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Margarete-Schütte-Lihotzky-Hof

Fakten

Margarete-Schütte-Lihotzky-Hof

Donaufelder Straße 99, 1210 Wien

Baujahr: 1995-1997

Wohnungen: 175

Architekt: Liselotte Peretti, Franziska Ullmann

Weitere Adressen

Carminweg 8, 1210 Wien

Wohnen in Wien

In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die Stadt Wien neben geförderten Sanierungen hauptsächlich darauf, die Stadt im Nordosten und Süden zu erweitern (21.000 Wohnungen in vier Jahren). In enger Zusammenarbeit mit der Stadtplanung wurden großflächig Siedlungsgebiete erschlossen, so zum Beispiel der Leberberg in Simmering. Die Gemeindebauten, die nun für eine breitere Bevölkerungsschicht zugänglich sind, passen sich den modernen Bevölkerungsstrukturen an, indem sie flexible Wohnungen auch für Alleinerziehende, ältere Menschen und Alleinstehende bieten. Zudem sparen sie durch eine nachhaltige Bauweise Betriebskosten und Energie.

Geschichte

Im Bereich des heutigen Wohnbaus befanden sich ursprünglich eingeschoßige Häuser, in denen vorwiegend Gärtnereien und Tankstellen untergebracht waren. Die Wohnanlage wurde in den 1990er-Jahren im Rahmen eines Projektes, das sich mit den besonderen Bedürfnissen von frauengerechtem Wohnbau beschäftigte, erbaut. Bei der Planung wurden vor allem die Anforderungen von Haus- und Familienarbeit, eine angstfreie Gestaltung der Innen- und Außenräume und die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Mieter berücksichtigt. Insgesamt wurden 359 Wohnungen geplant, davon entstanden 179 im Auftrag der Stadt Wien und 180 Wohnungen für die Wohnbauvereinigung der Privatangestellten. Den Bauteil der Wohnbauvereinigung der Privatangestellten führten Elsa Prochazka und Gisela Podreka aus, den Bauteil der Stadt Wien planten Franziska Ullmann und Liselotte Peretti.

Die Architektur

Die gesamte Wohnanlage erstreckt sich über ein 2,3 ha großes Grundstück an der Ecke Donaufelder Straße und Carminweg. Der erste Bauteil liegt an der Donaufelder Straße und wurde von Franziska Ullmann ausgeführt. Die Straßenfront verfügt über sechs Geschoße, wobei zwei Geschoße an der Mittelachse sowie das Dachgeschoß zurückgesetzt sind. Die Verwendung von glatten Wandflächen und verglasten Loggien sorgt für einen lebendigen Gesamteindruck. Die Eckbereiche sind in einem hellen Rot farblich hervorgehoben.

Der zweite Bauteil von Liselotte Peretti verläuft entlang dem Carminweg und erstreckt sich mit zwei Erweiterungen in den Innenbereich. Die Anlage mit vier Geschoßen besticht vor allem durch die plastische Gestaltung. Sowohl zur Straße als auch zum Hof hin sorgen Balkone für einen offenen Charakter und eine Erweiterung des Wohnraumes nach außen.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Steigerung der Lebensqualität und die Flexibilität in den Wohnräumen gelegt. Die Wohnungen sollen vielfältig nutzbar sein und sich ganz den Bedürfnissen der Bewohner anpassen können. Jede Wohnung wurde durch einen kleinen Privatgarten erweitert. Gemeinsame Freiflächen und grüne Außenbereiche betonen den kommunikativen und sozialen Charakter.

... und die Kunst

Innerhalb der Wohnanlage wurde die Gestaltung des Asphalts von der Künstlerin Johanna Kandl (geb. 1954) geplant. Farbige runde Flächen liegen zwischen den Bauteilen und gehen in diese über, wodurch eine Verbindung der einzelnen Baukörper zustande kommt. Wenn man die bunten Formen von oben betrachtet, sollen sie ein wenig an die Donau vor der Regulierung erinnern.

Die Gestaltung der Grünanlagen stammt von der Landschaftsarchitektin Dipl.-Ing. Maria Auböck (geb.1951).

Der Name

Die Wohnanlage ist nach der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) benannt. Sie hat als erste Frau ein Architekturstudium an der Kunstgewerbeschule in Wien abgeschlossen und gilt demnach als erste österreichische Architektin. Sie entwarf unter anderem zahlreiche Wohnungen für alleinstehende und berufstätige Frauen und ging mit dem Entwurf zur "Frankfurter Küche" in die Geschichte ein.

Architekten

Liselotte Peretti - Liselotte Peretti ist 1951 in Mürzzuschlag geboren. Sie studierte 1969 bis 1975 an der Technischen Universität in Graz Architektur. Seit 1984 führt sie ihr eigenes Architekturbüro (Kiningergasse 4-6, 1120 Wien). Gemeinsam mit ihrem Mann Arch. Dipl. Ing. Peretti wurde daraus 1994 ein Gemeinschaftsbüro. Neben ihrer Tätigkeit als Architektin und beeidete Sachverständige ist sie als Mediatorin für Konflikte im Bauwesen tätig.

Franziska Ullmann - Franziska Ullmann ist 1950 in Bad Vöslau bei Wien geboren und in Baden aufgewachsen. Sie studierte an der Technischen Universität in Wien Architektur und machte sich 1983 als Architektin selbständig. Zwischen 1985 und 1994 arbeitete sie als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Angewandte Kunst in der Meisterklasse von Hans Hollein. Im Jahre 1995 erhielt sie eine Professur für räumliches Gestalten an der Technischen Universität in Stuttgart. Seit 1998 betreibt sie zusammen mit Peter Ebner ein eigenes Atelier.

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