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Franz-Glaserer-Hof

Fakten

Franz-Glaserer-Hof

Hackinger Straße 30-36, 1140 Wien

Baujahr: 1963-1966

Wohnungen: 271

Architekt: Karl Musel, Maximilian (Max) Bauer, Hans Zahlbruckner, Leopold Tinhof

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise mit vorgefertigten Betonelementen erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Vor dem Bau der Wohnanlage befanden sich auf dem Grundstück zwischen der Hackinger Straße und den Gleisanlagen der Westbahn Gärten mit Glashäusern und einige Schuppen.
Ursprünglich war eine Anlage mit vier Wohntrakten geplant. Nach einem Planwechsel kam jedoch ein fünfter Trakt an der Hackinger Straße (Stiege 16-19) hinzu. In der Anlage befinden sich ein Friseur, ein Obst- und Gemüseladen, eine Kinderbetreuungseinrichtung sowie eine Ordination. In einem Kellerlokal hat der Pensionistenklub "Baumgarten" seinen Sitz. Eine Gedenktafel erinnert an den Namensgeber der Anlage.

Die Architektur

Die auf einem lang gestreckten Grundstück errichtete Wohnanlage zeichnet sich vor allem durch ihre lockere Bebauungsweise aus. Die Anlage gliedert sich in fünf in Zeilenbauweise errichtete Trakte aus vier bis fünf zusammenhängenden Wohnblöcken, die parallel und versetzt angeordnet sind. Die Flächen zwischen den Wohntrakten und gegen die Straße sind als Grünanlagen gestaltet und verleihen dem Komplex einen gartenstadtähnlichen Charakter. Die lockere Einbettung der freistehenden Baukörper in einen begrünten Landschaftsraum ist ebenso charakteristisch für den Wohnhausbau der 1960er-Jahre wie die sachliche und nüchterne Architektur der Wohntrakte mit ihren flach geneigten Satteldächern und rau verputzten Hauswänden. Die Fassaden der viergeschoßigen Trakte sind regelmäßig gerastert, wobei sich die Fenstergröße nach der Funktion der dahinter liegenden Räume richtet. Die gegen Norden liegenden Hauseingänge bilden mit den breiten Stiegenhausfenstern vertikale Achsen, die durch farbigen Verputz betont werden. Gegen Süden gliedern Balkone die Fassaden.

... und die Kunst

In den Grünanlagen befinden sich drei Kunstwerke aus den Jahren 1966/67: Eine Steinskulptur "Aufstrebende vegetative Formen" von Helene Hädelmayer, eine Bronzeplastik von Elisabeth Turolt mit dem Titel "Bockender Esel mit Reiter" sowie eine "Vogeltränke" aus Kunststein mit keramischer Mosaikverkleidung von Luise Wolf.

Der Name

Die Wohnanlage ist nach Franz Glaserer (1904-1983) benannt, der von 1949-1969 Wiener Gemeinderat und von 1954-1968 Stadtrat für Wohnungs-, Siedlungs- und Kleingartenwesen war. Der gelernte Schriftsetzer und Sozialdemokrat musste unter den Nationalsozialisten zweimal in Haft und geriet als Soldat im Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr 1946 wurde er Bezirksobmann der SPÖ-Penzing (bis 1969).

Architekten

Karl Musel - Über die Ausbildung des in Graz geborenen Architekten Karl Musel (1904-1970) gibt es keine Daten. Für die Gemeinde Wien war er vor allem in den 1950er- und 60er-Jahren an der Errichtung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Anton-Figl-Hof in Wien 14, Hernstorferstraße 22-32 (1956-1958), und am Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966).

Maximilian (Max) Bauer - Maximilian Bauer (geb. 1922) studierte von 1946 bis 1950 Architektur an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien war er vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an den Entwürfen zu mehreren großen Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa zum Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966) und zur Anlage Krottenbachstraße 42-46 in Wien 16 (1956-1958).

Hans Zahlbruckner - Hans Zahlbruckner (geb. 1920 in Pottendorf) studierte ab 1944 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. In Arbeitsgemeinschaften plante er für die Gemeinde Wien unter anderem den Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966), und die Wohnhäuser Ödenburger Straße 73-85 in Wien 21 (1961/62) und Schlöglgasse 71 in Wien 12 (1959).

Leopold Tinhof - Leopold Tinhof (1919-2000) studierte ab 1947 bei Lois Welzenbacher an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sein Atelier hatte Leopold Tinhof in Eisenstadt, wo er vorwiegend tätig war. Für die Gemeinde Wien plante er in Arbeitsgemeinschaften unter anderem den Brunngraberhof in Wien 10, Arthaberplatz 12-15 (1957-1959), und den Franz-Glaserer-Hof in Wien 14, Hackinger Straße 30-36 (1963-1966). Zusammen mit Eduard Berger und Bruno Tinhofer entwarf Leopold Tinhof auch die Volkshochschule Favoriten, Arthaberplatz 18 (1960/61).

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