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Franz-Bauer-Hof

Fakten

Franz-Bauer-Hof

Gumpendorfer Straße 59-61, 1060 Wien

Baujahr: 1983-1985

Wohnungen: 53

Architekt: Wolfgang Neumann, Josef Becvar

Weitere Adressen

Kaunitzgasse 1, 1060 Wien

Luftbadgasse 14-16, 1060 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

In der Gumpendorfer Straße Nr. 59 befand sich bis zu seinem Abriss ein vier- bzw. in der Luftbadgasse sechsgeschoßige Althaus mit insgesamt 20 Wohnungen und drei Lokalen, darunter die Gaststätte "Weißer Hahn", die nach dem Besitzerwechsel 1969 zum Cafe-Restaurant-Konditorei "Szauter Restaurant" umbenannt wurde. Das daneben liegende Objekt mit Zutritt Luftbadgasse war das 1852 fertig gestellte "Esterhazybad", Wiens erstes Heißluftbad. Als das Wiener Bürgertum begann durchwegs profitable Hallenbäder im Glanz feudaler Schwimmpaläste zu errichten, wurde auch das Baden populär. Neben dem Esterhazybad in Mariahilf entstanden zu dieser Zeit das Sophienbad im 3. Bezirk sowie das Dianabad in der Leopoldstadt, das 1843 seinen Betrieb aufnahm und bis heute besteht.

Die Architektur

Das sich im Kreuzpunkt mehrerer Straßenmündungen befindliche postmoderne Wohnhaus an der Gumpendorfer Straße nimmt durch seinen platzwirksamen Abschluss der Blockrandbebauung eine markante städtebauliche Position ein. Der 1985 fertig gestellte Wohnblock, durch drei Straßenseiten (Gumpendorfer Straße, Kaunitzgasse, Luftbadgasse) begrenzt, ist in der Gumpendorfer Straße siebengeschoßig und wird auf bis zu vier Geschoße in der Luftbadgasse abgezont. Das Gebäude besitzt drei Kellergeschoße sowie eine Tiefgarage mit Abstellplätzen für 49 PKW, und einer Einfahrt von der Luftbadgasse. Im ersten Kellergeschoß befindet sich das städtische Kindertagesheim, das sowohl von Stiege 2 (Kaunitzgasse) wie auch von Stiege 3 (Luftbadgasse) zu erschließen ist. Einen getrennten Zugang in der Luftbadgasse hat auch das Bautrupplager der Post im zweiten Kellergeschoß. In den Hofbereichen befinden sich die Gemeinschaftsräume wie Hobbyräume und Sauna mit direktem Zugang zu einer begrünten Freifläche auf dem Dach der Bücherei. In den Trakten Luftbadgasse und Ecke Kaunitzgasse-Luftbadgasse sind die Wohnungen einseitig nach Süden orientiert und werden teilweise über einen geschlossenen Laubengang erschlossen. Die straßenseitigen Fassaden sind mit den benachbarten Gebäuden in Gestaltung und Farbgebung abgestimmt. Dementsprechend wurde an der Ecke Gumpendorfer Straße und Kaunitzgasse zurückweichend von der Baulinie eine Abschrägung des Gebäudes als Pendant zum gegenüberliegenden Apollohaus vorgesehen. Die über zehn Fensterachsen reichende Straßenfront in der Gumpendorfer Straße wird durch zwei, die Front in der Kaunitzgasse durch eine Erkerausbildung mit abschließender Balkonkonstruktion akzentuiert. Auffallend sind die grün gestalteten Fensteröffnungen, die durch mehrfärbige Dekorelemente zusätzlich verstärkt werden. Im Gesimsbereich sowie in den Fensterzonen im Erdgeschoß und erstem Obergeschoß ist die Fassade einfach geputzt, in der Sockelzone wird das Grundthema der Farbwahl weitergeführt. Als vertikales Gliederungselement fungieren Nuten sowie Putzverstärkung. Im Gegensatz zu der markanten Fassade der Straßenfronten sind die hofseitigen Fassaden und die Fassade in der Luftbadgasse einfach geformt. Die schlichte Gestaltung mit regelmäßiger Reihung hochrechteckiger Fensterformate wird nur durch die Anordnung der Loggien sowie durch den Eingangsbereich an der Luftbadgasse unterbrochen. Insgesamt setzt die Wohnhausanlage markante Zeichen, wobei in der Betonung der Horizontale durch breit gelagerte Fenster und Loggien Einflüsse des "Neuen Bauens" spürbar sind.

Der Name

Franz Bauer (1901-1964) engagierte sich schon während seiner Lehrzeit in der christlichen Arbeiterbewegung und war ab 1934 Obmann der Gewerkschaft der Arbeiter im Hotel- und Gastgewerbe. Ab 1945 war er im Wiener Landtag und im Gemeinderat. Von 1949 bis 1950 gehörte er dem Nationalrat an. Am 29. September 1950 wechselte er zurück in den Gemeinderat und übernahm als Stadtrat das Ressort für Wirtschaftsangelegenheiten. Franz Bauer war darüber hinaus Mitglied des Landesparteivorstandes der ÖVP sowie des Präsidiums des Wiener Wirtschaftsbundes. Er war Obmann-Stellvertreter des Wiener ÖAAB und der Wiener Gebietskrankenkasse. Zudem hatte er das Amt des Bezirksparteiobmanns der ÖVP-Mariahilf inne.

Architekten

Wolfgang Neumann - Wolfgang Neumann (geb. 1944) studierte Architektur an der Technischen Universität Wien, unter anderem bei Karl Schwanzer und Reinhard Gieselmann. Nach Erlangen des Diploms im Jahre 1971 absolvierte er zunächst mehrere Praktika in diversen Ateliers, bevor er sich selbständig machte. Als Zivilingenieur für Hochbau ist Wolfgang Neumann vor allem im Wohnbau tätig. Für die Gemeinde Wien entwarf er zusammen mit Josef Becvar den Franz-Bauer-Hof in Wien 6, Gumpendorfer Straße 59-61 (1983-1985).

Josef Becvar - Josef Becvar (1907-1984) studierte ab 1928 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Peter Behrens und war seit 1946 vorwiegend in Salzburg tätig, wo er mehrere Projekte realisierte, u. a. den "Mississippi-Dampfer", eine Verkehrsinsel am Hanuschplatz (1954, abgerissen 1974), sowie das legendäre Hotel Europa (1975). Zu seinen wohl bedeutendsten Werken in Wien gehören die beiden Müllverbrennungsanlagen am Flötzersteig (in Betrieb seit 1963) sowie die Müllverbrennungsanlage Spittelau (1976), die 1991 von Friedensreich Hundertwasser umgestaltet wurde.

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