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Max-Böhm-Hof

Fakten

Max-Böhm-Hof

Tigergasse 22, 1080 Wien

Baujahr: 1986-1988

Wohnungen: 26

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Auf dem Areal des heutigen Max-Böhm-Hofes stand ursprünglich ein vom Architekten und Stadtbaumeister Donat Woita im Jahr 1862 errichtetes, dreistöckiges Wohnhaus mit elf Fensterachsen, das Carl Diedek Sohn gehörte. Damals trug diese Adresse den Namen Allee Gasse 117, eine seit 1763 angelegte Verbindung zwischen Lerchenfelder und Josefstädter Straße, die zum Altlerchenfeld gehörte. 1862 wurde die Gasse nach einem Hausschild auf Nr. 38 "Zum Tiger" in die gleichnamige Gasse umbenannt.
Die Gebäude Tigergasse 20 und Lerchengasse 19 wurden ebenfalls abgetragen; heute befindet sich dort der 1995 angelegte "Tigerpark", der einen Durchgang zwischen den beiden Gassen bietet.
Die Tigergasse besticht durch ihre gemischte Verbauung von josephinisch-biedermeierlichen Vorstadthäusern, späthistorischen Zinshäusern und verschiedenen Neubauten wie dem Max-Böhm-Hof.

Die Architektur

Die Baulücke in der Tigergasse/Ecke Tigerpark wurde mit einem postmodernen Wohnhauskomplex, bestehend aus 23 Wohnungen und einer Tiefgarage mit 15 Pkw-Abstellplätzen, geschlossen. Das fünfgeschoßige Haus ist zur Gänze unterkellert. An der Front zur Tigergasse wurde ein Teil des Dachbodens ausgebaut.
Der zurückspringende Eingang in der Tigergasse wird durch einen von zwei Säulen gestützten Mittelrisalit überdacht und mit einem halbrunden Giebel des ausgebauten Dachgeschoßes abgeschlossen. Auffallend sind die parkseitig angeordneten, turmartigen Eckrisalite mit ihren ums Eck führenden Fenstern. Diese turmartige Wirkung wird durch ein dem Tigerpark zugewandtes Staffelgeschoß noch unterstrichen. Verschiedenformatige Fenster, Geländer und kleine, quadratische Putzfelder in Rot lockern die Lochfassade auf. Einzelne Dekorelemente sowie die Portalkonstruktion des Eingangsbereiches führen das Grundthema der Farbwahl weiter und setzen markante Akzente in das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes.
Links vom Haupteingang sind die Wohnungen - bedingt durch die notwendige Durchfahrtshöhe der Garageneinfahrt - jeweils um ein Halbgeschoß höher gesetzt. Das Stiegenhaus nimmt diesen Höhenunterschied auf, wobei die Wohnungseingangstüren vom Zwischenpodest der zweiläufigen Stiege wegführen (Split-Level). Lichtdurchlässige Glastürelemente im Eingangsbereich in der Tigergasse ermöglichen eine natürliche Belichtung des zum Lift und zum Stiegenhaus führenden, schmalen Korridors.

... und die Kunst

Über der Eingangstür sowie entlang der Mauer Richtung Tigerpark zieren Teile der Reliefgestaltung des Künstlers Johann Jascha die Fassade, die im Inneren des Gebäudes weitergeführt wird. Rechts vom Eingang befindet sich die Widmungstafel an Max Böhm, die ebenfalls von Jascha stammt.

Der Name

Max Böhm, Schauspieler und Kabarettist, wurde am 23. August 1916 in Teplitz-Schönau (Böhmen) geboren. Von 1954 bis 1974 spielte Böhm am Wiener Kabarett Simpl, wo er mit Karl Farkas und Ernst Waldbrunn auftrat, danach am Volkstheater, Raimundtheater und Theater an der Josefstadt. Nach dem Unfalltod seiner Tochter Christine 1979 nahm er vermehrt ernstere Rollen an. Böhm starb am 26. Dezember 1982 in Wien und wurde in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof beigesetzt.

Prominente Bewohner

Der Schauspieler Leon Askin (1907-2005) verbrachte seine Kindheit und Jugendjahre in der Tigergasse, die "von den politischen Änderungen des Übergangs von der Monarchie zur Republik, von der Hinwendung des Vaters zum orthodoxen Judentum, von den ersten Erfahrungen mit Antisemitismus und immer wieder vom Theater" geprägt waren.

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