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Stella-Klein-Löw-Hof

Fakten

Stella-Klein-Löw-Hof

Taborstraße 61, 1020 Wien

Baujahr: 1985-1987

Wohnungen: 50

Architekt: Franz Morawez

Weitere Adressen

Pfeffergasse 4-6, 1020 Wien

Wohnen in Wien

Ab den 1980er-Jahren bestimmte ein neuer Stadtentwicklungsplan die Wohnhaussanierung. Der 1984 gegründete Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds und das Wohnhaussanierungsgesetz 1985 ergänzten die optimalen Voraussetzungen für eine sanfte Stadterneuerung. 36 Prozent der Sanierungsgelder flossen in Gemeindebauten, sodass die berühmtesten Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit saniert werden konnten, wie z. B. der Karl-Marx-Hof, der George-Washington-Hof oder der Rabenhof. Für Neubauten wurde durch Wettbewerbe eine qualitativ hochwertige und individuelle Architektur sichergestellt, wie das Beispiel Hundertwasserhaus zeigt.

Geschichte

Das Wohnhaus befindet sich in der ältesten Straße der Leopoldstadt, die zu den Donaubrücken und deren Befestigung, dem "Tabor", führte. Die Gegend blühte auf, als die gesamte Donau überbrückt worden war. Gasthäuser, Handwerker und Handelsleute siedelten sich hier an. Das Grundstück, auf dem der Gemeindebau steht, wurde 1941 enteignet und 1947 restituiert. Später wechselte es durch Verkauf den Besitzer und ging 1976 an die Stadt Wien über. Ein 1857 errichteter Vorgängerbau wurde im Zweiten Weltkrieg durch eine Bombe vernichtet.

Die Architektur

Das sechs Stockwerke umfassende Wohnhaus mit Mansardgiebeldach schließt eine Lücke an der Kreuzung der Taborstraße mit der Pfeffergasse. Es weist eine von Geschäftsfenstern durchbrochene Sockelzone auf, die durch farbliche Differenzierung von den darüber befindlichen Geschoßen abgesetzt ist. Wie für die Entwicklungen zur Zeit der Errichtung des Baus typisch, wird die Ausbildung eines achsenzentrierten Blickpunktes gänzlich vermieden. Flache Erker, die über alle Stockwerke reichen und von quadratischen Fenstern in einer Achse durchbrochen werden, gliedern die Fronten in gleichmäßigen Abständen. In der Horizontale der Anbauten betonen farblich differenzierte Bänder, die mittig durch ein kreisförmiges Zierelement akzentuiert werden, die Geschoße. Ein asymmetrischer Akzent wird in der Pfeffergasse durch einen turmartig über die Traufenlinie hinausragenden Erker in der Achse des aus der Mitte gerückten Eingangsbereiches gesetzt. Die Hoffassaden werden durch die gleichmäßige Anordnung der quadratischen Fenster bestimmt.

Der Name

Der Gemeindebau ist nach Stella Klein-Löw (1904-1986) benannt, an die eine Gedenktafel erinnert. Die in Polen geborene Klein-Löw promovierte 1928 an der Universität Wien und wurde im Anschluss Mittelschulprofessorin. Nachdem sie 1939 zur Emigration gezwungen war, kehrte sie 1946 wieder nach Wien zurück. Sie wurde Direktorin an einem Wiener Gymnasium und begann sich in der Bezirksorganisation SPÖ-Leopoldstadt zu engagieren. Klein-Löw war Mitglied des Zentralkomitees der SPÖ und von 1959 bis 1970 Abgeordnete zum Nationalrat, wobei sie vor allem die Bildungspolitik der SPÖ prägte.

Prominente Bewohner

Im Eingangsbereich zur Taborstraße befinden sich eine Gedenktafeln zur Erinnerung an Johann Stöckner (1910-1972). Stöckner war Mitglied des Republikanischen Schutzbundes. Er wurde im Februar 1934 verhaftet und in das Anhaltelager Wöllersdorf eingewiesen. Nach dem Anschluss flüchtete er nach Prag, von wo aus er politisch und "rassisch" Verfolgten zur Flucht verhalf. Nach der Annexion Tschechiens wurde Stöcker verhaftet und in ein Strafbataillon der deutschen Wehrmacht überstellt. Zwischen 1969 und 1972 war er als Bezirksrat der Leopoldstadt tätig.

Architekten

Franz Morawez - Franz Morawez (geb. 1930) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1961 sein Diplom erhielt. Sein Betätigungsfeld erstreckt sich primär auf den sozialen Wohnbau. Für die Gemeinde Wien plante er unter anderem in Wien 15 die Wohnhausanlagen Turnergasse 23 (1975/76) und Turnergasse 22 (1976-1979).

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