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Schrödingerhof

Fakten

Schrödingerhof

Gußriegelstraße 42-50, 1100 Wien

Baujahr: 1959-1963

Wohnungen: 239

Architekt: Paul Ehrenzweig, Eugenie Pippal-Kottnig, Libuse Partyka, Johannes (Hannes) Lintl, Rudolf Jarosch

Wohnen in Wien

In den 1960er-Jahren nahm der Wohnbau in Wien bis hin zum Wohnungsbauboom der 1970er-Jahre kontinuierlich zu. Die Grundlage dafür bildeten 1961 ein städtebauliches Konzept und ein Generalverkehrsplan von Roland Rainer. Der geplante U-Bahn-Bau sowie die Erschließung bisheriger Randgebiete nördlich der Donau förderten diese Entwicklung. Besonders am südlichen und östlichen Stadtrand gab es Grundstücke zu günstigen Preisen, auf denen neue große Wohnviertel geschaffen wurden. Die neue Fertigteilbauweise erlaubte es, in kurzer Zeit ganze Stadtteile neu zu errichten.

Geschichte

Die Wohnanlage an der Ostseite der Sportanlage entstand im Zusammenhang mit den Planungen zum Projekt "Nothnagelplatz-West", das ein Gesamtkonzept zur Gestaltung des Areals um die Sportplätze (später Eisring Süd) hinter dem Wasserturm zum Ziel hatte. Mehrere Architektengemeinschaften erarbeiteten bis 1964 die später gebaute Lösung. (Unterschiedliche Angaben zu den Baujahrdaten resultieren aus den Angaben der verschiedenen Quellen.) Die große Wohnanlage an der Gußriegelstraße umfasst die Bauten Raxstraße 38 und Gußriegelstraße 42-50 und wurde einheitlich geplant. Sie besteht aus 6 Wohnblöcken in Riegelverbauung mit insgesamt 17 Stiegen.

Die Architektur

Die parallel zueinander entlang der Gußriegelstraße angeordneten Riegelbauten zeigen je vier Geschoße mit Satteldach. Die Gliederung der Baumasse erfolgt nordseitig durch einheitliche Fensteraufteilung und durch vertikal durchgehend verglaste Achsen, die der Belichtung der Stiegenhäuser dienen.
Südseitig sind Balkone und Loggien mittels kubischer, markant vortretender Bauteile an die Fassade gesetzt, sodass eine intensive Licht-Schattenwirkung entsteht, ein moderner Trend im zeitgleichen Wohnbau. Dieses Wechselspiel wird durch unterschiedliche Farbgebung an der Fassade zusätzlich erhöht. Gleichzeitig lockert die Abstufung der Farben die sonst strenge Putzfassade auf. Die Stirnseiten sind durch französische Fenster und in die Wand eingeschnittene Balkonachsen in ansprechender Weise aufgelöst
Als besonderes Detail sind die vertikalen, in kräftigen Farben leuchtenden Mosaikstreifen an den Portalen der einzelnen Stiegen zu beachten.
Der Wohnblock ist von Grünflächen umgeben, ein Kinderspielplatz liegt an der nördlichen Seite zwischen dem Pavillon und dem nächsten Wohnblock.

... und die Kunst

An den Eingängen zu den jeweiligen Stiegen wurden die Mittelpfeiler durch abstrakte kleinteilige Mosaike aus farbigem Glas akzentuiert. Es sind Arbeiten des Wiener Künstlers Hans Robert Pippal.

Der Name

Der Schrödingerhof ist nach dem Physiker Prof. Dr. Erwin Schrödinger (1887-1961) benannt. Der weltberühmte Wissenschafter war nach seiner Emigration 1956 nach Wien zurückgekehrt, 1958 hatte er eine hohe Auszeichnung der Stadt Wien erhalten.

Die Gußriegelstraße wurde nach einem traditionellen Inzersdorfer Flurnamen benannt.

Sanierung

von 2014 bis 2016

Für den Schrödingerhof ist ab 2014 eine Sanierung geplant. Das Dach soll instand gesetzt werden, und durch die Erneuerung der Fenster und Türen und das Wärmedämmverbundsystem für die Fassade sollen die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden. Der Anschluss an die Fernwärme Wien erfolgte bereits im Zuge von Sanierungsmaßnahmen in den Jahren 1988/89.

Architekten

Paul Ehrenzweig - Paul Ehrenzweig (1889-1975) studierte mit kriegsdienstbedingter Unterbrechung 1909/10 von 1907 bis 1913 an der Technischen Hochschule Wien. Zusammen mit Karl Vodak entwarf er für die Gemeinde Wien die 1957/58 erbaute Wohnhausanlage Damböckgasse 3-5 in Wien 6.

Eugenie Pippal-Kottnig - Eugenie Pippal-Kottnig (geb. 1921 in der UdSSR, Anscher Grube, gest. 1998 in Wien) studierte von 1935 bis 1939 Architektur an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Otto Niedermoser und Franz Schuster. 1943 heiratete sie den Maler Hans Robert Pippal. Einer ihrer ersten bedeutenden Aufträge war die Illustration für das "Österreichbuch" (Hrsg. Ernst Marboe, 1948). In den 1950er-Jahren war sie an der Planung mehrerer Wohnhäuser für die Gemeinde Wien beteiligt. Pippal-Kottnig war auch als Designerin von Inneneinrichtungen und Möbelstücken tätig und arbeitete an zahlreichen künstlerischen Ausführungen ihres Mannes mit, wie etwa an den Mosaiken für die Oktogone im Foyer des 2. Ranges des Burgtheaters (1955).

Libuse Partyka - Libuse Partyka (geb. Partykova, 1921-1995; verh. Bazalka) studierte ab 1944 Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Wien. Für die Gemeinde Wien plante sie meist in Zusammenarbeit mit anderen Architektinnen mehrere Bauwerke, wie etwa mit Erika Peters und Eugenie Pippal-Kottnig die Wohnhäuser Weintraubengasse 6-10 und 13 in Wien 2 (1982-1983) und Zirkusgasse 30 in Wien 2 (1981-1983). Die Pläne zur Anlage Schottenfeldgasse 37 in Wien 7 (1987-1989) stammen von Partyka alleine.

Johannes (Hannes) Lintl - Hannes Lintl (1924-2003) studierte 1941/42 und von 1945 bis 1949 Innenarchitektur und Möbelbau bei Carl Witzmann an der Wiener Kunstgewerbeschule. Lintl war vorwiegend in größeren Architektengemeinschaften an verschiedensten Bauprojekten beteiligt, wie unter anderem an der Errichtung des ehemaligen IBM Hauptverwaltungsgebäudes am Praterstern in Wien 2 (1989-1992), am Generali-Center auf der Mariahilfer Straße 77-79 in Wien 6 (1970-1976) und an der Errichtung des Allgemeinen Krankenhauses in Wien 9 (ab 1968). Sein bekanntestes Bauwerk ist aber der Donauturm auf dem WIG-Gelände in Wien 22 (1961-1964).

Rudolf Jarosch - Rudolf Jarosch (1917-2004) war für die Gemeinde Wien vorwiegend in Arbeitsgemeinschaften an der Realisierung mehrerer großer Wohnhausanlagen beteiligt, wie etwa am Schrödingerhof in Wien 10, Gußriegelstraße 42-50 (1961-1963), und Landstraßer Hauptstraße 173-175 in Wien 3 (1953-1956).

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