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Bruno-Marek-Hof

Fakten

Bruno-Marek-Hof

Gumpendorfer Straße 40-44, 1060 Wien

Baujahr: 1986-1988

Wohnungen: 71

Architekt: Timo Penttilä

Weitere Adressen

Windmühlgasse 17-23, 1060 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Auf dem Areal des heutigen Gemeindebaus zwischen Gumpendorfer Straße, Stiegengasse und Windmühlgasse stand bis zu seinem Abriss 1973 die als Zweigstelle geführte Buch- und Kunstdruckerei des von Moritz Szeps 1872 gegründeten Steyrermühl Verlages, der in Wien auch noch eine Zeitungsdruckerei am Fleischmarkt 3-5 unterhielt. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Wien wurden die Druckereien als deutsches Eigentum beschlagnahmt, die Franzosen druckten in der Gumpendorfer Straße ihre "Imprimerie National française". Trotz massiver Versuche, die Druckerei samt Liegenschaften rückerstattet zu bekommen, wurden die Wiener Druckereien auf zehn Jahre an die KPÖ verpachtet, die als staatsgründende und regierungsbeteiligte Partei 1945 eine große Druckerei benötigte. Erst 1965 gelangte die Druckerei in der Gumpendorfer Straße 40-44 vorerst wieder in die Hand des Steyrermühl Verlages. Das Café Steyrermühl auf Nr. 50 erinnerte noch Jahre später an die ehemalige Papierfabrik. Mittlerweile ist aber auch dieses geschlossen.

Die Architektur

Die Wohnhausanlage erstreckt sich in zwei Gebäudezeilen entlang der Gumpendorfer Straße und der Windmühlgasse. Sie schließen den konisch zulaufenden Block im Westen, lassen ihn jedoch zur Stiegengasse hin offen. Dazwischen liegt über dem Niveau der Gumpendorfer Straße ein großzügiger Wohnhof, auf dem sich - als eigener Baukörper - ein städtisches Kindertagesheim mit einem Spielhof befindet. Dieser wird durch markante Niveauunterschiede und Grüngestaltung von den Verkehrsflächen und Fußgängerwegen getrennt.
Die Haupterschließung der beiden Wohntrakte erfolgt über zwei Arkadengänge, die den Wohnhof sowohl begrenzen als auch mit architektonischen Mitteln erweitern. Im Arkadengeschoß des Traktes in der Windmühlgasse sind Büros, Hobby- und sämtliche Nebenräume untergebracht. Der Trakt Gumpendorfer Straße verfügt über ein volles, etwas über dem Hofniveau liegendes Wohngeschoß. Um eine geschlossene Verbauung zu vermeiden, öffnet sich der Straßenraum im Bereich Stiegengasse zum Hofbereich. Bei der Planung der unteren Geschoße im Trakt Windmühlgasse wurde ein Teil der Mauer des Altbestandes mitberücksichtigt.
Das Wohnhaus mit ursprünglich 69 Wohnungen besitzt eine Tiefgarage mit Abstellplätzen für 65 PKW, die von der Gumpendorfer Straße zu befahren ist. Die Wohn- und Schlafzimmer aller Wohnungen sind hofseitig ausgerichtet (mit Ausnahme des Sockelgeschoßes in der Gumpendorfer Straße). Die unterschiedlichen Fensteröffnungen (Stiegenhäuser, Küche, Bad, Esszimmer) an den Straßenfassaden der beiden Wohntrakte schaffen nicht nur eine besondere Dynamik, sondern gewinnen durch ihre regelmäßige Anordnung auch an Symmetrie - ein Thema, das an den rückwärtigen Fronten weitergeführt wird.

... und die Kunst

Der Künstler Edelbert Köb schuf die Skulptur "Sonnenuhr", die sich Ecke Gumpendorfer Straße/Stiegengasse befindet. Der 1942 in Bregenz geborene Bildhauer studierte 1961 bis 1965 an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er seit 1974 eine Lehrtätigkeit ausübt. In den Jahren 1982 bis 1991 war Edelbert Köb Präsident der Wiener Secession, seit 1990 ist er Leiter des Kunsthauses Bregenz. Arbeiten des Künstlers, die sich nicht selten im Grenzbereich von Kunst und Design bewegen, bzw. Brunnengestaltungen und Denkmäler sind in ganz Österreich zu finden.

Der Name

Bruno Marek wurde am 23. 1. 1900 als Sohn eines Schneidermeisters im 6. Wiener Gemeindebezirk geboren. 1918 trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei, der er bis zum Jahr 1970 als Abgeordneter, Bürgermeister und später Landeshauptmann von Wien treu blieb. In seine Amtszeit fiel die Entscheidung über den Bau der Wiener U-Bahn (Baubeginn 1969) und die Errichtung der Schianlage auf der Hohen-Wand-Wiese, über den Bau der UNO-City sowie die Anlage der "Neuen Donau" mit der Donauinsel. Bruno Marek starb am 29. 1. 1991 in Wien und wurde in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Prominente Bewohner

Im alten Haus "Zum Auhahn", ehemals Laimgrube 143 und später Gumpendorfer Straße 40, wurde 1821 der Schriftsteller Friedrich Schlögl geboren. In der Fillgradergasse 4 im 6. Bezirk, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert, verbrachte der humoristische Schilderer des Wiener Volkslebens sein letztes Lebensjahrzehnt. Kurz nach seinem Tod 1892 erschienen Friedrich Schlögls "Gesammelte Schriften".

Architekten

Timo Penttilä - Timo Penttilä (geb. 1931) ist finnischer Architekt und Stadtplaner. Zu seinen bedeutendsten Bauten zählen das Stadttheater (1964-1967) und das Salmisaari-B-Kraftwerk (1984) in Helsinki/Finnland. Ab 1980 war Timo Penttilä als Nachfolger Roland Rainers über eineinhalb Jahrzehnte Meisterschulleiter an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

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