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Leopold-Thaller-Hof

Fakten

Leopold-Thaller-Hof

Baumgasse 59-61, 1030 Wien

Baujahr: 1976-1978

Wohnungen: 33

Architekt: Gerd Neversal

Wohnen in Wien

In den 1970er-Jahren begann eine erste Sanierungswelle des Wohnungsaltbestands der Stadt Wien, um den Wohnstandard anzuheben. Zusätzlich wurden von 1972 bis 1977 rund 16.500 neue Wohnungen gebaut. Der Wohnungsmangel war beseitigt. Nun sollten sich neue Anlagen auch besser in ihre Umgebung einfügen, sich vom Straßenverkehr abwenden, öffentlich gut erreichbar und vor allem mit der nötigen Nahversorgung ausgestattet sein. Damit rückte auch ein Grundgedanke des "Roten Wien" aus den 1930er-Jahren wieder in den Mittelpunkt: Es wurde wieder Wert auf die Sozialisierung des Wohnens gelegt. 1978 wurde die Grundsteinlegung der 200.000sten Wohnung seit 1923 gefeiert.

Geschichte

Die Baumgasse war bis ins 19. Jahrhundert nur sehr dünn besiedelt. Ihre Benennung verweist auf die Obstgärten und Baumschulen, die hier angelegt waren. An der Stelle der Wohnhausanlage standen zwei Häuser, die bereits im 18. Jahrhundert als "Kolloredosches Wäscherhaus" (Nr. 59) und "Ziegeldeckerhaus" (Nr. 61) Erwähnung fanden. Von der ehemals dörflichen Verbauung der Baumgasse zeugt heute noch das Haus Nr. 55.

Die Architektur

Das Erdgeschoß des zwei Stiegenhäuser umfassenden Eckbaus ist als Geschäftszone ausgebildet. Darüber erheben sich sechs Wohngeschoße und ein Terrassengeschoß. Die Fassade zur Baumgasse wird durch die einschneidenden, vertikalen Glasbänder der Stiegenhäuser in drei Blöcke gegliedert. Der breite Mittelblock und jeweils eine Fensterachse der Seitenblöcke sind erkerartig über die Baulinie vorgezogen. Bekrönt werden die Fassadenteile von weit vorkragenden Betonblumenwannen. Die Fensterreihen sind dunkelbraun hinterlegt und etwas vertieft in die Fassade eingesetzt. Unterteilt werden die Fensterreihen am breiten Mittelblock und an der Seitenfassade durch schmale Betonstützen, die die glatten Betonbänder zwischen den Fensterreihen miteinander verbinden. Die Ausgewogenheit im Einsatz von vertikalen und horizontalen Gliederungselementen lässt den gesamten Bau sehr harmonisch in sich ruhend erscheinen. Das Wohnhaus ist mit einer Tiefgarage ausgestattet.

Der Name

Eine Gedenktafel erinnert an Leopold Thaller (1888-1971), der bereits 1919 Vorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Jugendorganisationen war. Während des 2. Weltkrieges verbrachte er einige Zeit im KZ Dachau. 1945 wurde er Zweiter Landtagspräsident und war von 1949 bis 1951 amtsführender Stadtrat für Wohnungswesen und bis 1959 für Bauangelegenheiten. Seine Amtszeit war von den Bemühungen um den Wiederaufbau geprägt.

Sanierung

von 2004 bis 2005

Der Leopold-Thaller-Hof wurde in den Jahren 2004 und 2005 saniert. Durch die Erneuerung der Fenster und Türen konnten die Heizkosten für die Mieterinnen und Mieter, aber auch die Kohlendioxid-Belastung für die Umwelt gesenkt werden.

Architekten

Gerd Neversal - Gerd Neversal (geb. 1940) studierte an der Technischen Universität Wien und an der Akademie der bildenden Künste. Er arbeitete zunächst in den Architekturbüros von Herbert Müller-Hartburg und Anton Schweighofer mit. Seit 1972 ist er als selbständiger Architekt tätig. Zu seinen wichtigsten Bauwerken zählen die Terrassensiedlung Breitenfurter Straße in Wien 23 und das Druckereigebäude Elbemühle. Für die Gemeinde Wien entwarf er den Leopold-Thaller-Hof in Wien 3 und die Wohnhausanlage Simmeringer Hauptstraße 34-40 in Wien 11 (mit Norbert Kotz). Außerdem ist er als Konzertveranstalter für junge Musik im Wiener Musikverein und im Konzerthaus tätig.

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