen kaiserlichen Jagdgebiet ein kleines Jagdschloss erbauten. In der Folge setzte die bauliche und gärtnerische Gestaltung des Gebietes ein. Kaiser Joseph II. machte den Garten 1775 der Öffentlichkeit zugänglich. Im Zuge der Donauregulierung in der 1870er-Jahren wurde der Gefahr von Überschwemmungen, durch die die Zone stark betroffen war, Einhalt geboten.

Die Architektur

Das Eckhaus an der Kreuzung der Miesbachstraße mit der Oberen Augartenstraße ist durch eine erhöhte Erdgeschoßzone gekennzeichnet, die durch einen Sockel aus Ziegelmauerwerk definiert und durch ein Gesims von den darüber befindlichen Stockwerken abgesetzt ist. Die Gliederung der Straßenfassaden ist durch das Alternieren von quadratischen mit jeweils drei hochrecheckigen Fenstern bestimmt. Letztere werden im Bereich der Stockwerke durch Gesimse bandartig zusammengefasst, während die Fenster der Erdgeschoßzone von einer Steinrahmung umgeben sind. Asymmetrische Gliederung kennzeichnet den Bau. In der Oberen Augartenstraße springt die Fassade in der Achse des aus der Mitte gerückten Eingangs zurück. Halbkreisförmige Loggien betonen den einspringenden Winkel der gegeneinander versetzten Bauteile. Die Ecke des Hauses ist durch einen turmartigen Ausbau akzentuiert, der in der Miesbachstraße in einen flachen, über alle Stockwerke reichenden Erker übergeht. Gesimse, die um die Kante des Hauses herumgeführt sind, fassen die in den beiden äußersten Achsen befindlichen Fenster paarweise zusammen. Mehrere Erker gliedern die Fronten des begrünten Hofes.

Der Name

Die jetzige Benennung der Oberen Augartenstraße geht auf das Jahr 1862 zurück. Sie wurde ursprünglich Kremserstraße genannt, im 17. Jahrhundert Straße nach Böhmen, später Dammstraße und Augartenstraße.

Sanierung

von 2015 bis 2018

Bei der Sanierung der Wohnhausanlagen wird unter anderem eine Wärmedämmfassade installiert, die Heizkosten für Mieterinnen und Mieter senken wird - und die Belastung für die Umwelt verringert. Daneben wird das Dach erneuert, Fenster und Türen getauscht bzw. instandgesetzt und die Haustechnik ergänzt.

Architekten

Konstantin Peller - Konstantin Peller (1887-1969) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterschule von Otto Wagner. Er arbeitete zunächst als freischaffender Architekt sowie für kurze Zeit mit Josef Ludwig, bevor er vor Beginn des Ersten Weltkriegs in das Wiener Stadtbauamt eintrat. Während seiner Tätigkeit in dieser Funktion entwarf er, oft in Zusammenarbeit mit Julius Stoik und Adolf Stöckl, mehrere städtische Wohnhausanlagen und war u. a. auch bei der Regulierung des Wienflusses tätig. 1945 wurde Peller zum Vorsitzenden der Stadtplanung und des Wiederaufbaus ernannt. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Wiener Stadtbauamt hat Konstantin Peller mit der Gestaltung einer Reihe von Wohnbauten die Architektur des Roten Wien entscheidend mitgeprägt.

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