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Johannesgasse 4

Fakten

Johannesgasse 4

Johannesgasse 4, 1010 Wien

Baujahr: 1892

Wohnungen: 20

Architekt: Robert Kotas, Christian Ulrich

Wohnen in Wien

Im 19. Jahrhundert wuchs als Folge der massiven Industrialisierung die Arbeiterschicht stark an, die Einwohnerzahl Wiens explodierte, vor allem auch durch den Zuzug aus den ländlichen Gebieten der Donaumonarchie. Die nötigen Wohnungen wurden nahezu ausschließlich von Privaten gewinnorientiert gebaut. Mietskasernen mit so genannten "Bassena-Wohnungen" - Zimmer, Küche, Wasser und WC auf dem Gang - entstanden. Viele mussten diese kleinen Wohnungen (zwischen 20 und 30 Quadratmetern) noch mit Bettgehern und Untermietern teilen, um die Miete zahlen zu können. In den Jahren des Ersten Weltkrieges stagnierte die Bautätigkeit.

Geschichte

Ein Gebäude wurde an dieser Stelle erstmals im 14. Jahrhundert genannt. Damals schien die Parzelle als "zu St. Anna gehörig" auf. Im Jahr 1771 stand hier eine Normal- und Realschule und ab 1840 das "Neue Elyseum", das im Besitz von Josef Daum war. Unter der Bauherrschaft des Wiener Kaufmännischen Vereins erfolgte 1892 der bis in die heutige Zeit erhaltene Neubau eines viergeschoßigen, gründerzeitlichen Mietshauses mit Salontheater im Erdgeschoß. Dieses Theater führte den Namen "Insel", in seinen Räumlichkeiten ist seit dem Jahr 1952 das "Metro-Kino" untergebracht.

Die Architektur

Das Gebäude zeigt eine vornehme späthistorische Schauseite mit barockisierender Ornamentik; der Sockel ist kräftig gebändert und weist hohe Rundbogenöffnungen auf. Die Fassade ist symmetrisch aufgebaut, wobei die äußersten Öffnungsachsen besonders hervorgehoben werden. Diese sind im Erdgeschoß als Eingänge gestaltet und werden durch tief herabgezogene Konsolen, flankierende Vasen und darüber liegende, vorgeschwungene Balkone zusätzlich betont. Man erkennt eine durch horizontale Gesimse akzentuierte, vertikale Drei-Zonen-Gliederung: zuunterst die Sockelzone mit hohen Eingangsbögen und kräftigem Steinschnitt; es folgt die zweigeschoßige Hauptzone mit vertikal zusammengefassten, reich gestalteten Fenstergruppen; den Abschluss bildet das vierte Geschoß, das so genannte Attikageschoß mit einer relativ einfachen Fensterreihung. Das Foyer des ehemaligen Theaters und jetzigen Metrokinos ist im Rokokostil ausgeführt, mit Holzverkleidungen, vergoldeten Gittern in den Bogenfüllungen und Rokoko-Deckenputz.

Der Name

Die Johannesgasse stellt eine direkte, gerade verlaufende Verbindung zwischen 1. und 3. Bezirk dar, wobei sie den Stadtpark an seiner südlichen Grenze tangiert. Benannt wurde sie nach der Kirche des Johannesordens "Zum Hl. Johannes, dem Täufer", welche sich in der Kärntner Straße befindet und auf den Malteserorden zurückzuführen ist. Dementsprechend wurde die Gasse früher auch als St.-Johannes-Straße bezeichnet.

Architekten

Robert Kotas - Robert Kotas (1904-1973) wurde zunächst als Tischler ausgebildet und studierte von 1929 bis 1933 an der Akademie der bildenden Künste bei Clemens Holzmeister. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde er durch seine zahlreichen Kino-Neu- und Umbauten sozusagen zum "Lichtspiel-Spezialisten". Aus seinem Büro stammen neben der Adaptierung des Metro-Kinos (Johannesgasse, Wien 1) auch die Pläne für den Umbau des Flotten-Kinos in der Mariahilfer Straße (1953), für den Neubau des Capitol-Kinos in der Kundmanngasse in Erdberg (1963) und für das legendäre, noch heute original erhaltene Gartenbaukino am Parkring (1960).

Christian Ulrich - Christian Ulrich (1836-1909) hatte an der Technischen Hochschule Wien eine Professur für Utilitäts- und Eisenbahnhochbau inne. Das Wohn- und Geschäftshaus in der Johannesgasse 4 in Wien 1 ist sein repräsentativstes Bauwerk in Wien. Seine wichtigsten Realisationen sind jedoch im Bereich der technischen Nutzbauten wie Lagerhallen und Industrieanlagen zu finden. So zum Beispiel die im Rahmen der Budapester Landesausstellung (1885) errichteten Projekte: der große Industriepalast, eine eindrucksvolle Glas-Eisen-Konstruktion nach westeuropäischen Vorbildern, oder der "Elevator" auf den Burgberg, der nach dem von ihm patentierten "System Ulrich" errichtet worden war.

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