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Handelskai 210

Fakten

Handelskai 210

Handelskai 210, 1020 Wien

Baujahr: 1928-1929

Wohnungen: 50

Architekt: Hans Glaser

Weitere Adressen

Wachaustraße 37, 1020 Wien

Wohnen in Wien

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Sozialdemokratie bestimmende Kraft im Wiener Rathaus. 1922 wurde Wien ein selbstständiges Bundesland. Damit war auch der Grundstein für das "Rote Wien" gelegt. Neben Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen wurde 1923 ein umfangreiches Bauprogramm gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen. Wesentlicher Teil der Anlagen waren Gemeinschaftseinrichtungen wie Bäder, Kindergärten, Waschküchen, Mütterberatungsstellen, Ambulatorien, Tuberkulosestellen, Turnhallen, Bibliotheken etc. Die Stadt Wien errichtete in der Zwischenkriegszeit 63.000 Wohnungen.

Geschichte

Durch die latente Hochwassergefahr war eine Besiedelung der Gegend, in der sich die Wohnhausanlage befindet, über Jahrhunderte hinweg unmöglich. Erst mit der Donauregulierung, 1870-1875, gewann man etwas Kontrolle über den Strom. Damit war die Möglichkeit zur Industrialisierung gegeben, ein für die wirtschaftliche Entfaltung der Donaumonarchie höchst bedeutsamer Faktor. Auch zahlreiche Handelsunternehmen siedelten sich hier an. Bedingt durch die kurze Entstehungszeit des Wohnviertels, besitzt dieses eine relativ einheitliche und unverwechselbare Charakteristik. Das Grundstück, auf dem das Wohnhaus steht, ging 1937 an die Stadt Wien über.

Die Architektur

Das fünfgeschoßige Eckhaus befindet sich an der Kreuzung des Handelskais mit der Wachaustraße. Es weist eine erhöhte Sockelzone auf, die, wie die darüber befindlichen Geschoße, durch ein Gesims akzentuiert ist. Die Rahmung des zentrierten, an der Front zum Handelskai befindlichen Eingangsbereiches und der Sockel des Hauses sind mit dunklen Klinkersteinen verkleidet. Den oberen Abschluss des Portals bildet ein Gesims, das über die Breite dessen seitlicher Einfassung hinausgeht. Putzstreifen und Lisenen gliedern die dreiachsige, nach dem Handelskai gerichtete Fassade ab dem ersten Stock vertikal. Die Ecke des Hauses ist durch einen zurückgesetzten Turm betont. Auffällig ist die asymmetrische Verklammerung des Eckturmes mit den angrenzenden Fassadenabschnitten mittels gegeneinander versetzter Balkone. Die Asymmetrie wird in der Abtreppung der Verkleidung des Sockels aufgegriffen. Die Hoffassade ist durch gegeneinander versetzte Balkone charakterisiert. Der Sockel wie auch die Eingangsbereiche sind, wie an den Straßenseiten, mit Klinkersteinen verkleidet.

Der Name

Der Handelskai ist seit 1884 so benannt, weil sich nach der Donauregulierung hier zahlreiche Handelsunternehmen ansiedelten.

Sanierung

von 1994 bis 1995

Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1989 bis 1991 erfolgte unter anderem auch der Lifteinbau. Weitere Erhaltungsarbeiten wurden 1994/95 durchgeführt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 792.206 Euro, davon konnten 301.333 Euro durch Förderungen gedeckt werden.

Architekten

Hans Glaser - Hans Glaser (1873-1950) hat 1893 bis 1896 an der Akademie der bildenden Künste bei Karl Hasenauer und Viktor Luntz studiert. Während seines Studiums war er ein Jahr in der Dombauhütte zu St. Stephan beschäftigt. Im Jahr 1914 gründete er gemeinsam mit Karl Scheffel und Alfred Kraupa das "Architektur und Konstruktions-Atelier für Ausstellungsindustrie, Möbel und Vergnügungsbauten". Hans Glaser und Karl Scheffel planten in der Zwischenkriegszeit in Floridsdorf zwei Gemeindewohnbauten, den Schlinger-Hof und den ersten Bauteil des Paul Speiser-Hofes. Neben der Planung und Ausführung von Wohnbauten, sind vor allem auch zahlreiche nicht realisierte Wettbewerbsprojekte für öffentliche Bauten zu erwähnen, wie etwa das Rathaus in Pettau oder der Entwurf für ein Krematorium in Reichenberg. Im Jahr 1917 erhielt Hans Glaser das Goldene Verdienstkreuz mit Krone.

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